Swiss-League-Playoffs
So will der EHC Olten den 1:3-Rückstand in der Serie gegen Langenthal noch wettmachen

Verlieren verboten: Der EHC Olten braucht drei Derby-Siege in Serie – Sportchef Marc Grieder weiss, wie man als Spieler eine 1:3-Serie zum Guten wendet. Heute Abend, 19.45 Uhr, wollen die Powermäuse den ersten Schritt dazu machen.

Silvan Hartmann
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Kann Olten (Esbjörn Fogstad Vold (rechts) gegen Alain Bircher) die Serie noch wenden? Bild: Freshfocus

Kann Olten (Esbjörn Fogstad Vold (rechts) gegen Alain Bircher) die Serie noch wenden? Bild: Freshfocus

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Es machte am Donnerstagmorgen nicht den Anschein, als hätten die EHCO-Spieler nur wenige Stunden zuvor ein Playoffspiel absolviert. So bestreitet das Team eine erstaunlich intensive einstündige Trainingseinheit und ist dabei höchst konzentriert an der Arbeit. «Ja, wir haben wieder viel Energie reingesteckt», bestätigt Captain Philipp Rytz, nachdem er am Abend zuvor nach der unverständlichen 1:4-Niederlage noch nach Worten gerungen hatte.

Die Enttäuschung war gross und die Fragezeichen, wie man bloss auf einen 7:0-Heimsieg derart lethargisch auftreten kann, noch viel grösser. Der EHC Olten sah sich gestern zu einem Statement gezwungen: «Liebe EHCO-Fans, wir verstehen und teilen eure Enttäuschung über die Niederlage in Langenthal. Die Zeit für grundsätzliche Analysen ist noch nicht gekommen. Noch ist alles möglich. Wir brauchen eure Unterstützung am Freitag im Stadion mehr denn je. Nur gemeinsam können wir uns aus dieser schwierigen Lage befreien, die grosse Wende schaffen.»

Schmerzhafte Niederlage: Der EHC Olten muss sich im Schoren mit 1:4 geschlagen geben und steht vor dem Playoff-Aus.
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Swiss League Playoffs, Spiel 4, SC Langenthal - EHC Olten (26.02.20)
Die Langenthaler bejubeln eine Minute vor Spielende den Empty Netter.
Der SC Langenthal verwaltet die Führung geschickt.
Dem EHCO fehlen im letzten Abschnitt die Ideen.
Brenzlige Szene im letzten Drittel: Die Oltner halten sich mit vereinten Kräften im Spiel.
SCL-Goalie Philip Wüthrich macht dem EHCO das Leben schwer.
Der SC Langenthal kann die Führung im zweiten Abschnitt auf 3:1 ausbauen.
Philip Wüthrich lässt sich im mittleren Drittel nicht bezwingen.
Olten sucht den Ausgleich.
Olten bejubelt den Anschlusstreffer kurz vor der ersten Pause.
Michael Rudolf erzielt das Tor zum 1:2 in der 18. Minute.
Diego Schwarzenbach kommt nicht an Philip Wüthrich vorbei.
Grosser Jubel im Schoren: Stefan Rüegsegger gelingt im ersten Abschnitt auch das zweite Tor für Langenthal.
Hart geführtes Duell an der Bande zwischen Michael Rudolf und Mika Henauer.
Stefan Rüegsegger bringt den Gastgeber in Führung.
Silvan Wyss kann SCL-Keeper Philip Wüthrich im ersten Abschnitt nicht bezwingen.
Olten läuft ab der 9. Minute einem Rückstand hinterher.
Der SC Langenthal erwischt den besseren Start in die Partie.
Olten-Goalie Silas Matthys verbuchte zuletzt im Spiel 3 einen Shutout – in Langenthal muss er sich dagegen im Startdrittel zweimal geschlagen geben.
Die Langenthaler Choreo vor dem Spiel.

Schmerzhafte Niederlage: Der EHC Olten muss sich im Schoren mit 1:4 geschlagen geben und steht vor dem Playoff-Aus.

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Am Morgen nach der dritten Niederlage in der Playoff-Serie, nach einer Handvoll Stunden Schlaf, hat Rytz das Lachen und vor allem der grenzenlose Glauben an die Wende wieder gefunden. Es fühlt sich so an, als würde das Saisonende unter den Spielern weit entfernt sein. «Ja, in meinem Kopf sicher», sagt Philipp Rytz, «aber wir müssen trotzdem die Fakten sehen: Wir dürfen uns überhaupt nichts mehr erlauben. Die Situation ist nicht einfacher geworden», sagt er nachdenklich, gibt aber nicht auf: «Wir können Eishockey spielen, das haben wir genug oft bewiesen. Wichtig ist, dass sich jeder einzelne noch einmal hintersinnt, sich bewusst ist über die Stärken und Schwächen. Ich denke, wir wüssten, wie es funktioniert, nur sollte es nun jeder auch abrufen können. Was wir am Mittwoch gezeigt haben, war sicher nicht gut genug», sagt der Captain.

Dann weist Philipp Rytz auf Nachfrage auf drei Schlüsselpunkte hin, die unbedingt besser werden müssen:

  • Scheibenverluste

«Ob defensiv, an der blauen Linie oder offensiv, wir dürfen uns keine Turnover mehr erlauben, das hatten wir am Mittwoch vielleicht 20, 30 Mal. In einigen Situationen an der blauen Linie sollten wir konsequenter die Scheibe tiefspielen.»

  • Jedes Play fertig machen

«Den Willen zeigen, die Scheibe gewinnen zu wollen und alles Mögliche dafür zu tun. In den Zweikämpfen können wir uns steigern und mit ­Konsequenz jedes Play fertig machen.»

  • Defensivverhalten

«Es ist nicht immer alles schlecht. Aber wir haben vor allem im Defensivverhalten Dinge gezeigt, die wir uns schlicht nicht leisten dürfen. Wechselfehler, dumme Strafen – solche Dinge sind in einer Serie ausschlaggebend.»

Bestärkt wird Verteidiger Philipp Rytz von Sportchef Marc Grieder: «Ich war nach dem Spiel vom Mittwoch perplex. Dass wir nicht am 7:0-Sieg anknüpfen konnten, ist besonders enttäuschend», sagt der Sportchef, der aber überzeugt ist, dass seine Spieler das Unmögliche möglich machen können. «Jetzt heisst es Charakter zeigen, mit jeder Faser des Körpers dabei sein, die Fehler abstellen und die Tore erzwingen.»

Marc Grieder kehrt 1:3-Serie

Dass man eine 1:3-Playoff-Serie durchaus noch wenden kann, haben seit der Best-of-7-Modus-Einführung 2002 in der NLB drei Teams bewiesen (siehe Box). Eines davon waren die Rapperswil-Jona Lakers im Jahr 2016. Als Absteiger und später überzeugender Qualifikationssieger traf er auf das achtplatzierte Thurgau – und geriet 1:3 ins Hintertreffen.

Mittendrin bei Rapperswil: Marc Grieder. Er erinnert sich: «Es war eine ähnliche Situation, wie wir sie jetzt bei uns haben. Wir konnten unser Eishockey, das uns in der Qualifikation stark machte, plötzlich nicht mehr abrufen. Wir hatten dann die unzähligen Fehler abgestellt, uns auf unsere Stärken fokussiert, sodass dann jeder seine Aufgabe auf dem Eis erledigt hatte. Niemand hatte mehr an uns geglaubt, wir standen mit dem Rücken zur Wand, aber dank einer grandiosen Teamleistung konnten wir uns durchsetzen», erinnert sich der damalige Verteidiger und heutige Sportchef.

Schliesslich kämpfte sich Rapperswil – im Übrigen mit dem heutigen Langenthal-­Ausländer Andrew Clark im Team – bis in den Final vor. Marc Grieder: «Das können wir auch hier in Olten schaffen.»

Drei Mal vom 1:3 zum 4:3

Seit der Einführung des Best-of-7-Modus in der NLB/Swiss League in der Saison 2002/2003 haben sich 3 Teams nach einem 1:3-Rückstand in einer Playoff-Serie durchsetzen können.

- 2007/08: Halbfinal Lausanne – La Chaux-de-Fonds vom 3:0 zum 3:4
La Chx-d-Fds ist das einzige Team, das in der zweithöchsten Spielklasse gelang, sogar einen 0:3-Rückstand wettzumachen. Der HCC gewann die Spiele 4 bis 7 mit 3:2, 3:1, 8:1 und 3:1.

- 2009/10: Viertelfinal Lausanne – Ajoie vom 1:3 zum 4:3
Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch gegen La Chx-d-Fds machte es Lausanne besser und kehrten die Serie gegen Ajoie. Die Waadtländer gewannen die Spiele 5 bis 7 mit 4:3, 4:2 und 3:0.

- 2015/16: Viertelfinal Rapperswil – Thurgau vom 1:3 zum 4:3
Absteiger Rapperswil schrammte in seiner ersten Swiss-League-Saison im Viertelfinal gegen Thurgau an einer Blamage vorbei. Der Qualisieger befreite sich nach einem 1:3-­Serienrückstand noch aus der Rücklage und gewann die letzten drei Spiele mit 5:0, 4:2 und 4:1.