Leichtathletik
Schlaflose Nächte statt voller Konzentration auf das Training

Martina Strähl hat in den letzten Wochen mehr Zeit mit dem Schreiben ihrer Masterarbeit verbracht, als mit der Vorbereitung auf den EM-Marathon in Zürich.

Fabio Baranzini
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Fabio Baranzini

Vor zweieinhalb Wochen war es endlich so weit: Martina Strähl konnte an der Universität Bern ihre Masterarbeit in Psychologie einreichen. Eineinhalb Jahre lang hat sie daran gearbeitet. Mehr als 200 A4-Seiten hat sie in dieser Zeit mit Diagrammen, Tabellen und Texten gefüllt und gemeinsam mit ihren drei Kolleginnen Videointerviews mit den rund 40 Studienteilnehmern geführt.

Herausfinden wollten sie, was denn bei übergewichtigen Männern und Frauen die Motivation zum Abnehmen ist und ob es dabei eine Rolle spielt, ob die Testpersonen bereits Rentner sind oder noch im Berufsalltag stehen.

Die Planung war optimal, das Ergebnis nicht

Dass bei Martina Strähl in den letzten beiden Monaten die Masterarbeit im Zentrum stand, war so nicht geplant. Eigentlich hätte die Oekingerin ihre Masterarbeit Anfang dieses Jahres einreichen wollen, damit sie sich in der Folge optimal auf ihr Saisonziel – den EM-Marathon in Zürich – hätte vorbereiten können. So aber musste sie ihr Trainingspensum leicht reduzieren, damit sie die Arbeit doch noch fertig schreiben konnte.

Die Erholung kam gar massiv zu kurz, denn im letzten Monat schrieb Strähl oftmals bis morgens um zwei an ihrer Masterarbeit. «Die letzten Wochen warten brutal. Regelmässig habe ich nur gerade fünf Stunden schlafen können. Dadurch war ich in den Trainings müde und mir fehlte die Lockerheit. Während alle meine Teamkolleginnen sich topseriös in Trainingslagern auf die EM vorbereiten konnten, war ich nicht in der Lage, abzuschalten und mich auf den Sport zu konzentrieren», schildert Martina Strähl ihr Dilemma.

Motivation hat gefehlt

Die fehlende Erholung schlug sich je länger je mehr auch in den Trainingsleistungen nieder. Die Berglaufspezialistin, die in dieser Saison bereits zwölf Läufe gewonnen hat, wurde langsamer und die Trainings verkamen oftmals zu einem «Knorz», wie sie es bezeichnet. Entsprechend erleichtert war Martina Strähl, als sie ihre Masterarbeit endlich einreichen konnte.

Doch mit der Erleichterung machten sich auch die Müdigkeit und eine gewisse Leere bemerkbar. «Die ersten paar Tage nach der Abgabe habe ich absolut nichts gemacht und lag nur zu Hause. Die Motivation hat mir gefehlt», sagt Strähl.

Pünktlich zur EM bereit

In der Zwischenzeit ist die Motivation zurück und damit auch die Vorfreude auf die Heim-EM in Zürich. Gleichzeitig schwingt aber auch eine gehörige Portion Respekt mit vor dem Start beim EM-Marathon.

«Ich habe diese Woche die Startliste erhalten und gesehen, dass ich von den 55 Starterinnen die zehntlangsamste Zeit habe und die zweitjüngste Athletin bin. In solchen Momenten zweifelt man schon ein wenig, ob alles gut kommt, vor allem weil meine Vorbereitung nicht optimal war», gesteht Strähl. Doch die 26-jährige Athletin des LV Langenthal ist überzeugt, dass sie pünktlich zur EM wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte sein wird. «Ich fühle mich trotz allem fit, denn die wichtigsten Trainings konnte ich absolvieren.»