Er erlebt eine aufregende Woche: Am Dienstag absolvierte Colin Gerber für den SC Bern noch die Cuppartie gegen Brandis (9:2-Sieg; Torschütze zum 7:1). Und bereits am Donnerstagmorgen stand er mit den neuen Teamkollegen im Kleinholz auf dem Eis, ein klares Ziel vor Augen: Der 20-Jährige soll die angeschlagene EHCO-Verteidigung verstärken und eine prägende Figur werden, wenn es darum geht, defensive Stabilität zu erlangen.

Der erste Eindruck stimmt für Colin Gerber: «Das Team macht für mich einen sehr guten Eindruck. Wenn jeder seine Rolle annimmt und sie erledigt, bin ich zuversichtlich, dass es eine erfolgreiche Saison wird.» Auch menschlich passt es für den jungen Verteidiger: «Es ist etwas klischeehaft, aber die Spieler, Staff, Trainer und auch Sportchef Marc Grieder, sie alle haben es mir sehr einfach gemacht. Ich fühle mich bereits sehr wohl hier», meint Gerber, der seine neuen Teamkameraden bislang fast ausschliesslich als Gegner kannte. Lediglich mit Verteidiger Tim Grossniklaus (SCB-Elite) und Goalie Simon Rytz (Ausleihe an Langenthal) sass er schon in der gleichen Garderobe.

Anfang Woche noch beim SCB, nun beim EHC Olten: Colin Gerber.

Anfang Woche noch beim SCB, nun beim EHC Olten: Colin Gerber.

Ausleihe war absehbar

Auf die Frage, wie sich ein EHCO-Training von einer SCB-Einheit unterscheide, meint der Burgdorfer: «Das Spieltempo ist in Bern noch eine Spur höher, intensiver. Aber sonst ist sehr vieles ähnlich. Auch in Olten wird sehr professionell gearbeitet», sagt Gerber, der im letzten Jahr die KV-Sportschule abgeschlossen hat und nun mit einem 20- bis 30-Prozent-Pensum in einem Treuhandbüro arbeitet. «Sie sind sehr flexibel und unterstützen mich. Ich brauche die Arbeit im Büro als Ausgleich.»

Wer mit Colin Gerber spricht, dem fällt auf, dass der 20-Jährige schon sehr reif ist und bereit zu sein scheint, verantwortungsvolle Rollen in einem Team zu übernehmen. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit und Professionalität er die Entscheidung der SCB-Führung akzeptiert hat, dass er – wenige Tage vor dem Saisonstart – beim SC Bern vorerst doch keinen Platz im Kader hat. Er sieht die Ausleihe nicht als persönlichen Genickbruch: «Ich konnte mich ein wenig darauf vorbereiten. Ich war schon im Sommer realistisch genug, um zu sehen, dass es für mich schwierig werden wird, sollte beim SCB mit diesem breiten Kader nicht etwas Aussergewöhnliches passieren», sagt das Jungtalent bescheiden und fügt an: «Ich sehe es nun vielmehr als Chance an, an einem weiteren Ort Erfahrungen zu sammeln und mich weiterzuentwickeln.»

Im Kleinholz will Colin Gerber in seiner noch jungen Karriere einen weiteren Schritt vorankommen. «Mein Spiel muss noch physischer werden. Ich hoffe, dass ich in der Verteidigung einen Lead übernehmen kann, stabil stehe, gute erste Pässe spiele und vermehrt den Mut aufbringe, mich ins Offensivspiel einzubringen», sagt der 1,91 m und 85 kg schwere Verteidiger.

Einsatz total, ob Maus oder Bär – ob EHC Olten oder SC Bern. Das muss er auch: Denn von seinem Stammklub kann Colin Gerber jederzeit zurückbeordert werden. Wahrscheinlicher ist aber, dass er die komplette Saison mit einer B-Lizenz dem EHC Olten zur Verfügung steht. Der 20-Jährige mag sich keine Szenarien ausmalen. «Es kommt, wie es kommen muss.»

Klar ist vielmehr: Heute Abend, 17.30 Uhr, wird er sein EHCO-Debüt geben – und dies ausgerechnet in der Schoren-Halle des SC Langenthal. Gegen jenen Klub also, dessen Dress er in der vergangenen Saison, ebenfalls als Ausleihespieler des SCB, noch trug.

«Es wird sicher ein spezielles Spiel sein. Aber dort, wo ich bin, gebe ich 100 Prozent. Und das ist nun beim EHC Olten», stellt er klar. Und so meint er mit einem Schmunzeln: «Ich hoffe, dass wir gewinnen können. Gegen die ehemaligen Teamkollegen als Sieger hervorzugehen, wäre grossartig.» Es wäre auch der perfekte Start in ein neues Kapitel.