Badminton
Solothurn erlebt ein Badminton-Ende, das fast unbemerkt blieb

Die Auflösung des Solothurner NLA-Teams wirft in der Region keine hohen Wellen. Die wenigen Ausnahmen sind die direkt betroffenen Spieler und Funktionäre. Überraschend kam das Ende für niemanden.

Daniel Weissenbrunner
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Am Ende hingen die sportlichen und finanziellen Trauben für das Team Solothurn zu hoch: Sportchef Carlos Prieto und Monika Fischer. cbo

Am Ende hingen die sportlichen und finanziellen Trauben für das Team Solothurn zu hoch: Sportchef Carlos Prieto und Monika Fischer. cbo

Christian Boss (CBO)

Carlos Prieto rieb sich verwundert die Augen. Eine solche Medienresonanz hat er in all den Jahren mit dem Team Solothurn nie erlebt. Nicht einmal, als seine Equipe vor drei Jahren den Meistertitel gewann. Seit Montagabend, seit der Bekanntgabe des Rückzugs aus der NLA (SZ vom Mittwoch), ist der Sportchef und das Vorstandsmitglied des Vereins eine gefragte Person. «Eigentlich bedauerlich, dass erst eine Bad News ein derartiges Echo erzeugt», so Prieto.

Dass am Ende die Energie und die finanziellen Mittel fehlten, ist nicht den Medien anzulasten. Das Aus für die Solothurner ist komplexer. So hält es Prieto in einer Erklärung an die Mitglieder, die er gestern verschickte, explizit fest. «Die Gründe sind vielschichtig.» Nach dem Ausstieg von Hauptsponsor Raiffeisenbank klaffte ein Loch, das nicht gestopft werden konnte.

Auch der Nachwuchs fehlt

Dazu fehlt dem Verein der Nachwuchs, der mittelfristig in das Nationalliga-Team hätte integriert werden können, um damit wiederum die Kosten zu senken. Und: «Eine gewisse Sättigung oder ein Desinteresse gegenüber dem Spitzensport im Badminton in unserer Region ist nicht von der Hand zu weisen», sagt Prieto.

«Dazu ist es uns nicht gelungen, die Zuschauerzahl an den Heimspielen zu steigern oder bestenfalls zu halten. Diesen rückläufigen Trend mussten wir seit längerem beobachten.» Die negative Entwicklung ist auch Christian Bösiger und Monika Fischer nicht verborgen geblieben. Die beiden Ur-Solothurner-Akteure zeigen sich über das Ende betroffen. Sie sind aber nicht überrascht.

«Es war ein schleichender Prozess», sagt der mehrfache Schweizermeister und Olympia-Teilnehmer. Bösiger hält auch mit Kritik nicht zurück. «Solothurn ist was das Badminton anbelangt eine tote Gegend. Der ganze Aufwand lastete immer auf ein paar wenigen Schultern.»

Sportlich fair abschliessen

Wie es für ihn, für Monika Fischer und den Rest des Teams nach der Saison weitergeht, ist momentan offen. Fischer, die in Wien lebt und mit ihrem Lebenspartner Michael Lahnsteiner jeweils zu den Spielen in die Schweiz fliegt, kann sich ein neues Engagement in der Nationalliga A vorstellen. «Aber nur im Doppelpack.» Wirtschaftsinformatik-Student Christian Bösiger, der sich im Dezember die Achillessehne angerissen hat und derzeit verletzt ist, hat seine Fühler ebenfalls ausgestreckt. «Spruchreif ist noch nichts.»

Sowohl Prieto, wie auch Fischer und Bösiger betonen, dass man die Meisterschaft sportlich fair abschliessen will. Am 1. März trägt die Mannschaft im CIS in Solothurn ihre letzte Heimpartie aus. «Vielleicht kommen wenigstens dann etwas mehr Zuschauer», sagt Christian Bösiger. Sein Galgenhumor ist berechtigt. Denn ausser dem Interesse der Medien, blieb es im Umfeld des Vereins in den vergangenen Tagen erstaunlich – oder eben auch nicht – ruhig.