Rolf Bieri ist leidenschaftlich – zumindest soweit es seine Funktion als Präsident des FC Grenchen betrifft. Leidenschaft allerdings kommt in der Schweiz sehr schnell sehr suspekt rüber. Schliesslich sind wir neutral, bieten auf politischem Parkett gerne unsere guten Dienste an und sind weidlich darauf aus, ja nicht zu polarisieren. Viel mehr entspricht es der helvetischen Mentalität zu checken, woher der Wind weht und sich da einzureihen, wo es ja nicht wehtut.

Turbulenzen waren programmiert

In diesem Sinn war es praktisch programmiert, dass ein eigener Macher wie Bieri für Turbulenzen sorgen wird. Wer so auftritt – direkt und «fadegrad» in Wort und Tat – braucht in aller Regel ein dickes Portemonnaie. Einen fetten Geldbeutel, der ihm den Rücken frei hält, mit dem nötigen Sauerstoff versorgt und vor Angriffen von aussen unempfindlich macht. Bieri aber ist kein Christoph Blocher oder Christian Constantin – keiner, der seine Idee und Ideologie nötigenfalls auch im Alleingang umsetzen kann und keinen braucht – zumindest wenn es ums Geld geht. Wäre er Milliardär, sagt Bieri, würde er sofort ein neues Stadion samt Eishalle und allem Drum und Dran bauen ...

Der Reset als weise Aktion

Mit seinem Rücktritt entknotet der FCG-Präsident das Label FC Grenchen vom zum Reizwort gewordenen Namen Bieri. Die einzig weise Aktion, um die verhärteten Fronten – in der Computersprache würde man sagen – zu resetten. Polarisierende Menschen mag man oder man mag sie nicht. Allein, mit seinem Rücktritt ist Bieri vielen Politikern einen Schritt voraus. Präsidenten, die nicht erkennen, wann es Zeit ist, zu gehen. Der FCG-Boss akzeptiert die Gegebenheiten und ist zum Konsens bereit. Ein jähes Ende ist allemal besser, als am Sessel zu kleben, bis der Schaden maximiert ist.