FC Solothurn
Schlammschlacht beim FC Solothurn in immer groteskeren Formen

Eine Mehrheit der tief gespaltenen Geschäftsleitung des FC Solothurn will Roland Hasler nächste Saison nicht mehr als Trainer der 1. Mannschaft. Ein Nachfolger steht schon bereit – aber das Lager «Pro-Hasler» wehrt sich vehement.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Roland Hasler und Spieler des FCS Adrian Moser sollen schon bald getrennte Wege gehen.

Roland Hasler und Spieler des FCS Adrian Moser sollen schon bald getrennte Wege gehen.

Hans Peter Schläfli

«Wir wollen, dass Roland Hasler spätestens auf die nächste Saison von einem neuen Trainer abgelöst wird.» So lautet die unmissverständliche, offizielle Mitteilung von FCS-Präsident Stefan Aegerter vom Donnerstag, dem 18. April.

Was bei einem gewöhnlichen Fussballverein ein ganz normaler Vorgang wäre, ist beim FC Solothurn ein grandioses Drama, eine Sensation, die Schlagzeile des Jahres und Grund für eine hässliche Schlammschlacht. Der FCS ist eben kein gewöhnlicher Verein, er wurde in den vergangenen neun Jahren immer mehr zum FC Hasler – der Trainer sitzt sogar in der Geschäftsleitung des Vereins.

Das Lager «Pro-Hasler» ist weiterhin überzeugt, dass der FC Solothurn nicht ohne Roland Hasler existieren kann, und wurde deshalb aktiv: Am Freitag, den 19. April, um exakt 15 Uhr, teilt Medienchef Jürg Naegeli mit: «Die Vertragsverhandlungen, die die drei Geschäftsleitungsmitglieder Peter Grütter, Stefan Aegerter und Radi Schönbächler führen, sind ungültig, weil die drei vom Vereinsvorstand bereits mittels einer Zirkulationsabstimmung aus der Geschäftsleitung abgewählt wurden.»

«Die Mehrheit der Geschäftsleitung unterstützt uns», sagte Aegerter an einer kleinen, improvisierten Medienkonferenz am Donnerstagabend. Ob er in diesem Moment überhaupt noch für den FC Solothurn sprechen durfte, werden wohl letztlich die Gerichte entscheiden müssen. Heute Samstag, im kapitalen Zitterspiel gegen Schötz (Anstoss 16 Uhr), soll Roland Hasler jedenfalls weiterhin Trainer der Mannschaft sein. «Bei einem Sieg wäre ich enorm erleichtert und könnte sicher viel besser schlafen», blickt Aegerter auf den im Kampf gegen den Abstieg vorentscheidenden Match.

«Aber ein Sieg oder eine Niederlage in einem einzigen Spiel wird nichts mehr an der grundsätzlichen Ausgangslage ändern. Die Tendenz weist steil gegen unten. Die Möglichkeit, dass noch während der laufenden Saison ein Trainerwechsel passiert, besteht weiter.»

Trainer für neun Jahre

Neun Jahre Trainer bei ein und demselben Verein zu sein, das ist eine beeindruckend lange Zeit. Als Roland Hasler zunächst als Sportchef beim FCS aktiv wurde, beteuerte er mehrfach, nicht Trainer werden zu wollen.

Als Sportchef setzte er dann renommierte Trainer wie Urs Meier (heute in der Super League beim FC Zürich) ab. Als Walter Iselin 2004 entlassen wurde und sich Roland Hasler selbst ins Traineramt einsetzte, belegte der FC Solothrun den 2. Platz und das Ziel war noch eine rasche Rückkehr in die damalige Nationalliga B, die heutige Challenge League.

Einiges hat Roland Hasler in seinen neun Jahren richtig gemacht. Sein Einsatz und seine Seriosität im Training waren vorbildlich, die Zusammenarbeit mit der ausgezeichneten Nachwuchsabteilung klappt.

Auf der anderen Seite ist es ihm aber nie gelungen, eine Mannschaft zu festigen. Fast unvorstellbar: 185 Spieler wurden von Hasler eingesetzt. Es tauchten also mehr als 20 Spieler pro Saison auf und verschwanden wieder.

Haslers Erfolgsausweis ist denn auch rasch zusammengefasst: 2007 erreichte er mit Solothurn als Gruppendritter die Aufstiegsspiele, blieb dort aber gegen Gossau chancenlos. Seither der kontinuierliche Absturz: Erstmals in der Vereinsgeschichte steht nun Solothurn kurz vor dem Abstieg in die 2. Liga inter. Eine Katastrophe für den traditionsreichen Fussballklub.

Roland Hasler schaffte es immer wieder, das Ultimatum «entweder er oder ich» mit Erfolg durchzusetzen.

Über ihn ist schon einmal ein Präsident gestolpert: 2009 musste Robert Beer zurücktreten, nachdem sein Antrag, den erfolglosen Hasler durch Longo Schönenberger zu ersetzen, von der damaligen FCS-Geschäftsleitung abgeschmettert worden war. Gut möglich, dass auch Stefan Aegerter in dieser unsäglichen Schlammschlacht bald resignieren wird.

Eine Frage will der umstrittene Trainer partout nicht beantworten: Warum tritt Roland Hasler in dieser desaströsen Situation nicht freiwillig und zum Wohl des FC Solothurn zurück?