Nathalie Schneitter lacht nach geschlagener Schlacht, aber irgendwie nicht so befreit wie gewohnt. Der ganz grosse Coup, sprich die Goldmedaille, ist für das Schweizer Team in der Staffel ausgeblieben. Thomas Litscher (U23), Lars Forster (Junior), und die beiden Elitefahrer Nathalie Schneitter und Nino Schurter büssten am Ende als Silbermedaillengewinner 41 Sekunden auf Weltmeister Frankreich ein. «Silber ist schön», sagt Nathalie Schneitter. Aber es ist deutlich zu spüren: «Nati» und ihre Kollegen wollten mehr, wollten den Titel erfolgreich verteidigen. «Aber Frankreich war heute einfach noch einen Tick besser als wir. Das muss man neidlos anerkennen», so die Lommiswilerin.

Zeit okay

Die 25-Jährige spricht von einer soliden Teamleistung. Sie selber fuhr die fünftschnellste Zeit der 22 Frauen und übergab mit 1:50 Minuten Rückstand auf Schlussfahrer Schurter. Dieser vermochte das Ding aber nicht mehr ganz zu richten. «Meine Zeit ist okay», sagt Schneitter und ergänzt: «Ich bin schnell losgefahren und auf die Deutsche Sabine Spitz aufgefahren. Es ist mir einfach nicht gelungen, sie zu überholen. Das hat mich bis am Ende zu viel Kraft gekostet.»

Erste WM-Medaille bei der Elite

Aber immerhin: Das Teamsilber ist die erste WM-Medaille für Nathalie Schneitter als Elitefahrerin. Und auch der enttäuschende fünfte Rang bei ihrem ersten Staffeleinsatz vor zwei Jahren ist damit endgültig verdaut. Aber irgendwie wurmt dieses Silber die Solothurnerin doch. «Ich fahre so lange mit der Staffel weiter, bis wir Gold gewinnen.»

Nach drei Jahren ohne Edelmetall an Welttitelkämpfen ist dieses Teamsilber ein gutes Omen für ihren Einzelstart vom Samstag (13.30 Uhr). Denn in Champéry hat die Lommiswilerin den bisher schönsten Moment ihrer Karriere erlebt. Sie durfte beim Weltcup-Rennen vor einem Jahr ihr bezauberndstes Lächeln für ihren grössten Sieg aufsetzen. Das macht sie automatisch zu einer der Geheimfavoritinnen für einen Medaillengewinn beim grossen Showdown des Jahres.

Nicht Favoritin, sondern Spielverderberin

«Ich weiss, was man hier machen muss, um zu gewinnen», sagt sie. Schneitter spricht von einem gewissen Vertrauen, dass sie auf dieser Strecke habe. Da haben sich also zwei gefunden. Die Lommiswilerin nimmt gekonnt den grossen Druck von ihren Schultern: «Die Favoritin bin nicht ich. Ich sehe mich als erste Spielverderberin.» Es sei technisch eine der schwierigsten Strecken der Welt. «Jeder Fehler wird hier hart bestraft. Es gilt sauber zu fahren und in den Lenker zu beissen – dann liegt eine Topleistung drin.» Aus Solothurn werden 80 bis 100 Leute aus ihrem Fanclub anreisen, um sie zu unterstützen. Und Vater Eddy wird sie mit dem berühmt berüchtigten Megafon wieder anschreien und versuchen seine Tochter zu einer Medaille zu peitschen.