Volleyball
Schönenwerds Sportchef: «Ein Team braucht auch unangenehme Spieler»

Der TV Schönenwerd schliesst die Saison auf dem 3. Rang ab. Sportchef Daniel Bühlmann lässt die Saison Revue passieren und richtet den Blick in die Zukunft.

Raphael Wermelinger
Drucken
Teilen
Mit einem 3:1-Heimsieg entschied der TV Schönenwerd den kleinen Final gegen Chênois zu seinen Gunsten und sicherte sich die Bronzemedaille in der NLA.

Mit einem 3:1-Heimsieg entschied der TV Schönenwerd den kleinen Final gegen Chênois zu seinen Gunsten und sicherte sich die Bronzemedaille in der NLA.

Yves Künzli

Daniel Bühlmann, der TVS hat sich den dritten Platz in der NLA gesichert. Die Final-Serie zwischen Lugano und Amriswil ist dagegen noch im Gange. Was überwiegt, die Freude über Bronze oder die Enttäuschung, nicht im Endspiel zu stehen?

Daniel Bühlmann: Die Enttäuschung legte sich relativ schnell. Wir hatten es selber in der Hand und haben es verspielt. Zum wichtigen Zeitpunkt haben wir schlecht gespielt, das muss man akzeptieren. Deshalb überwiegt ganz klar die Freude.

Wie gross ist die Differenz zu den beiden Finalteilnehmern?

Mit Amriswil waren wir in dieser Saison auf Augenhöhe. Im entscheidenden Direktduell haben beide Teams nicht gut gespielt, aber sie waren eine Spur cleverer. Amriswil ist schon etwas länger in diesem Business als wir – das ist der Unterschied. Bei Lugano ist das etwas anders. Bis sich der Stammpasseur verletzt hat, war es eine Klasse besser als alle anderen Teams der Liga. Im Final hatten sie in den ersten beiden Spielen etwas Mühe, aber ich glaube, dass sie am Samstag den Sack zumachen werden. Weil sie aktuell einfach das beste Team sind.

Schönenwerd ist mit einem neuen Trainer in die Saison gestiegen. Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bujar Dervisaj?

Nicht nur er, sondern das ganze Trainer-Trio inklusive Marco Fölmli und Nik Buser haben eine sehr gute Arbeit abgeliefert. Wenn man von aussen zuschaut, würde man natürlich immer Sachen anders lösen – das ist ganz normal. Aber grossmehrheitlich bin ich zufrieden. Bujar ist sehr emotional, was dem Spiel grundsätzlich gut tut, da die Mannschaft aus eher zurückhaltenden Typen besteht. Bei Bujar stimmt die Mischung zwischen Emotionen und dennoch kontrolliert sein. Die Spieler, vor allem die Jüngeren, haben unter ihm deutlich Fortschritte gemacht.

Nicht nur der Trainer war neu, mit Pedro Garcia Toribio wurde auch ein neuer Ausländer engagiert. Hat man da ein glückliches Händchen gehabt?

Ja, definitiv. Pedro ist ein junger Spieler und hat noch sehr viel Potenzial. Seine Spielweise ist spektakulär, vom Typ her ist er dagegen eher zurückhaltend. Da wünschte ich mir etwas mehr Emotionen, aber das kommt natürlich nicht auf Knopfdruck. Er hat sicher auch Spiele eingezogen, die nicht so gut waren, aber er hat unsere Erwartungen erfüllt.

Waren die weiteren Neuverpflichtungen Etienne Hagenbuch, Simon Hofstede und Fabian Brander ebenfalls Glücksgriffe?

Auch mit ihren Leistungen auf dem Feld bin ich sehr zufrieden. Allerdings gibt es immer Sachen, die man besser machen könnte – der Trainingsfleiss ist ein Thema. Alle drei haben uns geholfen. Etienne zum Beispiel, der während der gesamten Saison nicht so viel gespielt hat, ist im letzten Spiel reingekommen und hat einen Top-Job gemacht, was für einen solch jungen Spieler nicht selbstverständlich ist. An dieser Stelle muss ich noch einmal Bujar Dervisaj loben, der auch in wichtigen Spielen auf die Jungen setzt. Das zeigt, dass wir keine Mitläufer haben, sondern jeder Spieler des Teams auf dem Feld reüssieren kann.

Höhepunkte gab es viele in dieser erfolgreichen Saison. War ein ganz besonderes dabei?

Da gab es deren zwei. Einerseits das erste Saisonspiel gegen Amriswil, andererseits der letzte Match gegen Chênois, in dem wir uns drei Sätze lang am oberen Limit bewegten; im letzten Satz spielten wir sie sogar an die Wand – das war wirklich top. Besser kann es gar nicht laufen, als wenn der letzte Satz des letzten Saisonspiels der Beste der ganzen Saison ist.

Ein Tiefpunkt?

Lausanne und Lugano auswärts, das waren schlechte Spiele. Und die Niederlage gegen Amriswil, als es um die mögliche Finalteilnahme ging.

Wie sieht die Entwicklung bei den Zuschauerzahlen aus?

Da hatten wir etwas Angst: Die letzte Saison lief in dieser Hinsicht sehr gut. Es herrschte eine totale Euphorie, weil wir lange auf dem ersten Platz standen – das zieht natürlich Leute an. Deshalb ist schon das Halten des letztjährigen Zuschauerschnitts eine grosse Leistung – das haben wir annähernd geschafft.

Volleyball hat gegen Fussball und Eishockey einen schweren Stand. Wie kann man die Zuschauer dennoch für diesen Sport begeistern?

Die Resultate stehen ganz klar im Vordergrund, Leistung und Rangierung zählen. Dann kommt das Team, also die einzelnen Spieler. Wir müssen noch mehr Stars kreieren, wie man es vom Fussball her kennt. Derentwegen gehen die Leute an die Spiele, sie sorgen für Spektakel. Ein Beispiel ist Guerra von Chênois, der für mich ein Wunschkandidat wäre, wenn er mehr Zeit zum Trainieren hätte. Auf dem Feld ist er zwar ein Rüpel – das ist halt seine Art –, aber er ist ausserdem ein absoluter Leadertyp, der um jeden Preis gewinnen will. Ein Team braucht auch unangenehme Spieler, um hohe Ziele erreichen zu können, und solche, die schon einmal etwas gewonnen haben.

Nicht nur das NLA-Team war in dieser Saison sehr erfolgreich, die zweite Mannschaft realisierte den Aufstieg in die NLB und die Frauen konnten sich in der zweithöchsten Spielklasse halten. Der TVS scheint ein grosses Potenzial zu haben.

Jein. Wir hatten vorgestern eine Konferenz vom Regionalverband und dort hat sich gezeigt, dass bei den Frauen ein Defizit an Spielerinnen herrscht in unserer Region – eine schwierige Situation. Bei den Herren sieht es etwas anders aus; da haben wir uns eine extrem gute Ausgangslage geschaffen: Wir haben viele starke junge Spieler. Die Herausforderung besteht nun darin, noch zwei Routiniers ins Team zu integrieren, die es zusammenhalten – als Stamm, der bleibt. Die Jungen wollen irgendeinmal in der NLA spielen.

6. Platz, 4. Platz und jetzt 3. Platz – dies die Klassierungen der letzten drei Spielzeiten. Ist in der nächsten Saison wieder eine Steigerung möglich?

Das wäre etwas vermessen. Den dritten Rang zu bestätigen, wird wohl schon eine riesige Herausforderung sein – die anderen Teams schlafen ja auch nicht. Aber ich will in den nächsten drei Jahren einen Topf holen, ob Cup oder Schweizer Meisterschaft. Das muss unser Ziel sein, wir müssen die Spieler «chützelen». Sobald sie sich zurücklehnen, hat man verloren.

Müsste man, um ganz vorne mitzumischen, das Budget – aktuell 250 000 Franken, Lugano hat das Doppelte – weiter erhöhen?

Wir operieren am unteren Limit, dem sind wir uns bewusst. Es ist nicht unser Ziel, mehr Ausländer zu kaufen, sondern die Schweizer Spieler besser zu entlöhnen. Damit man von ihnen auch sechs Trainingseinheiten pro Woche fordern kann. Es soll nicht so sein, dass man gute Schweizer hat, dies nach aussen propagiert, diese dann aber aussaugt und den Ausländern dafür viel Geld gibt. Diese Schere müssen wir schliessen und dafür braucht es mehr Geld.

Nach der Saison ist vor der Saison. Wie weit ist die Planung für die kommende Spielzeit schon fortgeschritten?

Assistent Nik Buser wird weiterziehen, dies ist bislang die einzige Änderung. Wir möchten mit dem Trainergespann Dervisaj/Fölmli weitermachen – es sieht sehr gut aus. Auch in Bezug auf das Kader sieht es so aus, als dass wir mit der Mehrheit der Spieler weiterfahren können. Jetzt gehen wir in die Vertragsverhandlungen, bis Ende April werden wir die ersten Entscheide haben und bis Ende Mai sollte der grösste Teil erledigt sein. Für die Ausländerposten kann man sich etwas mehr Zeit lassen – mit Passeur Denis Milanez sind noch Diskussionen offen.

Wo liegt das grösste Steigerungspotenzial?

Meiner Meinung nach fehlt noch ein Winner-Typ, wenn wir einen Titel holen wollen. Wir brauchen einen, der schon mal etwas gewonnen hat – aber man muss natürlich auch realistisch bleiben, denn das Budget gibt uns die Grenzen vor. Es kann gut sein, dass sich noch einer aus dem Team in diese Richtung entwickelt. Wir müssen den Topf ja auch noch nicht in der nächsten Saison holen, voll angegriffen wird im übernächsten Jahr.

Mit dem Aufsteiger Einsiedeln soll die NLA wieder auf zehn Teams aufgestockt werden. Ist diese Entwicklung positiv?

Das ist ein kompletter Blödsinn. Nichts gegen Einsiedeln, aber dass der eigentlich Siebtplatzierte der NLB aufsteigt, bringt dem Volleyball nichts. Ich glaube nicht, dass sie sich auf dieses Szenario überhaupt vorbereitet haben. Mit neun Teams ging es gut. Warum nun unbedingt die Aufstockung erfolgen muss, verstehe ich nicht. Das ist nicht gut für den Volleyballsport, für mich ist das Haarnadelweitwurf.

Dank des dritten Schlussrangs wird der TVS in der nächsten Saison erstmals im Europacup antreten dürfen. Ein Abenteuer oder eine Last?

Alles zusammen: eine coole Geschichte, eine Last, hohe Kosten, Euphorie. Grundsätzlich freue ich mich darauf, aber es gibt sehr viel zu organisieren. Verdienen kann man dabei nichts.

Wie läuft das Projekt «Bau einer eigenen Halle»?

Ich habe diese Woche noch ein Treffen mit Architekten und Hallenbauern. Die Entscheidung steht an, was kostenmässig wirklich machbar ist. Wir müssen einen Kostenrahmen haben, hinter dem wir stehen können, damit wir die Finanzierung angehen können.

Gibt es noch andere Baustellen im Verein?

Die gibt es immer. Auf die nächste GV hin, welche im Mai stattfindet, werden wir die jüngst entstandenen Lücken schliessen können – mit einem neuen Präsidenten, einem TK-Chef für die Frauen sowie zusätzlichen Leuten im Bereich Sponsoring. Aufgrund der Euphorie durch den Gewinn der Bronzemedaille herrscht im Verein eine Aufbruchstimmung.

Aktuelle Nachrichten