Fussball
Solothurner Fussball-Talent Marco Mathys bleibt trotz rasantem Aufstieg am Boden

Der 25-jährige Derendinger Marco Mathys erlebt derzeit einen sportlichen Höhenflug. Er spielt für den FC St.Gallen und bekam ein Aufgebot für die Nati. Mit seinem Heimatkanton ist er verbunden, die Bodenhaftung verliert er trotz Aufstieg nicht.

Michael Schenk
Drucken
Teilen
Marco Mathys
6 Bilder
In St. Gallen gesetzt, in der Nati im Fokus: Marco Mathys.
Noch vor einem Jahr spielte Mathys in der Challenge League (hier bei Biel).
Für Biel-Coach Philippe Perret war er ein wichtiger Spieler
Im Winter wurde Mathys als Neuzugang bei St.Gallen vorgestellt.
Marco Mathys erzielte für St. Gallen schon viele Tore

Marco Mathys

Er ist quasi das Gegenteil des Österreichers Felix Baumgartner, der unlängst aus der Stratosphäre per Fallschirm mit 1342,87 km/h runter auf die Erde gedüst ist. Marco Mathys’ Karriere als Fussballer verläuft mit ähnlicher Überschallgeschwindigkeit – freilich von unten nach oben. 14 Super-League-Spiele hat der 25-Jährige aus Derendingen bis dato bestritten – alle diese Saison für St. Gallen. Er ist mit den Espen in die NLA aufgestiegen; zuvor war er zweieinhalb Jahre beim FC Biel engagiert.

Nach dem Debüt in der Super League im Juli debütierte Mathys Anfang September, nach 655 Minuten in der NLA, im Kreis der Nationalmannschaft. Zum Einsatz im Rahmen der WM-Quali-Matches gegen Island und Norwegen kam er zwar nicht, aber «das war auch nicht zu erwarten», sagt Mathys. «Insofern ist sicher keine Welt für mich zusammengebrochen.» Primär dürfte es Nati-Coach Ottmar Hitzfeld in der Causa Mathys darum gegangen sein, diesem Gelegenheit zu geben, zu fühlen, zu sehen, zu hören und zu spüren, wie es in der Nati zu und her geht. Wenn Mathys weiter so durchstartet, ist das Länderspiel-Debüt nur noch eine Frage der Zeit. Am 14. November testet die Nati etwa in Tunesien.

Locker bleiben

Mathys hat sein Betriebswirtschaftsstudium vorderhand «auf Eis gelegt» und geniesst seinen «Raumflug». «Ich versuche, locker zu bleiben. Auch wenn ich jetzt mehr im Rampenlicht stehe. Zu verkrampfen und jetzt irgendetwas ‹extra gut› machen zu wollen, brächte gar nichts.» Dass es ihm gelingt, die Souplesse zu wahren, bewies einer der aktuell besten Solothurner Fussballer zuletzt beim 1:0 der St. Galler gegen Thun, als er der «Matchwinner» war. Es war sein drittes Tor in der Super League. Dass St. Gallen heuer die Super League aufmischt und derzeit Rang zwei belegt, liegt definitiv auch an der Leistung von Marco Mathys.

Er ist der Aufsteiger beim Aufsteiger. «Es ist cool, dass wir so weit vorne sind», sagt Mathys. Es ziehe jeder am gleichen Strang und der Teamgeist sei ausgezeichnet, so der Mittelfeldspieler. Und: «Unter diesen Umständen können wir unser Potenzial voll umsetzen», so Mathys. Ein Potenzial, das offensichtlich grösser ist, als es viele Experten vor der Saison erwartet haben. Aber wer hat 2012 schon mit Mathys in der Nati gerechnet? Offenbar der, auf den es allein ankommt: Ottmar Hitzfeld. Der 7-fache deutsche Meistertrainer und 2-fache Champions-League-Sieger mit Dortmund und München sagt: «Mathys ist torgefährlich, schnell und kann Druck über die Seiten machen. Zudem ist er ein herausragender Kopfball- und Passspieler.» Nun, da bleibt nicht mehr viel, worin Mathys (noch) nicht so gut wäre. Insofern ist das Nati-Aufgebot ziemlich logisch.

In Solothurn in der Badi

Obwohl es ihm in der Ostschweiz sehr gut gefällt ist die Verbundenheit zu seinem Heimatkanton Solothurn bei Marco Mathys nicht weniger geworden. Zumal seine Freundin, mit der er in St. Gallen wohnt, aus Grenchen stammt. «An freien Wochenenden sind wir öfters bei meiner oder der Familie meiner Freundin», sagt der Fussballprofi. Kollegen zu treffen, im Sommer etwa in der Solothurner Badi, sei ihm sehr wichtig. Auch im «Stedtli» ist er öfters anzutreffen. Und auch wenn sein Vater und erster Trainer Rolf heute beim Drittligisten SC Derendingen nicht mehr als Übungsleiter tätig ist, «werde ich mir gewiss hie und da wieder ein Spiel des SC Derendingen ansehen».

Marco Mathys stand nie in einer Jugend-Nationalmannschaft – wurde also nie vergoldet, ehe er überhaupt wusste, was Gold ist. Insofern sind da viel Bodenhaftung und durchaus Parallelen zur Karriere etwa von Eishockeystar Mark Streit. Dieser Streit, bei dem alles etwas länger gedauert hat und dann sehr schnell ging, verdient heute 4 Millionen Dollar pro Jahr und ist Captain der New York Islanders in der NHL und der Nati.