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So gehen Sport-Vereine in der Region mit dem Snus-Boom um

Der Import von Snus in die Schweiz hat in den letzten Jahren markant zugenommen.

Der Import von Snus in die Schweiz hat in den letzten Jahren markant zugenommen.

Die Zahlen schrecken auf: Noch nie wurde so viel Snus in die Schweiz importiert wie 2011: Knapp 27000 Kilogramm oder 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Boom ist ein Phänomen. Der Mundtabak aus Schweden ist verboten und darf nur für den Eigengebrauch eingeführt werden. Dennoch blüht der Handel.

Davon besonders betroffen sind Unihockey und Eishockey. Anstrengungen sind in diesen Sportarten im Gang, um des Problems Herr zu werden. Das von Swiss Olympic unterstützte Präventionsprogramm «cool and clean» versucht mit  gezielten Informationen, Vereine in ihrer Aufklärung zu unterstützen. Bisher allerdings mit mässigem Erfolg: «Der Trend ist wenig erfreulich. Snusen gilt nach wir vor als cool», erklärt Reto Balmer, Kampagnenverantwortlicher bei «cool and clean».

Ein halbes Jahr nach Start der Zusammenarbeit mit Swiss Unihockey muss Balmer zur Kenntnis nehmen, dass sich wenig geändert hat. «Diese Tatsache ist für uns aber ein zusätzlicher Ansporn, noch stärker tätig zu werden», so Balmer. Es gehe nun darum, die Klubs stärker zu sensibilisieren. «Ziel ist, dass sich jede Nachwuchsabteilung des Themas annimmt.»

Missbrauch wird sanktioniert

Nicht auf die lange Bank geschoben hat man die Angelegenheit beim SV Wiler-Ersigen. Beim Unihockey-Schweizer-Meister ist der Snuskonsum längst im Verhaltenskodex des Klubs verankert und wird bei Missbrauch sanktioniert. «Das geht von einer Busse über Helferdienste bis zum Trainingsausschluss», sagt Sportchef Marcel Siegenthaler.

Die Androhung und vor allem die Aufklärung haben ihre Wirkung scheinbar nicht verfehlt. In der Nachwuchsabteilung des Vereins ist bisher kein Snusfall offiziell registriert worden. Siegenthaler ist aber nicht blauäugig. Er räumt ein, dass es keine hundertprozentige Garantie gebe. «Wir sind keine Snus-Polizisten und wollen die Spieler nicht bevormunden, sondern appellieren auch an deren Eigenverantwortung.»

Die Hand ins Feuer legen mag man auch nicht beim EHC Zuchwil Regio. Nachwuchsobmann Ferdi Grichting schliesst nicht aus, dass beim Eishockey-Erstligisten gesnust wird. «Ich habe schon davon gehört, konkrete Fälle liegen mir aber nicht vor.» Gleichwohl will man sich im Klub mit dem Thema intensiver auseinandersetzen. Ein Orientierungsabend zusammen mit der Gesundheits- und Suchtpräventionsstelle des Kantons Solothurn befindet sich in Planung. «Mit Informationen aus erster Hand wollen wir so unsere Trainer informieren, die das Wissen danach an die Spieler weitergeben können», so Grichting.

Auf die Dopingliste setzen

Eine Untersuchung des Schweizer Labors für Dopinganalysen am Unispital Lausanne ergab, dass jeder vierte Spitzensportler nikotinhaltige Produkte konsumiert. Die Welt-Antidoping-Agentur führt Nikotin derzeit nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen. Als Folge der Studie gehört es aber zum Überwachungsprogramm 2012. Damit eine Substanz verboten wird, müssen drei Punkte erfüllt sein: Sie steigert die Leistung, sie birgt Gesundheitsrisiken, und sie widerspricht dem Sportgeist. «Ausreichende Kriterien», findet Marcel Siegenthaler, «um Snus auf die Dopingliste zu setzen.»

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