Motorrad
«Rohrbach-Rossi» will mit seinem Motorrad in die Top 10 fahren

Dominique Aegerter fährt bei den am Sonntag beginnenden Moto2-WM mit. Der 20-jährige trainiert in Katar und hat sich ein hohes Ziel gesteckt: Er will in die Top 10 fahren.

Klaus Zaugg, katar
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Der Rohrbacher Dominique Aegerter blickt der neuen Moto2-Saison positiv entgegen. keystone

Der Rohrbacher Dominique Aegerter blickt der neuen Moto2-Saison positiv entgegen. keystone

Solothurner Zeitung

Manchmal genügt ein Nachmittag, um das Wesen und Wirken eines Rennfahrers zu verstehen. Es ist der 6. März 2011. Die Moto2-Stars üben in Jerez letztmals vor dem Saisonstart. Es sind zwar «nur» Tests. Und doch wirken sich die Resultate auf die Saison aus: Wer jetzt nicht vorne mit dabei ist, gerät ins Grübeln.

Dominique Aegerter hat Grund, verunsichert zu sein. Bei früheren Testfahrten ist ihm bei Tempo 180 km/h das Vorderrad weggerutscht. Er kommt wie durch ein Wunder heil davon. Aber die Maschine ist zerstört. Von diesem Augenblick an ist er verunsichert. Sein Teamchef Alain Bronec macht sich Sorgen: «Domi will zu viel. Er hat im Winter hart gearbeitet und ist nun enttäuscht, dass es bei den Tests nicht besser geht. Er hat Mühe, einzusehen, dass er nichts erzwingen kann und dass es nicht immer am Motorrad liegt. Seine Sturheit ist seine Stärke. Aber manchmal auch seine Schwäche.» Aegerter liegt weit zurück, um Rang 30 herum.

Angst im Hinterkopf

Um 16 Uhr beginnt die letzte Teststunde. Das Wetter ist kühler geworden, viele Fahrer packen bereits: Wenn die Piste abkühlt, sind keine besseren Rundenzeiten mehr möglich. Doch einer geht raus, fährt stur Runde um Runde – und siehe da: Es geht doch. Ganz zum Schluss verbessert sich Aegerter doch noch auf Position 18. An Tom Lüthi (5.) und Klassen-Neuling Randy Krummenacher (15.) kommt er nicht mehr ganz heran. Aber immerhin: Das Selbstvertrauen ist wieder hergestellt. Sturheit diesmal als Qualität.

Er gibt zu, dass ihm der 180-km/h-Sturz in die Knochen gefahren sei. «Das hat mich schon verunsichert, ich stürze ja sonst nicht oft. Im Hinterkopf hatte sich Angst eingeschlichen.» Er überlegt kurz, merkt, dass er zu ehrlich war und korrigiert: «Also mit Angst meine ich die Angst, die Maschine noch einmal bei einem Sturz zu zerstören...»

Aus dem scheuen Bub, der am 15. Oktober 2006 in Begleitung seiner Mutter in Estoril (Portugal) seinen ersten GP bestritten hat, ist ein selbstsicherer junger Mann geworden. Er beginnt am Sonntag beim GP von Katar das fünfte WM-Jahr und das zweite in der Klasse Moto2. In der zweiten Hälfte der letzten Saison ist es dem kräftigen Modellathleten sogar gelungen, als erster Schweizer Tom Lüthi (24) auf WM-Niveau zu besiegen. Über einen siebten Platz ist er zwar noch nie hinausgekommen. Aber beim GP von Portugal verspielte er im Herbst den Platz auf dem Podest erst in den letzten Runden.

Die hohen Erwartungen

Die Erwartungen an den Garagistensohn aus Rohrbach ob Langenthal («Rohrbach-Rossi») sind also zu Recht hoch. Aegerter will in die Top Ten der Moto2-WM, der zweitwichtigsten Töffrennklasse der Welt. Im Team des Industriellen Olivier Métraux geniesst Aegerter eine optimale Betreuung. Er verdient zwar nach wie vor nicht viel mehr als einen Lehrlingslohn – aber er muss sich nicht um die Finanzierung der Saison kümmern und kann unbelastet Gas geben und als Rennfahrer rocken und rollen. Den Mut, den Willen, das Talent, die Fitness und die technischen Voraussetzungen für einen Platz in den Top Ten hat er. Nun muss er bloss lernen, alles in einem Rennen auf eine Reihe bringen. Der Diamant ist noch nicht geschliffen.