Rad
RV Solothurn auf dem Weg zu neuem Glanz

Der RV Solothurn fristete zuletzt ein Mauerblümchendasein – damit soll jetzt Schluss sein. Der Radverein mit rund 80 Mitgliedern will aus dem Schatten hervortreten.

Merken
Drucken
Teilen
Der neue Präsident, Andreas Mäder, ist mit dem RV Solothurn auf der Reise in eine bessere Zukunft.

Der neue Präsident, Andreas Mäder, ist mit dem RV Solothurn auf der Reise in eine bessere Zukunft.

Michael Schenk

«Der RV Solothurn war zuletzt im Dornröschenschlaf und ich weiss noch nicht genau, ob er daraus wachgeküsst werden will», sagt Andreas Mäder. Der 40-Jährige ist seit April der «Chefküsser» - sprich neue Präsident des einst ruhmreichen Radsportvereins. Einem Klub, der heute nicht einmal eine Homepage hat. Googelt man RV Solothurn landet man beim Reitverein - naja, immerhin artverwandt.

Rund 80 Mitglieder zählt der RV Solothurn heute. «Rennsport aber gibt es bei uns derzeit nicht», hält Mäder fest. Er sei mit seinen 40 Jahren zurzeit quasi der Youngster im Klub. «Und das kann ja nicht sein», so der Wiedlisbacher, der beruflich in der Geschäftsleitung der Oreon-Rechtsschutzversicherung tätig ist. Ein physisch zwar präsenter aber aktionsmässig inaktiver Vorstand hat in den letzten Jahren seinen Teil dazu vernachlässigt, dass es zu einem markanten Aderlass an Mitgliedern kam. Eines Exodus nach dem Motto: Wozu brauche ich einen Verein, hobbymässig radeln kann ich auch allein.

Wie die Jungfrau zum Kind

Mit dem soll jetzt freilich Schluss sein. Ziel ist, dass der RV Solothurn an den nächsten Bike Days in der Kantonshauptstadt in «irgendeiner Form wieder präsent ist», sagt Mäder. Selbst an diesem Top-Event der Zweiradszene vor der eigenen Haustür war der RV jüngst unsichtbar. Zum Präsidenten-Job kam Mäder, auch mit Mitglied des VC Wiedlisbach und OK-Präsident des GP Wiedlisbach, wie die Jungfrau zum Kind. Anfang Jahr war er noch Sportlicher Leiter des Elitesportgruppe von Maca Loca. Dann sei da «etwas geschehen», das es ihm unmöglich gemacht habe, weiterhin in dieser Position tätig zu sein. Er und sein Sohn verliessen darauf das Team.

RV Solothurn: Sechs neue im Vorstand

Nebst Präsident Andreas Mäder aus Wiedlisbach sitzen im neuen Vorstand des RV Solothurn folgende Radfachleute: Reto Schlunegger (Rütenen, Kassier, neu). Thomas Wren (Solothurn, Breitensport und Radsportfachmann, neu). Max Gisske (Bellach, Beisitzer, bisher). Stefan Hofer (Luterbach, Material, bisher). Martin Pomplun (Bellach, Beisitzer, neu). Pierino Rossi (Lengnau, Sportkommission, neu). Ueli Kohler (Langenthal, Sportkommission, neu). Rossi und Kohler sind unter anderem für die Verbindung zum Elite-Team Maca Loca-Scott zuständig.(msk)

Die Verantwortlichen des RV Solothurn bekamen Wind davon und peilten Mäder an; sprich luden ihn zu ihrer GV ein. Erst da habe er sich erstmals näher mit der Situation des RV Solothurn befasst und sich spontan entschlossen, die Führung zu übernehmen. «Ich werde allerdings kein langjähriger Präsident sein», so Mäder. Er habe bei seiner Wahl eindeutig definiert, dass es sein Ziel sei, eine klare Strategie für den Verein aufzugleisen, und dann, wenn dem so ist, einen Mann aus der Region zu finden, der den Klub langfristig führe. «Das sollte eigentlich kein Problem sein.» Immerhin gibt es keine finanziellen Altlasten - im Gegenteil. Mäder, der diesbezüglich mit einem Horizont von gut einem Jahr rechnet, sieht sich daher nicht als Sanierer, sondern als Initiant.

Ansetzen will der neue Präsident mit seiner Crew (s. Box) bei der Jugend. «Talentsichtung muss in den Vordergrund rücken.» Kids für den Radsport zu begeistern also, und sie in erster Linie zu kompetenten, fitten Verkehrsteilnehmern ausbilden und sie im Bedarfsfall auch sportlich fördern. Und: «Wir müssen uns öffnen. Grundsätzlich soll bei uns jeder, nicht nur der Rennradfahrer, sondern auch der Biker oder BMXler willkommen sein.» Was nicht heisst, dass der RV Solothurn künftig alles allein anbieten will. «Aber in Zusammenarbeit mit den umliegenden Klubs ist das sicher möglich und sollte eine Win-win-Situation für alle ergeben», hält Mäder fest.

Kriterium an den Bike Days

Man wolle folglich in einem ersten Schritt jetzt das Gespräch mit den Schulen suchen, um abzuklären, wie der Radsport, sprich RV, allenfalls in das Unterrichtsangebot involviert werden könne. Mit dem geplanten Velodrom in Grenchen, der nahen Elite-Radsportgruppe Maca Loca und dem von Roland Richner geführten Leistungszentrum, in dem auch für Nicht- Kanti-Schüler Sport und Ausbildung ideal harmonisiert werden soll, «können wir sportlich ambitionierten Jugendlichen ein sehr attraktives Umfeld anbieten», sagt Mäder. Je nachdem, wie es für den jeweiligen Sportler oder die jeweilige Sportlerin dann eben passt. Wobei auch die Hobby- und Tourenfahrer wichtig seien für die Zukunft des RV, so Mäder. «Wenn wir in Zukunft vielleicht wieder einmal einen Event organisieren wollen braucht es engagierte Klubmitglieder, die sich für die Sache einzusetzen bereit sind.» Eine Vision ist etwa anlässlich der Bike Days ein Kriterium in der Stadt auf die Beine - sprich Räder - zu stellen. «Mit 30 000 Franken», sagt Mäder, «wäre so was sicher realistisch.» Beim RV Solothurn wird allem Anschein nach also wieder in die Pedale getreten.