Kunstturnen
Rekrut Simon Nützi kennt in Magglingen jeden strategisch wichtigen Punkt

Der Solothurner Simon Nützi absolviert derzeit die Sportler-RS in Magglingen. Der Kunstturner steht zwar nicht auf «Tenü grün», fühlt sich aber privilegiert darin

Michael Schenk
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Simon Nützi kennt in Magglingen jeden strategisch wichtigen Punkt.msk

Simon Nützi kennt in Magglingen jeden strategisch wichtigen Punkt.msk

Michael Schenk

«Als Mann ...», antwortet Simon Nützi kernig auf die Frage, wie er sich denn so im Kampfanzug fühle. Natürlich meint der Spitzenkunstturner dies nicht wirklich ernst. Er trage die Uniform halt, weil er das müsse. Freiwillig ziehe er sie jedoch nicht an, um den Rambo in sich zu wecken. Kommt hinzu, dass seine Freundin, mit der der Vizemeister an den Ringen seit einem Monat in Biel lebt, auch nicht sonderlich auf den Vierfrucht-Strampler steht. Nichtsdestotrotz hat Simon Nützi gar nichts zu meckern an der Spitzensportler-RS, die er zurzeit in Magglingen absolviert. Da also, wo sich der Kaderturner auch sonst praktisch jeden Tag aufhält und während fast drei Jahren gelebt hat. «Ich erachte es als ein Privileg, meine Militärzeit auf diese Weise und in diesem Umfeld machen zu dürfen», sagt der Wolfwiler.

Das Schwarze getroffen

Während der fünfwöchigen Grundausbildung in der Kaserne in Lyss sei er bisweilen schon etwas auf den «Felgen» gewesen. «Wettkämpfe, wie etliche Kollegen, mit denen ich die RS absolviere, hätte ich während dieser Zeit nicht machen können», sagt er. Wobei Nützi effektiv nur dreieinhalb Wochen «Grundlagentraining» am Gewehr und punkto militärischen Drills «genossen» hat. Während eineinhalb Wochen weilte der Solothurner Kantonalturnfestsieger 2012 mit dem Nationalkader in einem Trainingslager in Korea. Schiessen im supponierten Nahkampf hat dem Mehrkampf-Spezialisten indes gefallen. «Ich habe gar nicht mal so schlecht getroffen», stellt er fest. Wer weiss – vielleicht zeichnet sich da eine Karriere nach der Karriere als 300-Meter-Schütze ab? Inzwischen ist der 23-Jährige mit seinen 24 Kameraden Topsport-Kameraden wie erwähnt in Magglingen stationiert. Zeit zum persönlichen Training inklusive Erholung bleibt nebst der Ausbildung zum Militärsport-Leiter jetzt reichlich.

Vertraut mit jedem Baum

Einen Unterschied indessen gibt es. Nützi kann während der kommenden Wochen nicht heim nach Biel, sondern muss wieder auf dem Berg schlafen Und zwar im 8. Stock des Grand Hotel, wo die sportliche Sondereinheit untergebracht ist. Ein Umstand, der verkraftbar scheint, zumal Magglingen für den Mehrkampf 14. der diesjährigen Universiade in Kasan ja eben so was wie sein zweites Zuhause ist. Würde der Feind angreifen, Rekrut Nützi würde jeden strategisch wichtigen Baum und Winkel kennen und könnte die Gegenoffensive orchestrieren.

Wie alle anderen schätzt der Solothurner Spitzenturner die sehr professionellen Bedingungen, die das Militär inzwischen helvetischen Topsportlern bietet. Aber auch der Austausch mit Cracks aus anderen Gebieten sei spannend. Die Ringer zum Beispiel, sagt Nützi, seien sehr nett. «Nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, die Groben.» Aber auch mit allen anderen würde es Spass machen, zusammen zu sein – «wir haben es gut und lustig». Tja, Intensives, Gemeinsames und Gleichorientiertes – wie eben in der Spitzensportler-RS – ist wertvoll und kann sich durchaus leistungsfördernd auswirken.