Im Sommertraining wurde der Fokus viel mehr auf Kraft und Kraftausdauer denn Kondition gelegt. Mit welcher Überlegung?

Scott Beattie: Ich hatte zeitweise das Gefühl, dass wir nicht so stark sind wie die anderen Mannschaften, deshalb haben wir in diesem Bereich deutlich mehr gemacht.

Hat die Mannschaft in den Eistrainings die fehlenden Konditionseinheiten nachgeholt?

Oh ja (grinst), wir haben in diesem Bereich viel mehr gemacht, sind viel geskatet. Die Jungs waren zuweilen sehr, sehr müde.

Welche Veränderungen haben Sie ansonsten festgestellt, was ist anders in Ihrem zweiten Jahr als Coach?

Wir haben 14 Offensivspieler und acht bis neun Verteidiger, und die können allesamt NLB spielen. Das heisst, es wird in Olten einen sehr gesunden Konkurrenzkampf geben. Es werden Spieler zusehen müssen, die eigentlich auf dem Eis stehen sollten.

Sind denn alle Spieler fit?

Ja.

Was heisst das, wer schafft es auf das erste Matchblatt der Saison?

Wir werden wohl mit dreizehn Angreifern und sieben Verteidigern nach Langenthal reisen.

Wie Sie gegen Langenthal antreten, steht also noch nicht definitiv fest.

In meinem Kopf existiert die Aufstellung. Das heisst aber nicht, dass wir in Spiel zwei nicht bereits anders auflaufen werden und Spieler, die in Spiel eins zuschauen mussten, nicht eine Chance bekommen werden.

Sie haben während der letzten Saison einen Vertrag über fünf weitere Jahre unterzeichnet. Können Sie sagen, was Sie in dieser langen Zeitspanne erreichen wollen oder blicken Sie nicht so weit voraus?

Ich plane normalerweise Spiel für Spiel, aber: Ich bin sicher nicht hier, um die kommenden fünf Jahre in der NLB zu spielen.

Was haben Sie aus der ersten Saison in Olten gelernt?

Wir haben sicher erfolgreich daran gearbeitet, die Hockeykultur in Olten umzukrempeln, vom «alten Olten» wegzukommen, von diesen Serien mit Siegen und Niederlagen. Wir wollen besser und konstanter werden, auf einem höheren Level. Wenn die Spieler das erreichen wollen, müssen sie hart an den Details arbeiten.

Haben sich die Vorstellungen an die letzte Saison erfüllt oder haben Sie Überraschendes erlebt?

Nun, ich war von den 13 Siegen hintereinander überrascht, auch von der Finalqualifikation. Nicht unbedingt für mich war sie überraschend, ich wusste um die Qualitäten des Teams, vielmehr für das Umfeld. Olten hatte zuvor in 25 Jahren keinen Final mehr gespielt, das konnte also nicht unbedingt erwartet werden.

Im Juli haben Sie erfahren, dass Derek Cormier nicht nach Olten zurückkehren würde – trotz gültigem Vertrag. Hat Ihnen das Kopfzerbrechen bereitet?

Nur ganz wenig. Ich kann ihn gut verstehen, er ist 40 Jahre alt, ging zurück nach Kanada in sein hübsches Zuhause und war zuvor während 18 Jahren oder so in Europa. Ich hätte gerne mit ihm zusammengearbeitet und ihn gerne weiter in der Mannschaft gewusst, aber ein Schock war die Meldung für mich nicht.

War es vielleicht gerade auch eine Chance, zwei neue Ausländer ins Team zu bringen?

Hmm, das würde ich nicht so sagen. Wir waren in der letzten Saison grundsätzlich zufrieden mit unseren Ausländern, sie haben einen guten Job gemacht. Aber so läuft es in diesem Sport, manchmal muss man gerade auf den Ausländerpositionen reagieren, um die zuvor angesprochene Kultur innerhalb einer Mannschaft zu ändern.

Die NLB ist bekannt dafür, auf ältere und erfahrene Ausländer zu setzen. Sie hingegen haben sich für zwei ganz junge Kanadier entschieden. Weshalb?

Olten ist vielleicht die einzige Mannschaft in der NLB, die das tun kann. Wir haben sehr erfahrene Schweizer Spieler, und so bestand die Möglichkeit, zwei hungrige, sehr hungrige junge Hockeyspieler in die Mannschaft zu holen. Auch sie können und werden uns helfen, die Kultur zu ändern, auch dank ihres nordamerikanischen Stils. Ein Vorteil ist auch, dass sie noch nicht mit dem Schweizer B-Liga-Virus infiziert sind, ja nicht gecheckt zu werden. Es wird in dieser Liga ein paar Ausländer geben, die ganz und gar nicht glücklich sind, dass die beiden hier sind und ihren nordamerikanischen Stil durchziehen.

Feser haben Sie aus Ihrer Zeit als Trainer bei den Tri-City Americans gekannt, wie steht es mit Wiebe?

Ihn habe ich spielen sehen, daneben habe ich nachgeforscht, mit vielen erfahrenen Leuten über ihn gesprochen. Klar, es ist immer ein bisschen ein Risiko, zwei junge Spieler nach Europa zu bringen, sie werden sicher noch ein wenig Zeit brauchen, sich anzupassen, zu sehen, welches Hockey in der Schweiz gespielt wird. Aber ich bin überzeugt, dass sie das hinkriegen werden.

Brauchte es nicht auch ein wenig Mut, zwei Spieler wie Feser und Wiebe in die NLB zu holen?

Nein, da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Es brauchte keinen Mut, denn das Duo passt, wie erwähnt, bestens in die Mannschaft.

Sie haben die Ausländer in der letzten Saison, auch in dieser Vorbereitung zumeist getrennt laufen lassen. Wie schaut das während der Saison aus?

Das stimmt. Sie werden wohl auch während der Saison grösstenteils in verschiedenen Linien auflaufen.

Nach der letzten Vorbereitung sagten Sie, dass man jeden Tag besser geworden sei. Trifft das auch für diese Vorbereitung zu?

Ja. Es wird eine lange Saison, welche nicht im Oktober oder November entschieden wird. Aber es ist sicher schön, sich in den Top 4 aufhalten zu können, nur schon des Heimvorteils wegen. Den besten EHC Olten wollen wir dann aber in den Playoffs sehen.

Welches ist für Sie das wichtigste Spiel der Saison?

Das Letzte.

Und das wollen Sie natürlich gewinnen.

Wenn einem das gelingt, weiss man, dass man alles richtig gemacht hat.