Kajak
Solothurner Boote mit guten Medaillenchancen an der WM

Die Solothurner Kajakfahrerinnen Melanie Mathys und Chantal Abgottspon wollen an der WM glänzen. Die grössten Medaillenchancen hegen Mathys und Abgottspon im Team-Wettkampf, den sie zusammen mit Teamleaderin Sabine Eichenberger bestreiten werden.

Michael Schenk
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Melanie Mathys (links) und Chantal Abgottspon fahren zuversichtlich an die WM nach Frankreich.

Melanie Mathys (links) und Chantal Abgottspon fahren zuversichtlich an die WM nach Frankreich.

Michael Schenk

«Ich habe mich im letzten ‹guten› Moment verletzt», lächelt die Solothurner Spitzenkanutin Chantal Abgottspon. Ultimo ratio hinsichtlich dessen, dass die Zeit gerade noch gereicht hat, den «Schaden» auszukurieren und jetzt für die diese Woche anstehende Kanu-Abfahrtsweltmeisterschaft auf der Isère in La Plagne wieder fit zu sein. Und: «Ich fühle mich jetzt wirklich sehr gut in Form», räumt Abgottspon ein. Die Silbermedaille an der Schweizer Meisterschaft vor wenigen Tagen mit einem minimen Rückstand auf die Gesamtweltcupsiegerin 2012, die Bruggerin Sabine Eichenberger, hat dies denn auch so untermauert.

Die Art und Weise, wie sich die 21-jährige angehende Psychologie- und Wirtschaftsstudentin Anfang Mai die Schulter ausgerenkt hatte, hat etwas Einmaliges. Passiert ist das Ganze nämlich im Tiefschlaf. «Ich bin irgendwie sehr ungünstig gelegen», so die junge Bürenerin. Das kann man wohl sagen. Daran freilich, dass sie im Traum etwa von einem Weissen Hai angegriffen worden wäre und sich mit dem Paddel gewehrt hätte, kann sie sich nicht erinnern. Aber Glück im Unglück sei gewesen, dass die Verletzung quasi sanft und nicht mit Wucht, was wach wohl der Fall gewesen wäre, passiert sei. «So musste ich nur zwei Wochen pausieren – konnte aber während dieser Zeit viel für die Kondition machen», klärt Chantal Abgottspon auf.

Vergleich gibt zu Hoffnung Anlass

Was ihre Ambitionen an der anstehenden WM angeht, sind diese klar definitiv. Die Sprintspezialistin möchte in ihrer Paradedisziplin «natürlich schon vorne hineinfahren». Also wenn möglich natürlich aufs Podest. Der winzige Rückstand auf ihre Landsfrau Sabine Eichenberger, ihres Zeichens amtierende Europameisterin und Weltmeisterin von 2009, lässt diesbezüglich hoffen. Auf der klassischen Distanz, die gegenüber dem Sprint rund zehnmal länger ist, «wäre ich mit einem fünften, sechsten Rang zufrieden», sagt Abgottspon.

Konkurrenz wird ihr diesbezüglich nebst der erwähnten Heroin am Paddel namens Eichenberger vornehmlich auch von Klubkollegin Melanie Mathys erwachsen. Die Junioren-Weltmeisterin startet erstmals an einer WM der «Grossen». Die 18-jährige Sport-Kantischülerin, die nächstes Jahr die Matur abschliessen will, rechnet sich ebenfalls gute Chancen auf vordere Plätze aus. Unter die besten zehn wäre schön, meint sie. «Wir waren in den letzten Monaten schon dreimal in einem Trainingslager auf dem WM-Fluss und wissen also, was uns erwartet», erzählt die Solothurnerin. Insofern sind die Schweizerinnen mit den Wellen, Wirbeln und Walzen auf der Isère auf Du und Du.

Da auch andere europäische Nationen gleichzeitig wie die Schweizerinnen in La Plagne ihre WM-Qualifikationsläufe ausgetragen haben, hat Mathys einen guten Anhaltspunkt, wo sie steht. «Das sah nicht schlecht aus», sagt sie. «Mit dem nötigen Wettkampfglück hoffe ich schon auf vordere Ränge.» Immerhin ist die Weltspitze im nichtolympischen Kanu-Abfahrtssport identisch mit der europäischen.

Goldaspirant mit dem Team

Die grössten Medaillenchancen hegen Mathys und Abgottspon freilich definitiv im Team-Wettkampf, den sie zusammen mit Teamleaderin Sabine Eichenberger bestreiten werden. Wenn da kein zu mächtiger Fisch oder Fels in die Quere kommt oder eines der Schweizer Boote 100 Jahre nach dem Untergang der Titanic ebenso untergeht, dürfte dem Suisse-Trio in La Plagne Edelmetall im Mannschafts-Event kaum zu nehmen sein.