FC Bellach

Schlägerei im Trainingslager: Ist das vermeintliche Opfer der Täter?

Das vermeintliche Opfer Christian.

Tatort: Der Treppenaufgang zur Disco China White auf Gran Canaria

Das vermeintliche Opfer Christian.

Eine Aussprache soll im «Fall Bellach» für etwas mehr Klarheit sorgen. Für Donnerstagabend hatte der FC Bellach seine erste Mannschaft zur Krisensitzung geladen. Das beschuldigte Präsidiumsmitglied ist vorläufig zurückgetreten.

Der «Fall Bellach» scheint kompliziert zu sein: Es steht Aussage gegen Aussage. Spieler Christian* behauptet, dass er im Trainingslager des Zweitliga-Fussballklubs auf Gran Canaria verprügelt worden sei.

Nicht von irgendwem, sondern von einem der drei Präsidenten und dessen beiden Söhnen. Bei der Schlägerei vor der Disco China White in Playa del Ingles sei ihm das Handgelenk gebrochen worden, wie Christian aussagte.

Zudem gab er an, bei der Solothurner Polizei Anzeige erstattet zu haben. «Im Zusammenhang mit diesem Fall wurde eine Anzeige eingereicht», bestätigt der Solothurner Kapo-Mediensprecher Bruno Gribi. Von wem die Anzeige eingereicht wurde und ob bei dem Vorfall von Spanien überhaupt ermittelt werden kann, will Gribi nicht kommentieren.

Am vergangenen Montag trat das angeschuldigte Präsidiumsmitglied bis auf weiteres von seinen Ämtern zurück, wie das Präsidiumsmitglied Tobias Gunzinger in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilt.

Ebenso seien die beteiligten Spieler derzeit vom Training suspendiert. «Dies so lange, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind», wie es im Schreiben weiter heisst.

Zum Ablauf liegen dem Vorstand des FC Bellach schriftliche Zeugenaussagen vor, «die sich teilweise widersprechen».

Um weitere Abklärungen vorzunehmen, habe der Vorstand eine unabhängige Untersuchungskommission ins Leben gerufen, die von Gunzinger geleitet wird, da er nicht im Trainingslager mit dabei war und damit nicht in den Vorfall involviert ist.

Mehrere Augenzeugen, die anonym bleiben möchten, haben ihre übereinstimmenden Beobachtungen gegenüber der «Nordwestschweiz» dargelegt:

So soll Christian vor der Disco einen Teamkollegen, den Sohn des von Christian als Täter beschuldigten Präsidiumsmitgliedes, «dumm angemacht» haben. Es sei reichlich Alkohol im Spiel gewesen und die Sache handgreiflich geworden.

Als sich der Bruder des Teamkollegen eingeschaltet habe, sei Christian tätlich auf ihn losgegangen. Schliesslich habe der Vater der beiden schlichten wollen und sei danach von Christian die Treppe vor der Disco hinuntergestossen worden. Darauf seien seine beiden Söhne ausgerastet. Einer habe Christian eine Kopfnuss verpasst, wie er selber gegenüber dem «Blick» zugibt.

Polizisten brachten die Situation unter Kontrolle. Sie sollen alle Beteiligten mit gezielten Schlägen in die Kniekehlen ausgeschaltet haben.

Der Discobesitzer soll dafür gesorgt haben, dass weder Anzeigen erstattet noch Beteiligte abgeführt wurden. Christian sei darob so in Rage gewesen, dass er mehrmals mit der Faust gegen die Wand geschlagen habe. So erklären sich die Augenzeugen auch seinen Handgelenkbruch.

Vom Verband drohen keine Strafen

Am nächsten Tag reiste Christian zusammen mit zwei Teamkollegen zurück in die Schweiz. Die drei haben in der Region bereits in verschiedensten Klubs gespielt – immer zusammen am selben Ort.

Vom Solothurner Fussballverband (SOFV) hat keine der am Vorfall beteiligten Personen Sanktionen zu erwarten, wie SOFV-Sekretariatsleiter Marco Begni sagt.

«Ich sehe keine Handhabe, dass sich der Verband in dieser Angelegenheit einschalten könnte.» Geahndet werden könnten nur Vorfälle, die im Zusammenhang mit dem Spielbetrieb geschehen. Und das trifft auf das Trainingslager nicht zu.

* Namen geändert

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1