«Das ist ein unglaublicher Tag für mich», strahlte Indergand nach dem Rennen in Buchs. «Schön, dass ich gleich zu Beginn meiner zweiten Saison bei der Elite meinen ersten Sieg holen konnte. Es hat einfach alles gepasst.»

Nur das Wetter spielte nicht richtig mit, es regnete während des gesamten Rennens in Strömen. Indergand schien dies indes nicht zu stören. Bereits in der ersten von sieben Runden à je vier Kilometer setzte er sich zusammen mit zwei Kollegen vom BMC-Team, Martin Fanger und Marcel Guerrini, vom Feld ab.

Ersterer verlor bereits früh nach einem Defekt den Anschluss, am Ende von Runde drei hatte sich Indergand auch seines letzten Begleiters entledigt. Indergand konnte es sich sogar leisten, in der zweiten Rennhälfte etwas Tempo rauszunehmen: «Die Abfahrten bin ich nicht mehr mit Vollgas gefahren, um einen Sturz oder Defekt zu vermeiden.»

Swiss Bike Cup Herren Buchs 2016: Reto Indergand

Swiss Bike Cup Herren Buchs 2016: Reto Indergand

Trotzdem resultierte bis ins Ziel ein Vorsprung von über einer Minute auf den zweitplatzierten Marcel Guerrini. Beim ersten Rennen der Swiss Bike Serie Anfang April in Rivera hatte sich Indergand noch mit dem sechsten Schlussrang begnügen müssen.

Olympia wohl vorerst ein Traum

Reto Indergand stammt ursprünglich aus dem Kanton Uri. Der gelernte Elektroinstallateur fährt seit seinem siebten Lebensjahr Radrennen. Lanciert hat er seine Karriere beim VMC Silenen/IG Radsport Uri. «Dort lernte ich das Abc des Radfahrens», blickt er zurück. Lag der Fokus zuerst noch auf den Strassenrennen, stellten sich bald auch erste Erfolge mit dem Mountainbike ein. So schaffte Indergand 2005 als knapp 14-Jähriger den Sprung ins Mountainbike-Kader der Zentralschweiz.

Etwas mehr als eine Dekade später steht Indergand mittlerweile in seiner zweiten Profi-Saison. Er fährt seit bald fünf Jahren für das US-amerikanische BMC Racing Team. Auch seinen Wohnort hat er vor rund zwei Jahren gewechselt. Schönenwerd bringt ihm den Vorteil, dass er zusammen mit seinem Schwager, dem Radquer-Spezialisten Severin Sägesser aus Niedergösgen, trainieren kann. «Wir haben zusammen einen Kraftraum gemietet», erklärt Indergand. «Auch auf der Strasse trainieren wir, wenn beide in der Gegend sind, mindestens einmal pro Woche gemeinsam.» 

Denn als Mountainbike-Profi ist Indergand auf dem ganzen Globus unterwegs. Im Moment weilt er mit seinem Team in Australien. Cairns heisst die erste Station des Mountainbike-Weltcups 2016. Vor der 30-stündigen Flugreise über Singapur und Sydney formulierte er seine Ziele für den Weltcup-Auftakt: «Ich erhoffe mir eine Klassierung unter den besten 15 Fahrern.» Der dritte Platz 2015 in Windham (USA) ist Indergands bisher bestes Resultat an einem Weltcup-Rennen.

Nach Ozeanien wartet mit Schweden danach der hohe Norden auf Indergand. Anfang Mai findet in Jönköping die Europameisterschaft der Mountainbiker statt. Im vergangenen Jahr gewann Indergand mit der Schweizer Staffel die Silbermedaille, im Cross Country wurde er 34. Nach der EM gehts mit den beiden nächsten Weltcup-Rennen in Albstadt (De) und La Bresse (Fra) weiter.

In den französischen Vogesen wird sich nicht nur entscheiden, welche Schweizer für die Weltmeisterschaft im Juli in Tschechien aufgeboten werden. Es geht auch um die drei Startplätze an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Olympia wird aber wohl (noch) ein Traum bleiben. Für die Qualifikation bräuchte Reto Indergand mehr als nur einen Exploit bei den kommenden Weltcup-Rennen.