FC Solothurn
Scheidegger: "Der Charakter muss stimmen"

Der FC Solothurn befindet sich nach der schwierigen letzten Saison auf und neben dem Platz im Aufwind. Samuel Scheidegger, der neue Präsident der Solothurner, ist mitverantwortlich für den Umschwung auf und neben dem Platz.

Cedric Heer
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Der ehemalige FCS-Junior Samuel Scheidegger ist seit dieser Saison Präsident beim FC Solothurn.

Der ehemalige FCS-Junior Samuel Scheidegger ist seit dieser Saison Präsident beim FC Solothurn.

Hansjörg Sahli

Herr Scheidegger, Sie sind nun seit fünf Monaten Präsident des FC Solothurn. Haben Sie bei Amtsantritt gedacht, dass es im Verein derart gut laufen wird?

Samuel Scheidegger: Sportlich gesehen hat man das Potenzial gerade im Nachwuchsbereich immer gesehen. Zudem war ich überzeugt, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben werden. Dass man gleich ganz vorne mitmischen kann, ist natürlich umso schöner.

Der Rückstand auf den Zweiten aus Zug beträgt lediglich drei Punkte. Wie erklären Sie sich das nach der schwierigen letzten Saison?

Die Mannschaft hat in der letzten Saison viel gelernt. Sie sind an dieser schwierigen Saison gewachsen und als Team noch näher zusammengerückt. Wir verfügen über ein starkes Kollektiv und haben Spass am Fussball. Zudem sind wir stabil in der Defensive und erhalten nur wenig Gegentore, weshalb wir uns auch in der Offensive mehr zutrauen.

Auf diese Saison hin sind mit Sacha Stauffer und den beiden Grosjean-Zwillingen drei Spieler von Grenchen zu Solothurn gestossen. Sind diese Wechsel direkte Auswirkungen der Probleme bei Grenchen?

Die Situation von Grenchen merkt man bei uns nicht direkt. Da es sich um unseren Kantonsrivalen handelt, ist es sicher immer wieder Gesprächsthema, dabei reden wir aber weder negativ noch positiv davon. Wir müssen uns um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Vor ungefähr eineinhalb Jahren sah sich der FCS in einer ähnlichen Lage. Ich bin jemand, der lieber auf die eigene Arbeit schaut und nicht andere beurteilt.

Neulich wurden wieder elf Spieler beim FCG suspendiert. Gibt es Überlegungen und Gespräche, auf die Rückrunde neue Spieler zu verpflichten?

Spieler sind momentan keine im Gespräch. Die Mannschaft verfügt über ein sehr gutes Kollektiv, da muss man aufpassen, wen man in die Mannschaft holt. Zudem wollen wir auf unsere eigenen Spieler setzen. Daher müsste ein Neuzugang wirklich um einiges besser sein als unsere Eigenen, ins Konzept passen und auch den jungen Spielern etwas bringen. Der Charakter muss stimmen.

Diese Überlegungen zeigen sich auch in den Aktivitäten in der Region. Der FC Solothurn wurde mit dem Projekt „Grüne 11“ für den Ethikpreis 2014 nominiert. Das ist nicht üblich für einen Fussballverein.

Die Initiative bestand schon vor meiner Zeit als Präsident. Seit diesem Sommer verfolgen wir zwei konkrete Projekte in Zusammenarbeit mit der VEBO Genossenschaft und dem Kanton Solothurn, respektive der Agenda 21, für die wir auch für den Preis nominiert wurden. Dabei laden wir beispielsweise Schulklassen in unser Stadion ein, um ihnen Tipps für umweltbewusste Fussballspieler weiterzugeben, aber auch wie man ganz generell, mit kleinen Veränderungen im Alltag, ressourcenschonender umgehen kann. Wie heisst es so schön, wenn man etwas verändern will, muss man bei den Kleinsten anfangen. Auch wenn wir den Preis am Ende nicht gewinnen konnten, werden wir auch weiterhin solche Projekte verfolgen, wenn die Ideen stimmen.

Trotz diesem Engagement spielt der FCS momentan ohne Hauptsponsor auf seinem Trikot. Wie kommt das?

Die Firmen wollen oft eine Gegenleistung, die wir nicht versprechen können. Gerade auch, dass ein Sponsoring unmittelbar finanziell messbar ist, ist nicht realistisch. Ein Problem ist sicher, dass die 1. Liga nicht nur noch im Kanton spielt, was für regionale Sponsoren weniger attraktiv ist. Und dennoch ist sie in Bezug auf Medienpräsenz noch nicht so lukrativ wie eine noch grössere Liga. Dabei geht ganz vergessen, dass wir mit unseren 300 Junioren, den Trainern, den Familienangehörigen und dem Verein nahestehenden Personen und Firmen über eine sehr grosse Kaufkraft verfügen. Man stelle sich vor, diese Personen entscheiden alle von heute auf morgen, nicht mehr im Migros einkaufen zu gehen. Glücklicherweise verfügen wir aber auch über treue Sponsoren, die von der guten Arbeit überzeugt sind, die beim FC Solothurn geleistet wird und keine direkte Gegenleistung erwarten.
In der nächsten Zeit wird sich aber etwas tun und in Sachen Finanzbeschaffung haben wir noch die eine oder andere Idee.

Gerade im Juniorenbereich leistet der FCS aber nationale Spitzenarbeit.

Definitiv müssen wir uns auf der Nachwuchsebene besser gegenüber potenziellen Sponsoren vermarkten. Beispielsweise am FE13-VW-Junior-Masters klassierten wir uns hinter St. Gallen und Basel auf dem dritten Rang. Da gehören wir zur nationalen Spitze, was aber nur wenige wissen. Das muss man besser hervorheben.

Nach der tollen ersten Saisonhälfte scheinen die Aufstiegsspiele in Reichweite. Wird die Zielsetzung dementsprechend angepasst?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben Freude, dass es derart gut läuft. Falls es so weiter geht, würden wir sicher nicht Nein zu den Aufstiegsspielen sagen. Aber die Rückrunde dauert noch lange und es wird noch viele Wechsel geben. Wir haben aber gemerkt, dass wir durchaus das Potenzial haben, um vorne zu bestehen.

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