«Es dauert wohl etwa drei Tage, bis ich wieder normal die Treppe runtersteigen kann», meinte Emma Pooley. Die Britin hatte am Powerman Zofingen soeben zum vierten Mal in Folge den Duathlon-Langdistanz-Weltmeister-Titel gewonnen. Auf den ersten 10 Laufkilometern konnten die Konkurrentinnen noch mit der 34-Jährigen mithalten. Seite an Seite mit der Französin Sabrina Godard-Monmarteau wechselte Emma Pooley aufs Velo.

In ihrer Paradedisziplin griff die zweifache Rad-Olympia-Teilnehmerin auf den 150 km wie schon im Vorjahr an. Sie liess Godard-Monmarteau, die Schweizerinnen Nina Zoller und Martina Krähenbühl sowie die Deutsche Katrin Esefeld stehen und hatte vor den abschliessenden 30 Laufkilometern einen Vorsprung von 11 Minuten.

Das grosse Leiden

Dann kam aber auch für Emma Pooley das grosse Leiden. Vier Runden, viermal hinauf auf den Zofinger Heiternplatz und wieder hinunter, das ging selbst bei der nun vierfachen Langdistanz-Weltmeisterin in die Beine. Die Strecke hatte aufgrund der Unwetter in Zofingen im Juli angepasst werden müssen. «Sie war der reine Horror, mental und physisch», befand Seppe Odeyn im Ziel. Der Belgier konnte seinen Titel nicht verteidigen.

Seppe Odeyn (mitte) konnte seine Führung nicht verteidigen

Seppe Odeyn (mitte) konnte seine Führung nicht verteidigen

«Als Weltmeister herzukommen und dann Zweiter zu werden, ist hart. Ich habe getan, was möglich war, aber Maxim war eine Klasse für sich», zollte er seinem Nachfolger Respekt. Der Russe Maxim Kuzmin (29) lief vorerst unauffällig im Feld, ehe er auf dem Rad eine erste Duftmarke setzte und die Spitze übernahm. Auf der zweiten Laufstrecke schüttelte er nach gut zwei Kilometern den Sieger von 2015, Gaël Le Bellec (Fr), ab und erreichte die Zielarena nach 6:31.04. Dritter wurde wie in den letzten drei Jahren der Däne Søren Bystrup.

Ein nettes Päuschen zur «Strafe»

Die Schweizer erzielten bei der 10. gemeinsamen WM der Internationalen Triathlon Union und der Internationalen Powerman Association in Zofingen ein starkes Nationenergebnis. Rolf Wermelinger aus Kirchenthurnen wurde Sechster und verbesserte seine Zeit aus dem Vorjahr um zwölf Minuten. Die Wädenswiler Fabian Zehnder und Marc Widmer finishten als 9. und 11. Schnellste Frau war in Abwesenheit der nach einem Trainingsunfall verletzten Nina Brenn eine andere Bündnerin: Nina Zoller. Die Churerin stieg an zweiter Stelle nach Emma Pooley vom Rad. Das sei genial, aber auch verwirrend gewesen: «Ich hatte als Neuling ja keine Ahnung, was mich noch erwartet.» Bei ihrem ersten Duathlon überhaupt dachte sie zwischendurch «das mache ich nie wieder».

Premiere am Powerman Zofingen

Premiere am Powerman Zofingen

Zum ersten Mal waren heute am Duathlon Rückwärtsläufer am Start. Ein Sport, der zwar skurril aussehen mag, aber viel anstrengender ist, als man denkt.

Die 30-Jährige liess sich aber auch von einer Zeitstrafe nicht beirren. Sie hatte ihren Helm nach dem Radparcours am Lenker aufgehängt statt in der Kleiderbox daneben deponiert. «Die Minute in der Penaltybox war ein nettes Päuschen», nahm es Radsportlerin und Läuferin Zoller mit Humor.

Zoller musste auf den letzten zwei Laufumgängen Alice Meignie (Fr), Katrin Esefeld (De) und Miriam Van Reijen (Ho) passieren lassen. Letztere zeigte einen imposanten Finish, fing einen Kilometer vor Schluss Esefeld ab und gewann Silber. «Noch nie bin ich eine so grosse Lücke zu einer Athletin vor mir zugelaufen, ich bin happy», freute sich Van Reijen. Familienmitglieder gaben ihr unterwegs stets die Rückstände durch. «Als ich spürte, dass ich Platz zwei holen kann, beflügelte mich das.» Gold lag auch für sie ausser Reichweite: 27 Minuten verlor sie auf Siegerin Pooley. Die hatte im Ziel nur einen Wunsch: «Jetzt brauche ich erst mal ein Eis.»