Eishockey
Schweizer Eishockey-Talente in Zuchwil unter der Lupe

Die Schweizer U18-Nationalmannschaft überzeugt beim ersten Auftritt des Fünfländerturniers in Zuchwil mit einem Sieg gegen Tschechien. Unter den Zuschauern auch mehr als 20 Talentspäher aus dem nordamerikanischen Profi-Eishockey.

Hans Peter Schläfli
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Die Schweizer Junioren jubeln unter den Augen der NHL-Scouts. Quelle: Hans Peter Schläfli

Die Schweizer Junioren jubeln unter den Augen der NHL-Scouts. Quelle: Hans Peter Schläfli

In einem packenden, ausgeglichenen Kampf gewann die Schweiz beim Fünfnationenturnier der U18 im Sportzentrum Zuchwil gegen Tschechien 5:3. Es war ein Match, wie ihn die rund 20 anwesenden Scouts aus der NHL gerne haben: Die Junioren schenkten sich nichts und jeder gab alles. «So sieht man, welcher Spieler den Unterschied ausmacht, wenn es hart auf hart geht», kommentierte der schwedische Talentspäher Mats Weiderstal den Match.

Tschechien begann angriffig, aber die Schweiz ging entgegen dem Spielverlauf 2:0 in Führung. Dann nützten die Tschechen die zu vielen Strafen der jungen Eisgenossen noch im ersten Drittel zum Ausgleich. Als dann aber Tim Grossniklaus in der 28. Minute einen perfekt tempierten Pass durch die Gasse auf den lossprintenden Michael Hügli durchreichte und dieser den Puck im Netzhimmel hinter Goalie Pacel Jindrich zum 3:2 versenkte, zückten alle Scouts ihre Kugelschreiber und notierten das, was man mit Fug und Recht das Tor des Tages nennen konnte.

Worauf achtet ein NHL-Scout, ist es das Schlittschuhläuferische, die Stocktechnik oder das kämpferische Durchsetzungsvermögen? «Das muss alles bei einem NHL-Spieler gut sein, aber ich suche das besondere Etwas, mit dem ein Spieler aus der Masse heraussticht», erklärt Weiderstal.

Tschechien glich mit einem Shorthander aus, dafür überstand die Schweiz wenig später mehr als eine Minute einer doppelten Unterzahl ohne Gegentor. Im Schlussdrittel führte dann ein Doppelschlag zum 5:3 die Entscheidung für die Schweiz herbei. «Wer gewinnt, ist mir ziemlich egal», meinte Weiderstal nach dem Match im extra für die Scouts hergerichteten Kämmerlein. Gefachsimpelt wurde dort auf Schwedisch und Tschechisch.

«Es hat auch noch ein paar Finnen hier, aber was die sprechen, ist keine Sprache, sondern Lärm», hänselte der Schwede und man merkte: Die NHL-Scouts sind einerseits Konkurrenten, andererseits aber auch Kollegen, die sich auf ihren endlosen Reisen immer wieder antreffen und trotz Konkurrenzverhältnis gut miteinander auskommen. Ein wenig Geheimniskrämerei gehört für den Eishockeykenner aus dem hohen Norden dazu, der 2000 als Coach mit Linköping in die schwedische Elitserien aufstieg und 2003 Trainer bei den Hannover Scorpions wurde. Zu seinem Job bei den Washington Capitals kam er eher zufällig, weil ihn seine ehemaligen Spieler dafür vorschlugen. «Ich akzeptierte, weil ich zu dieser Zeit als Journalist immer dicker wurde ...», ergänzt er.

Aber welchen Schweizer U18-Spieler wird er nach diesem Match den Washington Capitals für den nächsten Draft vorschlagen? «Die Mannschaft ist sehr jung, die meisten Spieler sehe ich zum ersten Mal und ich notiere mir heute, welche ich weiter beobachten will», lässt sich Mats Weiderstal nicht wirklich in die Karten gucken. Die Geheimniskrämerei gehört also wirklich zum Job des NHL-Scouts.

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