Radsport
Schriftsteller Peter Bichsel und die Grenchner feiern die Radbahnpremiere

Das erste Donnerstag-Abendrennen im Velodrome Suisse konnte nicht nur mit einem internationalen Feld punkten. Der Event ging unter der Beobachtung von mehr als 500 Zuschauern über die Bühne, unter ihnen auch der Dichter Peter Bichsel.

Hans Peter Schläfli
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Taktisches Geplänkel zwischen Patrick Müller und dem Franzosen Yvone Rodére.
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Erstes Donnerstags-Radrennen im Velodrome Grenchen
Lukas Jaun
Patrick Müller holte sich auch diese Punkte im Sprint vor Reto Müller.
Claudio Imhof (links) reisst einen Sprint an.
Die Frauen und die Junioren fuhren das Punkterennen gemeinsam.

Taktisches Geplänkel zwischen Patrick Müller und dem Franzosen Yvone Rodére.

Hans Peter Schläfli

Es war ein Gefühl, als würde man Zeuge einer Geburtsstunde im Bahnradsport, als im neuen Velodrome der Startschuss zum ersten Donnerstag-Abendrennen ertönte. Die Stimmung drinnen war ausgelassen und das nasskalte Wetter draussen ideal, um viele Leute an die neue Serie der Bahnrennen zu locken.

Der Rahmen war würdig: Ein internationales Feld mit Fahrern aus Deutschland, Frankreich und mit Kluke Clockerby sogar einen Australier fand den Weg nach Grenchen. Die starken Schweizer liessen sich von der starken Konkurrenz nicht beeindrucken. Beim Punktefahren der Elite versuchte Gabriel Chavanne mit einer «Kamikazefahrt» sofort eine Überrundung, doch Scratch-Spezialist Olivier Beer bewies, dass man mit taktischer Disziplin viel weiter kommt. Der dreifache Schweizer Meister 2012 setzte sich nicht nur bei der Elite durch, er war der herausragende Fahrer des Abends.

Der Sieg von Patrick Müller im Punkterennen der Junioren sah leicht und souverän aus, doch der Schweizer Meister im Mehrkampf atmete auch nach der Siegerehrung noch schwer. «Auf der langen Rundbahn hatte ich eine etwas zu gross Übersetzung gewählt», sagte Müller, «meine Muskeln übersäuerten. Das frische Holz scheint noch einen etwas grösseren Reibungswiderstand zu haben.»

Fachkundiges Publikum

Das Publikum war fachkundig und konnte die Leistungen richtig einstufen. Die Tribünenplätze hinter der Ziellinie waren gut besetzt und beim Verpflegungsstand im Bahninnern bildete sich sogar zeitweise eine kleine Schlange, weil die Organisatoren nicht mit so vielen Leuten gerechnet hatten. «Wir haben die Eintritte noch nicht gezählt, aber ich schätze, dass mehr als 500 Zuschauer gekommen sind», wagte Betriebsleiterin Michèle Tanner eine Schätzung.

Auch viel Prominenz war da: Eine grosse Delegation der Sponsorenvereinigung «Maillot d’Or» begutachtete die von ihr unterstützten Nachwuchsfahrer in Aktion, der frisch gewählte Stadtpräsident François Scheidegger überprüfte mit sichtlicher Freude das tolle Bauwerk, das noch unter seinem Vorgänger Boris Banga entstanden war.

In alten Erinnerungen schwelgen

Peter Bichsel gönnte sich eine Bratwurst vom Grill und musste Autogramme geben. «Früher bin ich oft ans Sechstagerennen nach Oerlikon gegangen», schwelgte Solothurns bekanntester Dichter in Erinnerungen. «Oft habe ich nicht viel von den Rennen mitbekommen, weil es so ein tolles Volksfest. Solche Anlässe gibt es leider immer weniger.» Vielleicht geht ja Peter Bichsels Wunsch in Erfüllung und die Donnerstagrennen im neuen Grenchner Velodrome lassen die alte Sechstagerennen-Stimmung wieder aufleben.

Die nächsten Bahnrennen werden am 24. Oktober durchgeführt und der Rhythmus wird durch den ganzen Winter beibehalten. Türöffnung ist jeweils um 17.30 Uhr, die Rennen starten um 18.45 Uhr und gehen bis 22 Uhr.

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