Eishockey
So erlebte Sportchef André Rötheli den Trainerwechsel bei den Kloten Flyers

André Rötheli, seit wenigen Wochen Sportchef der Kloten Flyers, hat am Mittwoch einen reich befrachteten Tag erlebt: Das Klotener Urgestein Felix Hollenstein ist zurück bei den Flyers. Er ersetzt per sofort den entlassenen Tomas Tamfal als Headcoach.

Michael Schenk
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Der Solothurner André Rötheli, Sportchef der Kloten Flyers.

Der Solothurner André Rötheli, Sportchef der Kloten Flyers.

KEYSTONE

Es war eine sehr kurze Nacht vor einem sehr langen Tag für den seit Anfang November als Sportchef der Kloten Flyers tätigen Solothurner André Rötheli. Nach der 2:4-Derby-Pleite gegen die ZSC Lions kam der 42-Jährige erst gegen halb drei ins Bett. Tagwache am Mittwoch war um sechs Uhr. Um halb acht stand das erste von diversen Meetings im Verlauf der folgenden Stunden auf dem Programm. Zuerst eines mit der sportlichen und strategischen Führung des Klubs. Kurz darauf, als Folge davon, jenes mit Trainer Tomas Tamfal, um diesem zu eröffnen, dass er per sofort nicht mehr Trainer der Flyers ist. Später jenes mit Frédéric Rothen, um diesem mitzuteilen, dass er nur noch so lange Assistent bleibt, bis Kimmo Rintanen den Job übernimmt. «Ich war als Spieler oft gefordert und in speziellen Situationen. Insofern war diese Situation zwar neu, aber nur neu in meiner neuen Rolle als Sportchef», so Rötheli. Albträume plagen ihn wegen «dieses nie schönen Jobs, wenn man jemanden entlassen muss», keine. In der Folge stand für den sportlichen Leiter der Flieger unter anderem die Teamorientierung an, die obligate Pressekonferenz, die Begutachtung eines neuen Vermarktungskonzeptes sowie gegen Abend vor allem die Videoanalyse des vorausgegangenen Spiels im Hallenstadion zwecks Stellungnahme zu einem Verfahren, das Einzelrichter Reto Steinmann gegen Flyers-Stürmer Simon Bodenmann nach dessen grenzwertigem Check gegen Ryan Shannon eröffnet hat.

Vorab in Bern, aber auch in Lugano und Zug, wo er überall jeweils einmal Meister geworden ist, galt Rötheli als «Mister Playoff». Er war der Mann für die entscheidenden Tore und sehr oft der, der dann, wenn es wirklich darauf angekommen ist, das Richtige gemacht hat. «Das war in erster Linie so», sagt Rötheli, «weil ich das, was war, schnell und gänzlich abhaken und mich auf das nächste Spiel fokussieren konnte. Allein so ist das Maximum abrufbar.» Also nach einem 12:0-Sieg, wie ihn die Flyers unlängst gegen die Lakers eingefahren haben, nicht tagelang den Helden zu markieren; nach einer 2:4-Niederlage und dumm verspielten Punkten aber auch nicht zum Trauerkloss zu erstarren. Die nächsten Tage werden zeigen, ob «Mister Playoff» auch in seiner jetzigen Rolle einen ersten Volltreffer gelandet hat. Mit dem neuen Coach der Flyers, Felix Hollenstein, verbindet den 72-fachen Nationalspieler Rötheli kein sonderlich enges, persönliches Verhältnis. «Wir haben oft gegeneinander ‹gchnüttlet› und hatten immer sehr grossen Respekt voreinander», sagt Rötheli. Insofern sehe er gar kein Problem darin, dass er jetzt der Chef seines ehemaligen Kontrahenten ist.

Was die Umstellung vom Spieler und zuletzt Nachwuchschef respektive Assistenztrainer der 1. Mannschaft in Olten weg vom Eis hin Richtung administrativen Bereich grundsätzlich angeht, sagt der Hobby-Pilot: «Der Job ist genau die Challenge, die ich gesucht habe. Ich fühle mich extrem wohl und bin dankbar, mit so einem tollen Team und so ausgewiesenen Leuten zusammenarbeiten zu können.» Er sei mit dem genau gleichen Enthusiasmus bei der Sache wie früher als Spieler – «wenn nicht sogar mit noch mehr». Zu den erwähnten Kapazitäten im Staff gehört vorab Philippe Gaydoul, seines Zeichens Besitzer und seit Dienstag auch Präsident der Flyers. «Wir arbeiten sehr eng zusammen. Er ist ein Mann, der sehr schnell entscheidet und von dem ich jeden Tag lernen kann. Eine beeindruckende Persönlichkeit.»

80 000 Franken Ablösesumme hatten die Flyers dem EHCO als Entschädigung dafür überwiesen, dass sie «Roots», so Röthelis Spitzname, aus dem laufenden Vertrag in Olten «raustransferieren» konnten. Ein Ausstieg freilich, der in Olten längst nicht nur für Jubel und Trubel gesorgt hatte. Trotzdem bleibt Rötheli ein Oltner: «So schnell kommt keiner daher, der so viele Stufen wie ich im Kleinholz rauf- und runtergesprungen ist.» Darum stehe er einer Zusammenarbeit, wenn diese für beide Seiten Sinn mache, immer offen gegenüber. So wie kürzlich, als die Flyers Olten mit Nachwuchs-Goalie Lukas Meili ausgeholfen haben und umgekehrt Colten Fretter zwei Spiele lang NLA-Luft schnuppern konnte.

Nach der Rückkehr nach Steinhausen, wo Rötheli wohnt, wurde es gestern definitiv nicht halb 3 Uhr heute, bis die Lichter ausgingen.