Die Wasserspringerin Isabelle Ryf aus Bätterkinden ist kein Mensch, der schnell aufgibt, sonst hätte es die 18-Jährige nicht so weit gebracht. Seit sechs Jahren trainiert sie vier- bis fünfmal die Woche im Schwimmclub Bern und kann sich inzwischen mit einigen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen schmücken. «Besonders stolz bin ich aber auf meinen vierten Platz, den ich kürzlich an den Elite Schweizer Meisterschaften im Synchronspringen geholt habe. Dort sind mir fünf Sprünge hintereinander gelungen, wie sie besser nicht hätten sein können», erzählt Ryf stolz.

Bevor sie zum Wasserspringen fand, war Ryf Kunstturnerin. «Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Sportarten. Weil ich das Wasser liebe, habe ich gewechselt.» Nicht nur die Liebe zum Wasser sondern auch der Adrenalinkick und die Körperkontrolle faszinieren Ryf am Wasserspringen. Auch die mentale Stärke ist sehr wichtig: «Vor einem Sprung bin ich total kribbelig. Trotzdem muss ich im richtigen Moment zu hundert Prozent bei der Sache sein. Es ist mir aber auch schon passiert, dass mir in der Luft etwas anderes in den Sinn gekommen ist», erzählt sie
lachend.

Ryf macht sich keine Illusionen, eines Tages von ihrer Sportart leben zu können. «Ich habe noch nie von Schweizer Wasserspringern gehört, die grosse Erfolge an einer Weltmeisterschaft oder einer Olympiade hatten. Man muss extrem gut sein», sagt sie. «Es dauert mindestens zwei Jahre, bis man die Grundlagen beherrscht und Sprünge wagen kann, die Spass machen.» Das sei auch der Grund, dass viele Anfänger die Sportart schnell wieder aufgeben. Nicht so die junge Sportlerin aus dem Kanton Bern. «Dranbleiben, solange es Spass macht», lautet das Motto der 18-Jährigen. Denn nur so komme man weiter. Auch im Leben profitiert sie von ihrer Willensstärke: «Steht eine schwierige Aufgabe an, kann ich mich problemlos überwinden und sie anpacken. Auch im Leben muss man manchmal den Sprung ins kalte Wasser wagen», sagt Ryf.

Mit dieser positiven Einstellung wird die Bätterkinderin auch ihre bevorstehende Maturaprüfung angehen. «Bei den Prüfungen kann ich von meinen Erfahrungen im Wettkampf profitieren. Die Präsentation meiner Maturaarbeit vor Zuhörern fiel mir beispielsweise leicht, weil ich es von den Meisterschaften gewohnt bin, vor Publikum konzentriert zu sein.»

Die Prüfungen sind auch der Grund, weshalb sie in der kommenden Saison sportlich etwas zurücktreten will. «Beides zusammen wird mir zu viel, und ich will mich auf eine Sache richtig konzentrieren – ich mache keine halben Sachen», erklärt Ryf. Nach den Prüfungen geht sie für einen Sprachaufenthalt nach Frankreich. «Ich hoffe, dass sich dort die Möglichkeit bietet, zu trainieren», sagt sie, denn sie will auch als Wasserspringerin dranbleiben.