Wenn die Schweizer Bobs unterwegs wären wie die Homepage ihres Verbandes, dann wären sie jeweils Ostern im Ziel, wenn an Weihnachten der Startschuss gefallen wäre. Dass der erste Weltcupsieg des Aargauer Piloten Rico Peter Tage danach nicht unter den News erscheint, ist eines. Dass der zweite Mann, der da in Sotschi im helvetischen Siegerschlitten hockte, unter dem Menüpunkt Athleten/Innen gänzlich fehlt, ist indes dann doch sehr merkwürdig. «Wirklich – ist das so», fragt Friedli. «Dann werde ich mich wohl einmal erkundigen müssen, was los ist.»

Immerhin will der 23-Jährige an den Olympischen Spielen 2018 mit von der Highspeed-Party sein und ist nicht erst seit gestern Bobfahrer. Für Olympia in Sotschi 2014 hatte sich der gelernte Koch knapp nicht qualifiziert. Auch deswegen, weil die Schweiz am Schwarzen Meer mit nur einem Vierer antrat.

Grösster Erfolg der Karriere

Ausgerechnet in der «mediterranen», russischen Olympiastadt feierte Friedli nun aber vor wenigen Tagen den grössten Erfolg seiner Karriere. Mit dem Aargauer Steuermann Rico Peter gewann er den Weltcupfinal im Zweier: «Das kam für uns alle sehr überraschend», gibt der Wasserämter fast ein wenig verlegen zu. Er sei eigentlich nur im Bob gesessen, so Friedli, weil Teamchef Peter seinem ersten Mann am Bremshebel, Janne Bror van der Zijde, Schonzeit vor der ab nächster Woche stattfindenden WM gönnen wollte. Und dann das: «Jann hat sich schon etwas hinterfragt und geschmunzelt – aber er hat uns den Sieg natürlich gegönnt.»

Sprinten, was die Schuhe hergeben

Trotz der Weisheit, dass man ein Siegerteam nie «changen» sollte, wird an der WM der rund 15 Kilo gewichtigere Holländer anstelle des Solothurners mit Peter im Zweier durch den Eiskanal von Winterberg (De) düsen. Ein jetzt definitiv bis in den Glatzenansatz hoch hinaus motivierter Oranje. Im Vierer alsdann wird Friedli im Peter-Bob auf der Position vier Platz nehmen und am Start sprinten, was die Schuhe hergeben. Auf dass es im Idealfall zur Medaille reicht. «Die Top 6 sind unser Minimalziel.»

Die jüngste Erfahrung freilich, was Viererbob und Rico Peter anbelangt, ist ziemlich übel. Am Tag nach dem Sieg im Zweier stürzte der 31-Jährige in Sotschi. Friedli sah vom Bahnrand zu, weil in dem Moment Ersatzmann Fabio Badraun an seiner Stelle im Schlitten sass. Aber: «Ich sass dennoch halb mit drin und habe mitgelitten», so Friedli. Just der Mann an der Bremse ist es nämlich, den es beim Umkippen in der Regel am heftigsten trifft. Glücklicherweise blieb es bei Badraun bei einer Gehirnerschütterung.

«Hauptsache, es ist Fleisch dabei»

Nachdem Friedli letzte Saison für Biberist aktiv leichtathletisch noch sporadisch als Sprinter und Hürdenläufer im Einsatz stand, will er fortan voll die Karte Bob spielen. Ab April steht die Sportler-RS in Magglingen an. «Danach beginnt sofort die Saison», sagt Friedli. So könne er mal schauen, wie es sich als Profi anfühlt.» Normalerweise geht der im Restaurant Emmepark ausgebildete Koch in der Zwischensaison seinem Job nach. «Im Winter reicht die Unterstützung der Sporthilfe, des Piloten und einiger privater Sponsoren soeben, um durchzukommen.» Eine Spezialität als kochender Berufsmann habe er keine, sagt Friedli. «Hauptsache, es ist Fleisch dabei.» Na dann: Sollte das mit der WM-Medaille in Winterberg klappen, könnte sich der Helvetia-Bremser ja mal an den Herd stellen und zur Ehren der Bahn eine «Kreisel»-Wurst oder ein «Labyrinth»-Schnitzel für seine Kollegen kreieren.