Powerman Zofingen
So holte sich Petra Eggenschwiler den grössten Triumph ihrer Karriere

Die Solothurner Multisportlerin Petra Eggenschwiler wird am Powerman Zofingen Duathlon-Langdistanz-Weltmeisterin. Auch auf Unkonventionellem gründet dieser Grosserfolg.

Jörg Greb
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Petra Eggenschwiler bei ihrem Triumph am Sonntag in Zofingen. Michael Wyss

Petra Eggenschwiler bei ihrem Triumph am Sonntag in Zofingen. Michael Wyss

Michael Wyss

Drei Stunden hat Petra Eggenschwiler geschlafen nach ihrem grössten Triumph ihrer Karriere. «Ich fühlte mich nicht müde und die Emotionen liessen mich nicht los», sagt die gebürtige Thalerin, die mittlerweile in Langendorf lebt, dazu. Intensiv waren die Bilder, die Empfindungen und die Gedanken, die ihr immer wieder durch den Kopf schossen. Sie sagt: «In einem solchen Gefühlsstrudel loszulassen, ist schwierig, aber es gibt Schlimmeres.»

Ihren aktuellen Zustand vermag die 30-Jährige nur schwer zu definieren. «Es ist unrealistisch, ich kann es noch immer nicht recht glauben.» Dieses WM-Gold kam auch für sie überraschend. Der Powerman Zofingen mit seinen 10 km Laufen, 150 km Velo und nochmals 30 km Laufen war für die talentierte Ausdauersportlerin bisher kein gutes Pflaster gewesen: drei Teilnahmen, drei sechste Plätze, drei Leidensgeschichten. Nach dem exzellenten Rennen am Inferno Triathlon mit dem zweiten Platz vierzehn Tage zuvor stellte sie ihre ursprüngliche Planung auf den Kopf.

Liebe zu den Bergen

Erst sechs Tage vor dem Powerman meldete sie sich an. Im Wissen «einer erfreulichen Velo-Form» tat sie dies, ebenso aber auch darin, dass «ich das Laufen, flach, bergab und coupiert überhaupt nicht trainiert hatte in letzter Zeit». Dieses Manko dürfte ihr zum Verhängnis werden auf dem Auf und Ab der Zofinger Laufstrecke, war sie überzeugt gewesen. Wurde es nicht. Getragen von der Euphorie und den Glückshormonen, baute sie ihren Vorsprung nach dem Veloabschnitt weiter aus. «Die Einstellung, ich liefere an diesem Tag einfach das Beste für mich ab, war der Schlüssel zum Erfolg», sagt Petra Eggenschwiler. Mit 6250 Dollar ist die Parforceleistung honoriert worden. Um «eine für mich einmalige Prämie» handelt es sich dabei. Unbedeutend daher die Muskelschmerzen in den Oberschenkeln, die noch einige Tage vorhanden sein werden.

Profiliert hat sich Petra Eggenschwiler in den letzten Jahren als (Berg-)Läuferin von kurzen bis langen Distanzen und ebenso als Duathletin wie als Triathletin. «Der Berglauf ist meine bevorzugte Sparte», sagt sie. Diese Präferenz zeigt sich auch in ihrem Sportleralltag, aber nicht eindimensional. Auf den Hausberg Weissenstein sieht man sie zwar immer wieder rennen, aber an Alternativen fehlt es nicht. Mit dem Velo bewältigt sie den Arbeitsweg von Solothurn nach Zollikofen – dort arbeitet sie als Geologin mit einer 80-Prozent-Anstellung.: Und ihrer Liebe zu Berner Oberländer Bergen wegen fuhr sie im Sommer als Inferno-Training nicht selten vor der Arbeit an den Fuss des Stockhorns, des Niesen oder des Niederhorns, rannte hoch und fuhr mit der Bergbahn zurück.

Ein Gegenbeispiel

Entdeckt hat Petra Eggenschwiler ihre Affinität zum Ausdauersport im Alter von knapp zwanzig Jahren. Vorher war sie sehr vielfältig aktiv gewesen, als: Schützin, Ju-Jitsu-Kämpferin, Fitnesssportlerin. Über die Bergläufe der Jura Top Tour fand sie zum Laufen. Und weil sich ihr Talent rasch zeigte, schloss sie sich den Leichtathleten des TV Welschenrohr unter Hansruedi Mägli an. Je länger, je mehr begann sie sich aber zu emanzipieren. «Anfangs trainierte ich nach Plan – bis ich merkte: Das passt nicht zu mir.» Seit fünf Jahren trägt sie die Verantwortung selber. Die Lust und die Spontaneität stehen nun als Triebfedern im Zentrum. Duathlon und Triathlon sind hinzugekommen. Wertvolle Tipps und «Anstösse für «den richtigen Weg» nimmt sie aber nach wie vor gerne von Mägli entgegen. Und, so betont sie: «Ohne Hansruedis Zuspruch hätte ich mich nicht für diesen Powerman angemeldet.»

Runden drehen auf der Leichtathletikanlage sieht man Petra Eggenschwiler aber nie – obwohl dies der gängigen Theorie des Entwickelns der Leistungsfähigkeit widerspricht. In diesem Zusammenhang hat sie auch den Kommentar von Simon Luder, dem Trainer des Triathlon-Leistungszentrums Solothurn, nach dem Zofinger Rennen zu schätzen gewusst: «Du, Petra bist ein Beispiel dafür, dass es andere Wege gibt als mit Leistungsdiagnostik, Trainingswissenschaft und technischen Hilfsmitteln.»

Viele Visionen

Und wie stellt sich die Spontane die sportliche Zukunft vor? «Konkret überlegt habe ich mir dies nie», sagt sie. Visionen aber verhehlt sie nicht, etwa «internationale Starts im Duathlon, oder Triathlon, die Qualifikation für die Berglauf-WM vom nächsten Jahr im Wallis oder den Inferno Triathlon gewinnen.» Nur manchmal wird ihr das breit gefächerte Talent und Interesse zum Nachteil. So diesen Frühling, als sie sich kurzfristig für den Ironman 70.3 Rapperswil interessierte, der Anmeldetermin aber längst vorbei war und sie passen musste.