Fussball
Seit 270 Minuten nicht mehr hinter sich greifen müssen

Dem FC Grenchen läuft es gut: Seit drei Spielen ist Goalie Jeffrey Grosjean nicht mehr überwunden worden und das Team ist in der 1. Liga Classic auf Rang 4 vorgestossen. Am Samstag (17 Uhr) kommt es zum Verfolgerduell gegen die Basler Black Stars.

Hans Peter Schläfli
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Grosjean erntet zurzeit viel Lob für seine Arbeit.

Grosjean erntet zurzeit viel Lob für seine Arbeit.

Die undankbarste Position im Fussball ist die des Torhüters. Wo er steht, wächst nicht einmal mehr Gras. Und wenn in der Zeitung über den Goalie berichtet wird, dann meistens nur, weil er einen kleinen Fehler gemacht hat, der auf dieser Position eben mit einem Gegentor und oft genug mit einer Niederlage bestraft wird. Nicht so bei Jeffrey Grosjean: Seit drei Spielen musste er den Ball nicht mehr aus dem Netz holen. Alles hat er gehalten, und nur so ist es überhaupt möglich, dass Grenchen vergangenen Samstag in Thun dank einem Treffer in der 89. Minute 1:0 gewinnen konnte. «Mit dem neuen Trainer Edvaldo Della Casa haben wir zurück zur Stabilität und zu einem guten Teamgeist gefunden», verteilt der Goalie die Meriten für die augenblickliche Erfolgsphase auf alle. «Wir haben die Qualität, um einen Spitzenplatz anvisieren zu dürfen.» Wie FCG-Goalgetter Maryan Andonov aussieht, das weiss jeder in Grenchen, denn fast jede Woche kann man sein Foto mit Torjubel im GT sehen.

Zum Verwechseln ähnlich

Aber wie sieht der eigentliche Matchwinner mit der Nummer 1 aus? Genau gleich wie die Nummer 22! Wenigstens beim FC Grenchen stimmt das, denn dort spielt auch Jeffreys eineiiger Zwillingsbruder Waylon. Die beiden sind im wahrsten Sinne wie Spiegelbilder: Jeffrey trägt den Scheitel rechts, Waylon links. Welchen Unterschied gibt es sonst noch? «Wir sind uns auch charakterlich sehr ähnlich, aber wie man so sagt, sind die Torhüter immer ein wenig verrückt, und das trifft vielleicht auch ein wenig auf mich zu.»

Durch Knieprobleme zurückgeworfen

Bei YB U21 stand Jeffrey Grosjean unmittelbar vor der Unterschrift eines Profivertrags in der Super League. «Aber da musste ich mich am Meniskus operieren lassen. Was normalerweise in drei Wochen heilen sollte, dauerte bei mir vier Monate, weil ich danach Wasser im Knie hatte. Es ist klar, dass niemand mit einem verletzten Spieler einen Profivertrag unterschreiben will, da kommt der nächste zum Zug», sagt der 22-Jährige. Als er wieder auf dem Weg zurück war, da habe Grenchen angerufen. «Das war für mich eine gute Lösung, denn ich musste wieder Spielpraxis bekommen und mein Können beweisen.» Den Traum, Fussballprofi zu werden, hat Grosjean noch nicht aufgegeben. «Ich bin realistisch geworden und wäre mit kleinen Schritten zufrieden. Ich arbeite als Spengler und trainiere schon fast professionell. In der Challenge League würde ich für meinen Aufwand wenigstens ein wenig finanziell entschädigt.» Dafür gibts beim FCG einen anderen Vorteil: «Es ist cool, wieder mit meinem Bruder zusammenzuspielen», sagt Jeffrey Grosjean, «für mich ist das eine zusätzliche Motivation.»

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