Stalder gehört fortan zu den gekränzten «Eidgenossen» - den ganz Bösen im Lande also. «Langsam wird mir klar, was ich erreicht habe. Ein Ziel, auf das ich mich drei Jahre vorbereitet habe.» Er sei jetzt Eidgenosse und werde dies an den kommenden Schwingfesten gewiss auch zu spüren bekommen, wenn es etwa um die Einteilung gehe.

«Aber damit befasse ich mich im Moment noch gar nicht.» Jetzt sei erst einmal geniessen angesagt. Die Reaktionen auf seinen Coup in der Zähringerstadt vor weit über 50 000 Fans blieben nicht aus. «Ich habe sehr viele SMS und Gratulationen erhalten. Auch von Leuten, von denen ich nie erwartet hätte, dass sie sich überhaupt fürs Schwingen interessieren», erzählt Stalder. Das habe ihn umso mehr gefreut.

Jüngst wurde der Neu-Eidgenosse in seiner Heimatgemeinde Mümliswil von der Treichlergruppe «Juragruess» aus Welschenrohr, der Konkordia Mümliswil, den Tambouren, Schwingerkameraden und Vereinsdelegationen empfangen, und zur Arena der Guldentalermesse eskortiert. Giuseppe Verdi selig hätte seinem Triumphmarsch aus Aida subito ein folkloristisches Schwesterchen komponiert, wäre er auch dabei gewesen. «Es war sehr bewegend und sehr beeindruckend, dass so viele Leute gekommen sind», so der neue Sägemehl-Imperator aus dem Thal.

Treichel on Tour

Symbol für seinen Husarenstreich an der Emme ist für den Angestellten der Zimmerei Roth in Mümliswil nebst dem Eichenlaub fortan eine grosse Treichel, die er sich im Gabentempel ausgesucht hat. Töff, Flachbildschirm oder Reisgutscheine hat er stehen lassen. «Ein Töff hält nicht ewig - diese Treichel aber wird mich immer an den besonderen Moment erinnern», hält Stalder fest.

In Anlehnung an das Eurovision-Song-Contest-Lied Deutschlands aus dem Jahre 1985, «Die Glocken von Rom», schlägt die Treichel von Burgdorf für Stalder für ein neues Leben - Schwingerleben zumindest. Momentan ist die «Bell of Emotions» mit gesticktem Riemen aber quasi noch on Tour bei Verwandten und Bekannten. «Aber ich werde sie bald zu Hause im Gang aufhängen.».

Und mit jedem Schlag wird sie ihren Besitzer an einen famosen Kurz im 8. Gang gegen Koch erinnern und Vertrauen geben.

Kilchberger im Visier

Dass sein Freund und langjähriger Trainingspartner Matthias Sempach den Königstitel gewonnen hat, freut Remo Stalder natürlich. Die beiden bilden seit Jahren eine Trainingsgemeinschaft. «Wir können beide voneinander profitieren», erklärt Stalder. Und: «Es ist super, dass wir beide in Burgdorf unser Ziel erreicht haben.» Für Sempach die Krone, für Stalder den Kranz.

Zu mehr als einem kurzen telefonischen Kontakt zwischen den beiden ist es seit dem ESAF noch nicht gekommen. Obwohl Stalder auch am Empfang von «Mättu» in Alchenstorf dabei war. «Nur kurz», räumt er ein. Da waren ja noch 3000 andere Gratulanten. «Wir werden Zeit für ein Bierchen finden, wenn sich der grösste Rummel um ihn fürs Erste gelegt hat», sagt Stalder.

Für den Neu-Eidgenossen aus der Nordwestschweiz steht nun vorerst Mal eine trainingsfreie Zeit an. Ferien hat der Thaler keine mehr. Diese hat er just vor dem ESAF bezogen, um sich optimal auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten. Seinen ersten Einsatz als Eidgenosse wird der Mümliswiler noch diesen Monat am Chemihütten-Schwinget in Aeschiried haben.

Danach ist vorerst Schluss mit Brienzer, Gammen und Wyberhaken. Nächste Saison geht es darum, sich für den nächsten, eidgenössischen Kracher, den Kilchberg-Schwinget, zu qualifizieren. 2008 war der Mümliswiler noch Ersatzmann; 2014 wird kein Weg mehr an ihm vorbeiführen.