Der Zeitmilitär, der als Feldweibel in der Spitzensportler-RS in Magglingen dient, gewann alle sechs Gänge und schwang so letztlich mit 2,25 Punkten Vorsprung auf seinen Verbandskollegen Dominic Bloch wuchtig obenaus.

Im Schlussgang bodigte Gnägi den aufstrebenden Nordwestschweizer Remo Stalder vom SK Mümliswil mit Kurz und Überdrücken am Boden. Gegen seinen Finalgegner hatte der Vorjahressieger am «Südwestschweizerischen» und «Mittelländischen» bereits im ersten Gang gewonnen.

Hauptaugenmerk auf Technik

Zahlreiche Spitzenschwinger nehmen die Hallensaison nicht wirklich ernst. Gnägi, der Mitte Februar schon in Büren gewonnen hatte, schon: «Für mich sind Hallenschwinget eine gute Einstimmung auf die Saison und ausserdem eine Standortbestimmung nach dem Wintertraining.»

Gnägi hat sein Hauptaugenmerk in den letzten Monaten vor allem der Technik gewidmet. Kraft und Kondition hat er einen Tick zurückgefahren. Dies auch, um die zunehmend defensiv eingestellte Konkurrenz, die gegen ihn gern abdreht und «abhauen» will, zurückzuholen, und seinerseits anzugreifen. So wie gegen den 22-jährigen Solothurner Zimmermann Remo Stalder etwa.

Im Unspunnen-Rampenlicht

Florian Gnägi darf als der beste Schwinger im Land bezeichnet werden, dem der eidgenössische Kranz noch fehlt. Dass er grundsätzlich jedem eine Sägemehl-Panade anhängen kann, hat er letzte Saison unter anderem mit seinem Sieg im Anschwingen auf dem Stoos gegen Philipp Laimbacher bewiesen.

Zudem hatte der junge Seeländer am Unspunnenfest in Interlaken die Chance, mit einem Sieg im fünften Gang gegen den nachmaligen Sieger Daniel Bösch seinerseits in den Schlussgang einzuziehen. Gnägi unterlag, wodurch im Endkampf der Nordostschweizer Bösch auf Berner Boden auf den Innerschweizer Christian Schuler traf. Mit einem Gestellten gegen Bösch hätte Gnägi seinem Verbandskollegen Thomas Zaugg den Weg in den Schlussgang ebnen können.

«Die Kritik, die ich dafür einstecken musste, dass ich nicht um jeden Preis auf einen Gestellten ausgegangen sei, hat mich schon getroffen», erinnert sich Gnägi. Schliesslich legt sich keiner freiwillig ins Sägemehl und zweitens war Bösch an diesem Tag alles andere als aus Pudding.

Bergkränze im Visier

Ganz klar, dass der Hallensieger von Grenchen seine Kranzsammlung 2013 in Burgdorf endlich eidgenössisch ergänzen will. «Meine mittelfristige Planung ist auch auf Burgdorf ausgerichtet», sagt der 35-fache Kranzer. Die intensivierten Technik-Übungseinheiten dieses Winters können und sollen sich bis dann noch festigen und in Fleisch und Blut übergehen.

Was die anstehende Zwischensaison ohne eidgenössischen Höhepunkt angeht, peilt Gnägi primär Eichenlaub auf dem Weissenstein und der Schwägalp an. Auf dem Solothurner Hausberg war er schon öfters angemeldet, konnte bislang aber krankheits- oder verletzungshalber nie antreten. Oder dann wurde das Fest wie vor Jahresfrist wegen Regen abgebrochen. Nun, wenn es denn einmal klappt mit sechs Gängen auf dem Weissenstein, dann sollte dem Kranz nichts im Weg stehen – Solothurner Boden liegt Florian Gnägi ja.