Jan Schnider
Schönenwerder Volleyballer beendet Karriere – Olympia 2008 überstrahlt alles

Mit Jan Schnider beendet einer der besten Schweizer Volleyballer seine Karriere.

Raphael Wermelinger
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Jan Schnider: «Ich fokussierte mich aufs Beachen, weil es mir die Möglichkeit bot, international zu spielen.»

Jan Schnider: «Ich fokussierte mich aufs Beachen, weil es mir die Möglichkeit bot, international zu spielen.»

Yves Künzli

Jan Schnider, mit Schönenwerds letztem Finalrunden-Spiel endete Ihre Karriere. Wie haben Sie das Spiel gegen Lugano erlebt?

Jan Schnider: Das Spiel selbst verlief eigentlich ganz normal. Dass wir Lugano geschlagen haben, war ein schöner Abschluss einer Saison, in der wir leider zu spät zu unserem Spiel fanden. Als es vorbei war, wurde mir erst langsam bewusst, dass es mein letztes Spiel war. Die Verabschiedung danach war dann schon ziemlich emotional. Es wurde ein Video eingespielt mit einigen Szenen aus meiner Karriere, und dann musste ich nach vorne.

Sie «mussten»?

Ich mache das nicht so gerne. Aber es war schön, dass ich in Schönenwerd aufhören konnte. Beim Verein, der mich von klein auf unterstützt hat. Für mich war immer klar: Wenn ich nach der Beachvolleyball-Karriere noch einmal in der Halle spiele, dann für «Schöni».

Für den Topskorer und Captain der vergangenen Saisons wäre auch ein Abschiedsspiel angemessen gewesen. Wer würde bei einem solchen «Legenden-Spiel» auflaufen?

Sicher Spieler, die mich während der Karriere begleitet haben. In den Anfangszeiten waren dies mein Bruder Oli, Daniel Bühlmann und Roland Häfliger, die viel für mich gemacht haben während meiner ersten Zeit bei Volley Schönenwerd. Dann würde ich sicher zwei, drei Spieler von meiner Zeit bei Näfels holen. Zu Roman Landolt habe ich noch am meisten Kontakt. Und ein paar Beachvolleyballer müssten natürlich auch dabei sein, meine ehemaligen Partner Marcel Gscheidle, Martin Laciga und Philip Gabathuler zum Beispiel.

Was hat mehr Spass gemacht: Volleyball oder Beachvolleyball?

Schwierig zu sagen, die Sportarten sind komplett verschieden. Ich fokussierte mich aufs Beachen, weil es die Möglichkeit bot, international zu spielen: WM, EM und Olympische Spiele, das sind die höchsten Ziele für einen Schweizer Volleyballer. Als Indoor-Spieler bekommt man diese Chancen eher nicht, es sei denn, man schafft den Sprung als Profi zu einem ausländischen Klub, was sehr schwierig ist. Die Faszination am Beachvolleyball ist zudem, dass man in der Welt herumreisen kann und Länder besucht, die man sonst eher nicht sehen würde. Das hat sehr viel Spass gemacht.

Oensingen, Schönenwerd, Näfels, Peking und zurück

Geburtsdatum: 7. Januar 1983
Aufgewachsen in: Oensingen
Wohnort: Unterentfelden
Verheiratet mit Melanie, ein Sohn: Yuri
Beruf: Macht im Sommer den Bachelor in Informatik (ICompetence)
Grösse: 1,96 m

Karrierestationen in der Halle:
Oensingen, Schönenwerd, Münchenbuchsee, Näfels, Schönenwerd

Partner im Beachvolleyball:
Michel Kertai (Junioren), Marcel Gscheidle (2005 bis 2007), Martin Laciga (2007 bis 2009), Philip Gabathuler (2009 bis 2011)

Erfolge in der Halle:
3-facher Schweizer Meister mit Näfels, Cupsieger mit Näfels, Silber- und Bronzemedaille in der NLA mit Volley Schönenwerd

Erfolge im Beachvolleyball:
4-facher Junioren-Schweizer-Meister
9. Platz an den Olympischen Spielen in Peking (2008), 7. Platz an der EM in Valencia (2007), 17. Platz an den Weltmeisterschaften in Gstaad (2007) und Rom (2011), 4. Platz am World-Tour-Turnier von Fortaleza (2007), 5. Platz in Schanghai (2008).

Waren die Olympischen Spiele 2008 in Peking Ihr Karriere-Highlight?

Ja, die Olympia-Teilnahme überstrahlt alles. Die Olympischen Spiele sind fast für jeden Sportler das Grösste. Ich kam erst sehr kurz davor mit Martin Laciga zusammen. Wir bereiteten uns vor Ort vor und waren deshalb insgesamt fast 40 Tage dort. Roger Federer feierte am Tag der Eröffnungsfeier seinen Geburtstag mit der ganzen Schweizer Delegation. Überall lief man internationalen Sportstars über den Weg. Es war nur schon spannend zu sehen, wie sie trainieren und sich auf ihre Wettkämpfe vorbereiten. Auch für das Kulturelle hatten wir noch etwas Zeit. Nach über einem Monat war ich aber froh, wieder in der Schweiz zu sein. Für mich war und ist das Heimkehren immer ein sehr schönes Gefühl.

Welches waren Ihre bevorzugten Stationen auf der World-Tour?

Gstaad daheim in den Bergen war immer eines meiner Lieblingsturniere. Wegen der speziellen und gemütlichen Atmosphäre. Der grösste Event für jeden Beachvolleyballer ist aber Klagenfurt. Als Spieler wirst du wie ein König behandelt. Die Leute sind verrückt, es ist eine riesige Party von Mittwoch bis Sonntagabend. Das besondere Feeling, der Lifestyle des Sports wird dort noch so richtig zelebriert. Das kann man auch als Spieler geniessen, sobald die Wettkämpfe vorbei sind.

Wo wurde Ihr Talent eigentlich entdeckt?

Gute Frage. Von «Schöni» wurde ich natürlich gefördert. Und auch bei Näfels konnte ich später viel lernen, als ich zweimal täglich mit ausländischen Profis trainierte. Beim Beachen hat alles wegen Michel Kertai angefangen. Er fragte mich, ob ich Lust hätte zu beachen. Damals gab es eine kleine Serie in der Schweiz mit mehreren Turnieren. Daran nahmen wir teil. Und es war von Anfang an der spezielle Lifestyle, der mich faszinierte. Für mich als 16-Jährigen war es einfach cool, mit dem Zug durch die Schweiz zu reisen und Spass zu haben mit dem Sport. Wir waren damals eine grosse, coole Beachvolleyballer-Clique. Da hat es mir so richtig den Ärmel reingezogen. Die Teams organisierten sich zuerst grösstenteils selbst. Irgendwann wurde dann der Verband auf unsere Leistungen aufmerksam. Ab da wurden wir in Nachwuchs-Kadern gefördert.

Wieso hörten Sie 2011 endgültig auf mit Beachvolleyball?

Es war ein Grundsatzentscheid: Noch einmal voll angreifen für London 2012 und Rio 2016, oder Ausbildung und Volleyball nur noch als Hobby in Anführungszeichen. Ich entschied mich für die berufliche Weiterbildung. Die Berufsmatura hatte ich bereits während der Beach-Zeit nachgeholt. Nun wollte ich mein Studium beginnen.

Und Sie kehrten zu Schönenwerd zurück und spielten die letzten sechs Jahre in der NLA für die Niederämter. Wie war diese Zeit?

Es ist extrem, wie sich der Verein entwickelt hat. Am Anfang waren wir das Aufsteigerteam, das sich in der ersten Saison locker in der Liga gehalten hat. Im zweiten Jahr mit Paul Sanderson und Denis Milanez waren wir von Anfang an bereit und hatten viel Spass auf dem Feld. Und wir waren sehr erfolgreich, haben den Final nur knapp verpasst. Das sorgte für eine richtige Aufbruchsstimmung. Es war uns gelungen, endlich mal die damaligen Top 4 um Näfels, Amriswil, Lausanne und Chênois zu knacken und die NLA aufzumischen. Die Bronze- und Silbermedaille beweisen, dass sehr viel richtig gemacht wurde in den letzten Jahren bei «Schöni».

Wie sehr schmerzt es, dass es nicht zu einem Titel gereicht hat mit den Schönenwerdern?

Schon ein bisschen, es war schliesslich unser Ziel. Schön wäre auch gewesen, mal in der neuen Halle spielen zu können. Aber von solchen Sachen wollte ich meinen Entscheid nicht abhängig machen, der Zeitpunkt stimmt so.

Wann fiel der Entscheid für den Rücktritt?

Für mich war schon bei der Rückkehr zu Schönenwerd klar, dass ich aufhören werde, sobald ich mein Studium beendet habe. Fertig bin ich zwar noch nicht ganz, aber im September, wenn die neue Saison beginnt, möchte ich mit Arbeiten anfangen.

Sie wurden im Januar 33. Noch kein Alter, um aufzuhören. Fühlten Sie sich zu alt für das sonst so junge Schönenwerder Team?

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich nicht mehr zu den Jungs passte. Als Familienvater habe ich mittlerweile schon eine ganz andere Verantwortung, aber manchmal tut es auch gut, dummes Zeugs zu reden. Auf der Carfahrt zu den Spielen zu Beispiel (lacht). Es war immer ein cooler Ausgleich. Dass ich älter bin, habe ich aber definitiv gemerkt. Bei den Warm-up-Spielen im Training mit Alt gegen Jung kam oft der Spruch: «Alle gegen Jan.» Das Alter war aber kein Grund für den Rücktritt. Im Gegenteil, ich verstand mich auch mit den jüngsten Spielern im Team immer sehr gut.

Wie werden Sie Ihre zusätzliche Freizeit nutzen?

Meine Frau Melanie kennt mich nur als Leistungssportler. Ich war immer unterwegs. Früher beim Beachen wochenweise, in den letzten Jahren an den Abenden und den Wochenenden. Ich freue mich, mal nicht verplant zu sein und spontan etwas unternehmen zu können. Sport gehört natürlich auch weiterhin irgendwie dazu. Seit letztem Sommer spiele ich noch Interclub-Tennis. Das macht Spass. Ich mache mit nur einem Training pro Woche Fortschritte (lacht). Mein Sohn Yuri will im Moment auch immer Sport machen, an Bewegung wird es mir also sicher nicht fehlen.