«Scott Beattie, können Sie ein paar Fragen zum Spiel beantworten?». Kann er nicht. Wenigstens nicht den Oltner Medien. «Ich gebe keinen Kommentar ab, bis die Serie zu Ende ist.» Ob er das wirklich ernst meine? «Wirklich», so die dezidierte Antwort des Kanadiers auf die Nachfrage des Journalisten. Er will nichts sagen.

Man kann dieses Verhalten als konsequent bezeichnen. Man kann es auch feige nennen. Oder stillos. Auf jeden Fall hilft es nicht, den durch und durch zwiespältigen Eindruck, den Beattie gegen Ende seiner etwas mehr als zwei Jahre dauernden Amtszeit in Olten hinterliess und der schliesslich in seiner Entlassung im November 2014 gipfelte, beiseite zu wischen. Ins Bild passt da sein inzwischen schon fast legendärer Nicht-Auftritt im Kleinholz, als er kurz nach seinem Amtsantritt in Visp zu Beginn des neuen Jahres darauf verzichtete, seine Mannschaft beim Spiel im Olten zu coachen und stattdessen den Abend bei seiner immer noch in Egerkingen wohnhaften Familie verbrachte – quasi aus Selbstschutz.

Nur wenige Pfiffe

Nun: Immerhin stand Scott Beattie gestern tatsächlich hinter der Bande und betreute sein Team höchstpersönlich. Das ist ja schon mal ein Fortschritt. Als er als Trainer des EHC Visp vor dem Spiel auf dem Videowürfel präsentiert wurde, da hallten nur wenige Pfiffe durchs Kleinholz-Stadion. Das Publikum vergisst schnell. Vor allem dann, wenn die eigene Mannschaft so gut spielt wie gestern der EHC Olten. Für Scott Beattie verlief der Abend selbstredend weit weniger prickelnd.

Wortgefecht mit einem Zuschauer

Sein Team ist permanent überfordert, bald einmal legt sich der Visper Trainer mit den Schiedsrichtern an. Ein Zuschauer, der gleich in Beatties Rücken sitzt, beschimpft den ehemaligen EHCO-Coach lauthals, worauf sich der Kanadier ein hitziges Wortgefecht mit ihm liefert. Die Nerven liegen also doch blank.

Souveränität sieht anders aus. Umso mehr, als Beattie in einem Interview mit dem «Walliser Boten» vor dem ersten Playoff-Duell noch betont hatte, dass die Serie gegen den EHC Olten für ihn «nichts Spezielles» sei. «Die Oltner sind die Mannschaft, mit der wir es in den Viertelfinals zu tun bekommen», so seine lapidare Antwort. Auch hier drückt der Verdrängungsmodus voll durch.

Nach der Schlusssirene stapft Beattie angesichts der 1:6-Schlappe gedankenversunken die Treppe zur Gästegarderobe hinunter, ehe er wieder auftaucht, um gegenüber den lokalen Medien sein Schweigen im Walde zu zelebrieren. Klar ist allerdings: Spielt der EHC Visp so weiter wie in der ersten Playoff-Partie, bzw. der EHC Olten weiterhin derart stark, dann wird Scott Beatties Interview-Boykott eher früher als später vorbei sein. Ob er dann aber noch viel erzählen möchte, sei dahin gestellt.