Die bereits 55-jährige französische Radsport-Ikone Jeannie Longo, im Jahre 1996 Olympiasiegerin in Atlanta im Strassenrennen und 13-fache Weltmeisterin sowie 38 fache Weltrekordlerin, feierte beim 26 km langen Zeitfahren in Gerlafingen bereits ihren 1227. Triumph als Radrennfahrerin. Das sind mehr als doppelt so viele Erfolge wie der legendäre Belgier Eddy Merchx bei den Männer feiern konnte.

Neun Sekunden Vorsprung

Die ursprünglich aus St. Gervais in den Hochsavoyen kommende und jetzt in der Nähe von Grenoble wohnhafte «Grand Dame» des Radsport war in jungen Jahren eine erfolgreiche Skisportlerin gewesen, die sowohl als Alpine Fahrerin zu den grossen Hoffnung der Grand Nation gehörte, wie später auch im Skilanglauf, ehe sie dann ihre grosse und lange Karriere als Radrennfahrerin begann.

Nach ihrem 1227. Sieg im Radsport in der Wasserämter Gemeinde Gerlafingen, wo sie das Rennen gut einteilte und ihre acht Sekunden Rückstand auf die Bellacher Vorjahressiegerin Maya Frey nach einer Runde in einen Vorsprung von neun Sekunden auf der zweiten Boucle umwandelte, erzählte Longo, dass sie jetzt nur noch Rennen gegen die Uhr bestreite. Nach ihrem fünften Saisonsieg im Kampf gegen die Uhr meinte Jeannie Longo weiter. «Ich liebe die Natur. So haben wir auch auf einem Bauernhof in dieser schönen Region übernachtet.

«Nicht so gute Kurventechnik»

Die zweitschnellste Fahrerin des Tages im Rennen des VC Victoria Gerlafingen Maya Frey, immerhin 2013 Master Weltmeisterin im Zeitfahren im österreichischen St. Johann, meinte kurz und bündig. «Meine Kurventechnik ist nicht so gut wie bei der Französin Jeannie Longo.»

Küng gewinnt bei den Männern

Im 39 km langen Männerrennen siegte Stefan Küng, der Bahn-Vize-Weltmeister in der Einzelverfolgung, souverän vor dem Waadtländer Théry Schir vom Hägendorfer EKZ Racing Team mit dem er in diesem Winter in Cali/Kol die WM-Bronzemedaille im Madison erobert hatte. Sowohl Küng wie auch Schir sind zwei der grossen Olympiahoffnungen von Swiss Cycling in Rio 2016, die auch zum Bahnvierer von National Trainer Daniel Gisiger gehören.

Nach seinem sechsten Saisonsieg auf der Strasse meinte der erst 20-jährige Küng, der zurzeit den zweiten Teil seiner Sportler RS in Magglingen absolviert: «Langfristig möchte ich Strassen-Profi werden. Bis zu den Olympischen Spielen in Rio konzentriere ich mich aber vor allem auf die Bahn. In diesem Jahr ist aber neben der Titelverteidigung des EM-Titels in der Mannschafts-Verfolgung bei den U23 auch die EM auf der Strasse in Nyon für mich ein Thema.»

Schir mit steigender Formkurve

Der zweitklassierte Théry Schir war mit seinem zweiten Platz zufrieden, obschon Küng in einer anderen Liga fahre, wie er kurz nach der Zieleinfahrt betont. «Positiv ist aber auch, dass meine Formkurve steigt.» Als nächstes fährt nun Théry Schir ab Donnerstag mit seinem EKZ Team die viertägige Tour Franche Comte in Frankreich, die am Samstag einen Abstecher beim Berg-Zeitfahren in La Chaux de Fonds in die Schweiz macht. Dritter hinter den beiden Schweizer Shootingstars wurde der Berner Masterfahrer Andreas Schweizer, der 2009 und 2011 in Gerlafingen als Tagessieger triumphiert hatte.