Nein, wirklich daran geglaubt hat Simon Friedli vor sieben Jahren nicht. «Hätte mir bei meinem Einstieg in den Bobsport jemand gesagt, dass ich dereinst an den Olympischen Spielen teilnehmen kann, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht», sagt er.

Lachen kann der 26-jährige Derendinger auch heute noch, allerdings aus einem anderen Grund: Er darf als Anschieber im Team des Kölliker Bobpiloten Rico Peter an die Olympischen Winterspiele nach Pyeongchang reisen. Aus der Utopie ist Realität geworden.

«Ich bin schon etwas nervös, aber vor den ersten Olympischen Spielen ist das, glaube ich, normal», gesteht Friedli, der den Aufenthalt in Asien geniessen will. «Ich freue mich, die tollen Olympia-Kleider anzuziehen, und werde versuchen, von den neuen Eindrücken so viel wie möglich aufzusaugen.»

Nur zum Spass fliegt der gelernte Koch indes nicht nach Südkorea. Das erklärte Ziel des Teams ist der Gewinn einer Medaille. Daran ändern auch die durchzogenen Auftritte im Weltcup nichts. «Die Resultate sind sicher nicht das, was wir uns vorgestellt haben», erklärt Simon Friedli.

Simon Friedli (hinten) sitzt seit sieben Jahren im Schlitten von Rico Peter.

Simon Friedli (hinten) sitzt seit sieben Jahren im Schlitten von Rico Peter.

Die Zuversicht für die Olympischen Bob-Wettbewerbe sei aber nach wie vor intakt. Vor allem der zweite Platz mit dem grossen Schlitten im Weltcuprennen der letzten Saison in Pyeongchang nährt die Medaillenhoffnungen. «Nur schon deswegen dürfen wir uns zu den Anwärtern auf einen Podestplatz zählen und um die Medaillen mitreden», sagt Friedli.

Defizite wettmachen

Damit die Schweiz in Südkorea die fast schon traditionelle Olympiamedaille im Bobsport – an den letzten 13 Winterspielen ging Swiss Olympic nur 2010 in Vancouver leer aus – bejubeln kann, müssen Rico Peter und sein Team bis zum ersten Durchgang im Zweier am Sonntag, 18. Februar, noch ein paar Defizite wettmachen.

Insbesondere am Start ist noch viel Luft nach oben vorhanden, weshalb die Schweizer Bobfahrer bis letzte Woche mehrere Tage in Andermatt verbracht und intensiv trainiert hatten. Die Zeit inmitten der Urner Alpen wurde zudem genutzt, um an der Abstimmung zu feilen, schliesslich sorgt mit Michael Kuonen der Anschieber von Clemens Bracher in Rico Peters Olympia-Vierer für Tempo. «Wir sind ein neues Team und können am Start noch ein paar Hundertstel herausholen», sagt Simon Friedli.

Weil der Solothurner den Olympia-Anschubtest von Swiss Sliding für sich entscheiden konnte, überrascht es nicht, dass er in Pyeongchang im kleinen und grossen Schlitten zum Zug kommen soll. Das rückt Simon Friedli automatisch in den Fokus – etwas, was sonst eher dem Piloten vorbehalten ist.

«Er ist unser Chef, deshalb soll er auch im Vordergrund stehen», sagt Friedli, betont aber: «Es ist auch als Anschieber eine schöne Sache, einmal vor der Kamera zu stehen und Interviews zu geben.» Über Rico Peter weiss er derweil nur Positives zu berichten. «Er ist lustig und macht seine Sache als Chef tipptopp», sagt Friedli schmunzelnd.