Schiessen

Solothurner Spitzenschütze wird in seinem letzten Wettkampf Schweizer Meister

Schweizer Meister in seinem letzten Wettkampf: Fabio Sciuto

Schweizer Meister in seinem letzten Wettkampf: Fabio Sciuto

Fabio Sciuto kann es immer noch kaum glauben. Allein, die Goldmedaille, die daheim hängt, bestätigt es ihm – es ist wahr. Der Routinier holt sich im letzten Luftgewehr-Wettkampf seiner Karriere seinen ersten Einzel-Schweizer-Meister-Titel.

Es war letzten Herbst, als Fabio Sciuto dem Coach der Luftgewehrschützen Olten schriftlich mitteilt, dass für ihn nach dieser Saison Ende Feuer ist mit der Druckluftwaffe. «Es wurde mir einfach zu anstrengend und energieaufwendig, um auf befriedigende Resultate zu kommen», so der Solothurner. In dem Sinn war jeder Wettkampf, der zuletzt folgte, der letzte für ihn. «Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass mir das Flügel verliehen hat.»

Mitte Februar standen die Luftgewehrschützen Olten als Vize-Schweizer-Meister mit der Gruppe auf dem Podest. Auch zu dieser, lang ersehnten Medaille steuerte Sciuto viele wertvolle Volltreffer bei. Bei den kantonalen Meisterschaften klassierte sich der einstige Jungschütze des SV Oberbuchsiten auf dem Bronzeplatz. Daraus geht hervor, wie extrem hoch das Niveau im Kanton ist.

Dann war es morgens um 5 Uhr, als Fabio Sciuto unlängst mit seinem Kollegen den Weg an die Schweizer Meisterschaft nach Bern unter die Räder nahm. «Ich sagte im Auto noch zu ihm, es gibt wohl keinen anderen, der um diese Zeit an eine Schweizer Meisterschaft im Luftgewehrschiessen fährt, um aus sentimentalen Gründen dabei gewesen zu sein.» Sprich – der Mann von den LG Olten rechnete sich so was von null Komma null Chancen auf eine Medaille aus, weniger geht gar nicht «Ich wollte mit dieser SM in erster Linie einen Kreis schliessen, der mit meiner ersten SM vor vielen Jahren begann», so Sciuto.

Und dann das: «Jetzt bin ich Schweizer Meister – unglaublich», so der Meisterschütze mit sizilianischen Wurzeln. «Und», entschuldigt er sich fast, «ich habe den Titel nicht mal gestohlen oder bin glücklich dazu gekommen.» Mit 206,6 Punkten erzielte er im 20-schüssigen Final ein Weltklasse-Resultat. Nationalmannschafts-Mitglied und Olympia-Hoffnung Jan Lochbihler (Holderbank) blieb «nur» Rang 5.

Dessen ungeachtet, freute sich Lochbihler, der mit 620,9 Punkten die Qualifikation gewann, vorbehaltlos mit seinem Klubkollegen mit. «Schon den Final der besten acht zu erreichen, war für mich eine Sensation», räumt Sciuto ein. Immerhin ist das Luftgewehr der Männer olympisch und so die sich auf höchstem Niveau bewegende Königsklasse. Seit den Olympischen Spielen 2012 wird das Vorkampf-Resultat in dieser Disziplin nicht mehr in den Final mitgenommen. Alles beginnt ergo bei null. «All-in sozusagen», meint Sciuto. Ihm, als klar ältestem Finalisten, sei weniger seine Routine im Final zugutegekommen als vielmehr der Fakt, «dass ich schon immer gern Finals schoss und dabei selten schlecht aussah.» Das tritt auch der Ehrgeiz des Teilsüdländers zutage.

Just in der Disziplin, die dem mehrfachen EM-Teilnehmer stets am unsympathischsten war, holt er sich im Herbst seiner Karriere also den glanzvollsten Triumph. «Ganz klar», so Sciuto, «das ist das Grösste, das ich je erlebt habe. Vor allem, weil es so total unerwartet kam. Schöner als Geburtstag.» Und, wie steht es nun? Kommt er nun auf seine Entscheidung, mit dem Luftgewehrschiessen aufzuhören, zurück? «Einen Moment habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt», gibt er zu. Aber: «Es bleibt dabei.» Sciuto ist sich bewusst, dass er diesen Titel wohl nie verteidigen könnte. Da haben mental aussergewöhnliche, bestimmende Faktoren mitgespielt, damit sich dieser Hollywood-Streifen so abspielen konnte. Und ausserdem: «Ich würde mich selbst belügen, wenn ich nun weitermachte.» Auf einem höheren Höhepunkt als auf dem, auf dem er steht, kann Sciuto das Luftgewehr gar nicht an den Nagel hängen.

In anderer Form freilich bleibt der als Mechaniker in einer Biotech-Firma tätige Solothurner dem Schiesssport treu. «Ich kann ja nichts anderes», schmunzelt er. So geistert die Medaille an einer Schweizer Meisterschaft mit dem Kleinkaliber-Gewehr schon lang durch sein Gedankenuniversum. «Ja, das ist etwas, was ich mir vorstellen könnte, noch mal ganz gezielt anzugehen.» Zur Sparte Kleinkaliber, in der er vor einigen Jahren liegend schon mal SM-Bronze gewann, fühlt sich der Mann von den Sportschützen Obernau eindringlich hingezogen. «Hier liegen meine Wurzeln.»

Nun, wie es sich anfühlt, Meister zu sein und als solcher aufzutreten, das kann Fabio Sciuto fortan ja nun erfahren und erleben. Etwa am Solothurner Kantonalschützenfest diesen Sommer im Wasseramt. «Ich habe mich zwar noch nicht eingeschrieben, aber ich werde es bestimmt noch tun.» Der Schweizer Meister, der notabene nie ohne italienische Farben an Wettkämpfen auftritt. Seien es die in rot-weiss-grün gehaltenen Knopflöcher seiner Schiessjacke oder sei es die Trikolore, die da am Gewehrstativ prangt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1