Revolutionär: Hardrock am Bock

Gerlafingens Langschläger Kevin Aebi hämmert den Nouss zu den Klängen von AC/DC ins Ries.

Gerlafingens Langschläger Kevin Aebi hämmert den Nouss zu den Klängen von AC/DC ins Ries.

Hornussen Ein Besuch beim NLA-Derby zwischen Recherswil-Kriegstetten und Gerlafingen-Zielebach

Die Sonne scheint, eine leichte Bise weht. Es ist Samstagnachmittag. Wir sind in Recherswil. Ländliche Gegend, weit weg von der Hektik der Stadt. Und doch ist es laut. Abtauchen in eine spezielle Welt, in die Welt der Hornusser. «Schön, super Ändu», schreien ein paar Männer. «Gut gemacht, du darfst heute heimkommen», sagt eine Spielerfrau zu ihrem Mann nach zwei gelungenen Streichen. Gelächter auf der Anlage.

Aber für die HG Recherswil-Kriegstetten und den Gast von Gerlafingen-Zielebach gilt es auf dem Feld ernst. Es ist das Derby, das Nachbarduell. Nur gerade drei Kilometer liegen die Hornusserplätze der beiden Teams auseinander. Und diese Nähe macht das Duell für beide Mannschaften sehr speziell. Speziell ist auch der Spielverlauf. Früh kassieren die Gerlafinger ein Nummero. Recherswil bleibt im Ries sauber. Der Sieg gehört der Heimmannschaft. Aber die Gäste hämmern die Nousse einen Hauch weiter – 33 Schlagpunkte beträgt am Ende die Differenz. Damit entführen die Besucher einen Punkt.

«Das Nummero hätte nicht sein müssen. Wir müssen beim Abtun konsequenter rangehen. Daran gilt es zu arbeiten», sagt André Pärli, Spielführer der HG Gerlafingen-Zielebach. Vor zwei Jahren haben die beiden Gesellschaften fusioniert. Zwei siebte Plätze in der Meisterschaft schauten heraus. «Einen Podestplatz können wir in dieser Saison wohl schon vergessen», sagt Pärli, ehemaliger NLB-Volleyballer. Nach drei Runden liegt die Mannschaft auf Platz nur auf Platz 13. «Unser Saisonziel ist eigentlich ein Platz in den Top 5. Aber ich halte sowieso nicht allzu viel von Ranglisten. Die verunsichern nur. Abgerechnet wird ja erst am Schluss.»

Der Saisonstart ist den Wasserämtern ziemlich missglückt. In drei Spielen hat das Team bereits zweimal ein Nummero kassiert. Besonders bitter: Im Auftaktspiel gegen Titelverteidiger Wäseli geschieht das Unfassbare. Die Gerlafinger lassen den allerersten Nouss der Saison gleich ins Ries fallen. «So etwas habe ich im Sport noch nie erlebt», erzählt Pärli. Das habe das Team schon schwer durchgeschüttelt, sagt der 36-jährige Niederönzer. Er macht kein Geheimnis daraus: «Unsere Schwäche liegt im Ries. Dort müssen wir ehrgeiziger werden. Wir dürfen uns jetzt nicht verunsichern lassen. Jetzt müssen alle beim Abtun Verantwortung übernehmen und die Schaufel vermehrt in die Hand nehmen.»

Dafür läufts beim Schlagen rund. Das hat einen guten Grund: Musik. André Pärli ist in Hornusser-Kreisen ein Revolutionär. Vom Volleyball her kennt er den positiven Einfluss von Musik auf sportliche Leistungen. Irgendwann im Training lässt er beim Abschlagen Sound laufen. «Viele haben sich von äusseren Einflüssen aus der Ruhe bringen lassen. Mit der Musik haben wir eine Vertrautheit geschafft. Das gehört nun einfach zu uns.» AC/DC dröhnt in Recherswil aus dem Radio. Hardrock am Bock. «Wir hatten auch mal eine CD zusammengeschnitten, wo jeder zu seinem Lieblingsstück abschlagen durfte. Da war auch schon mal David Hasselhoff zu hören.» Oft würden sie in der Szene belächelt. «Aber es kamen auch schon Leute extra wegen unserer Musik an Feste», sagt Pärli.

Spielgemeinschaft als Erfolgsfaktor

Auch ohne Musik läuft es der HG Recherswil-Kriegstetten rund. Nach drei Runden führt sie die Meisterschaft an. Die Spielgemeinschaft steht in ihrer dritten Saison. Nach einem vierten und einem dritten Platz soll es nun noch einen kleinen Schritt weiter nach vorne gehen. «Der Titel ist schon ein Ziel von uns», sagt Spielführer Michael Spichiger. «Aber der Weg dorthin ist noch extrem lang», entgegnet Samuel Krebs, der zweite Spielführer im Bunde. Die beiden sehen die Gründung der Spielgemeinschaft als wegweisenden Schritt zum Erfolg. «Bei uns harmoniert es exzellent. Jeder ist parat, jeder will.» Nach dem Sieg am Samstag gegen Gerlafingen, gibts gestern im vorgezogenen Spiel gegen Titelverteidiger Wäseli eine knappe Niederlage (1331:1382).

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