Der FC Grenchen war in Sachen Fussball einst das Aushängeschild des Kantons Solothurn. Der im Jahre 1906 gegründete Klub stieg 1937 erstmals in die NLA auf. Während der folgenden rund sechzig Jahre spielte Grenchen stets in den höchsten zwei Ligen der Schweiz.

Die grössten Erfolge in dieser Zeit: der Sieg im Schweizer Cup 1959 und fünf Vize-Schweizer-Meistertitel (1939, 1940, 1942, 1959 und 1964). Nach der Zwangsrelegation aus der NLB zum Ende der Saison 1994/95 folgten exakt zwanzig Spielzeiten in der 1. Liga. Im Sommer 2015 waren die fetten Jahre dann endgültig vorbei.

Mit nur 5 Punkten aus 26 Spielen belegte der FC Grenchen in seiner Erstliga-Gruppe am Ende der Saison 2014/15 abgeschlagen den letzten Platz. Ebenso katastrophal verlief das Folgejahr in der 2. Liga inter. Wieder schauten nur ein Sieg und insgesamt fünf Zähler heraus. Die Folge war der Abstieg in die regionale 2. Liga.

In dieser sicherte sich der FC Grenchen 2017 den vierten und ein Jahr später den dritten Schlussrang. Im Moment führt der Verein, der 2015 mit Wacker Grenchen fusionierte und seither offiziell FC Grenchen 15 heisst, die Tabelle in der Solothurner 2. Liga an. Zwei Siege aus den letzten beiden Partien würden reichen, um den Meistertitel zu erringen und die Rückkehr in die 2. Liga inter zu feiern.

Ein Titel für die Klubgeschichte

Der Elf von Trainer Mirko Recchiuti winkt gar der Gewinn des Doubles. Der FC Grenchen steht erstmals in seiner Klubgeschichte überhaupt im Final des Solothurner Cups. Bis 2016 durften die Grenchner als Oberklassige gar nicht teilnehmen, 2017/18 scheiterten sie im Viertelfinal am FC Biberist und in der vergangenen Saison war sogar bereits im Achtelfinal mit der 0:1-Niederlage gegen den FC Trimbach Schluss im Pokal-Wettbewerb. «Der Cup hat ein grosses Prestige», sagt Coach Recchiuti im Vorfeld des morgigen Finals auf dem Sportplatz Widi in Zuchwil. «Ein Sieg würde der Geschichte unseres Klubs guttun.»

Der Gegner im Final heisst FC Iliria, wie auch im Fernduell in der 2. Liga. In zwanzig Meisterschaftsspielen holten beide Klubs heuer jeweils 42 Punkte. Der FC Grenchen 15 stellt mit 52 erzielten Toren die beste Offensive der Liga, der FC Iliria mit nur elf Gegentoren die statistisch beste Abwehr. In den Direktduellen hat Grenchen die Nase vorne. In der Vorrunde sicherten sich die Uhrenstädter auswärts einen Punkt (0:0).

Das Duell in der Rückrunde Ende April gewann der FC Grenchen mit 1:0. Samuel Zayas avancierte mit seinem Treffer in der 87. Minute zum Matchwinner. Die Formkurve der beiden Kontrahenten spricht ebenfalls für die Grenchner. Sie gewannen zuletzt sieben Spiele in Serie, während für den FC Iliria aus den vergangenen vier Spielen lediglich ein Sieg resultierte. Dafür wissen die Stadt-Solothurner, wie man Cupsieger wird im Kanton. Vor drei Jahren setzte sich Iliria im Final gegen den SC Fulenbach im Penaltyschiessen durch und feiert später den Gewinn des Doubles.

Nicht auf zwei Hochzeiten

«Ich finde nicht, dass wir in der Liga den Vorsprung vergeigt haben. Das wäre definitiv das falsche Wort», so Iliria-Co-Trainer Vilson Dedaj. Viel mehr gebühre dem FC Grenchen 15 ein grosses Lob: «Sie haben nur einmal verloren in der Rückrunde und alle anderen Spiele gewonnen. Wir haben auch nur einmal verloren, im Direktduell, aber leider halt zweimal unentschieden gespielt.» Der Aufstieg sei aber gar nie das Ziel gewesen, dafür fehlen dem Verein die finanziellen Mittel, so Dedaj. Deshalb sei die Saison auf jeden Fall als positiv zu werten, auch wenn es am Ende der zweite Platz werden sollte.

Dedaj sieht keines der beiden Teams in der Favoritenrolle. Denn Cup ist Cup und der schreibt immer seine eigenen Geschichten, sagt der 31-Jährige. «Der FC Grenchen will das Double. Doch wir sind ebenfalls scharf auf den Cupsieg. Für uns spricht, dass wir gut in Form sind, fast keine verletzten Spieler haben und die Stimmung im Team top ist. Wir werden alles dafür tun, den Pokal am Ende in die Luft zu heben.» Der Cupsieg sei seit letztem Sommer das grosse Saisonziel: «Im Gegensatz zu Grenchen wollten wir gar nie auf zwei Hochzeiten tanzen. Der Fokus lag immer auf dem Cupfinal.»

Neun weitere Finalpaarungen

Nebst Iliria gegen Grenchen 15 stehen morgen in Zuchwil neun weitere Finals auf dem Programm. Den Auftakt bilden die Senioren 30+; Titelverteidiger Trimbach wird vom FC Härkingen gefordert. Zeitgleich beginnt der Final der C-Junioren zwischen der Gäu Selection und dem Team Jurasüdfuss. Bei den Jüngsten, den D-Junioren, kämpfen der FC Solothurn und der Grenchen 15 um den Pokalsieg.

Der Mittag steht dann ganz im Zeichen der Juniorinnen.
Solothurn gegen Härkingen heisst die Paarung ab 13 Uhr bei den A-Junioren. Solothurn war 2016 und 2018 Cupsieger, dazwischen holte Härkingen den Titel. Bei den Senioren 40+ winkt dem FC Bellach die Titelverteidigung. Bei den Frauen wird der Solothurner Cup in diesem Jahr definitiv in den Oberaargau gehen. Der FC Attiswil und der FC Niederbipp stehen sich gegenüber.