Unlängst zählte sie zu den fünf Kandidatinnen für die Wahl um den Sporthilfe-Nachwuchspreis. Eine grosse Ehre für Marina Bösiger aus Derendingen, auch wenn sie schliesslich nicht an der letztjährigen Siebenkampf-U20-Europameisterin und Aktiven-WM-Teilnehmerin Caroline Agnou vorbei kam: Die Aufnahme in den erlauchten Kreis war verdient. Europameisterschaftszweite im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch war die bald 21-Jährige letzten Sommer geworden – ein Ergebnis der Extraklasse, das ihr Potenzial aufzeigt.

In diesem Jahr steht eine neue Herausforderung an: Marina Bösiger hat sich bei der Elite zu bewähren. Von «einem beträchtlichen Schritt» spricht sie. Sie unterscheidet: «Das Niveau ist international bei den Erwachsenen generell höher, allein auf die Schweiz bezogen kann ich mich aber seit längerem mit den Besten messen.» Aufzeigen lässt sich die Aussage anhand ihres Status in der Nationalmannschaft, den sie seit vier Jahren hat.

Onkel, Vater, Bruder

Dass Marina Bösiger zur Sportschützin geworden ist, hängt mit der Tradition des Schiesssports in der Familie zusammen. Schon der Bruder des Vaters, Ernst Bösiger, gehörte der Nationalmannschaft an. Auch Marinas Vater schoss regelmässig. Zusammen mit ihrem Bruder Remo begann sie vor zehn Jahren. Und die Sparte übte auf sie sofort eine grosse Faszination aus. «Das ist etwas für mich», erkannte sie. Der Nervenkitzel in Verbindung mit der Ruhe, die Konzentrationsfähigkeit. Kam hinzu, dass sie auf Anhieb mit erfreulichen Resultaten aufwarten konnte. Sie trat den Sportschützen Biezwil bei.

Ihr Talent fiel bald auf. Nach einem Sichtungsschiessen wurde sie ins Kantonalkader aufgenommen. Im von Swiss Olympic definierten Sporttest «Piste» behauptete sie sich, und bereits vor fünf Jahren qualifizierte sie sich für ihre internationale Premiere in Suhl (D). Rasant ging der Aufstieg weiter. Marina Bösiger «übersprang» die sogenannten Übergangs-/Nachwuchskader.

Beim internationalen Turnier im tschechischen Pilsen schob sie sich unter die drei besten Schweizerinnen und kam so zu ihrem ersten Aufgebot für die Europameisterschaften – notabene noch immer ohne Nationalmannschaftsstatus. 17 war sie erst. Seither hat sie sich etabliert und profiliert. Ihre innere Ruhe in Verbindung mit ihrer Zielstrebigkeit zeichnen sie aus.

Olympia-Traum, aber nicht Rio

Rund 15 Wochenstunden widmet Marina Bösiger ihrem Sport, Mental- und Fitnesstraining inklusive. Neben dem Vollzeit-Praktikum als Sozialpädagogin – eine Voraussetzung für das berufsbegleitende Studium in Sozialer Arbeit, das sie im Herbst beginnen wird – erfordert dies ein solides Zeitmanagement. «Ich schiesse vor allem am Morgen», sagt sie.

Unter der Aufsicht ihres Biezwiler Trainers Bernhard Stuber oder unter Labelstandortcoach Erich Sutter tut sie dies zwei- bis dreimal wöchentlich. Hinzu kommen zwei bis drei Einheiten im Fitnessstudio am Abend sowie die Wettkämpfe am Wochenende.

Marina Bösiger weiss, wofür sie dies alles tut. Sie will weiterkommen: «Schützen erreichen ihr Leistungsoptimum meist mit 25 oder mehr Jahren, da braucht es Geduld und Erfahrung.» Sie will sich Zeit geben. «Olympische Spiele sind eines meiner Fernziele», sagt sie. Ob sie da an jene in vier oder in acht Jahren denkt?