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Die NLB in Reichweite: So starten die Frauen des FC Erlinsbach in die 1.-Liga-Saison

Die Frauen des FC Erlinsbach haben sich in der 1. Liga längst etabliert, von der zweithöchsten Schweizer Liga ist das Team nicht mehr weit ­entfernt – auch dank einer Philosophie, die jede Spielerin anspricht.

Silvan Hartmann
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Trainer Thomas Müller (rechts) im Training des 1.-Liga-Teams des FC Erlinsbach.

Trainer Thomas Müller (rechts) im Training des 1.-Liga-Teams des FC Erlinsbach.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Das Miteinander – es wird bei den FC Erlinsbach Frauen grossgeschrieben. Wer ein Aufgebot erhält, soll am Spieltag auch mehr als bloss die letzten paar Minuten zum Einsatz kommen. «Die Spielerinnen investieren viel Freizeit: Wer an einem Samstag sechs Stunden im Auto sitzt, um an ein Spiel im Tessin zu fahren, soll sein Hobby auch ausüben dürfen», sagt Trainer Thomas Müller über seine Philosophie und ergänzt: «Wir haben deshalb auch kaum Diskussionen über mangelnde Einsatzzeiten.»

Es dürfte eines der Erfolgsrezepte sein. Auch deshalb hat es im Team für die bevorstehende Saison keine Abgänge gegeben, einzelne Spielerinnen sind seit zehn Jahren dabei. Seit dem Wiederaufstieg in die erste Liga 2018 haben sich die Erlinsbacher Frauen in der dritthöchsten Liga einen Namen gemacht. Vierter, Zweiter, Dritter – das Team ist nicht mehr weit von der zweithöchsten Liga entfernt. Die NLB in Reichweite! Trainer Thomas Müller ist zurückhaltend. «Wenn die NLB kommt, dann nehmen wir sie natürlich. Aber es ist sicher kein Muss.» Daran geschnuppert hat das Team in der vergangenen Saison zumindest schon mal. Doch in den letzten drei Runden war ihnen das Glück nicht hold. «Es war schon eine Enttäuschung da, klar.»

Klar ist auch: Ein Aufstieg hätte in der Regel eine deutliche Mehrbelastung zur Folge, ein drittes Training pro Woche wäre wohl unabdingbar. Schon heute trainieren die FCE-Frauen als eines der letzten 1.-Liga-Teams nur zwei Mal pro Woche, doch auch im Falle eines Aufstiegs käme dieser Mehraufwand für die FC Erlinsbach Frauen nicht infrage. «Mehr liegt für die meisten einfach nicht drin. Aber lieber zwei qualitativ gute Trainings pro Woche als drei durchschnittliche», sagt sich Müller.

Thomas Müller gibt Anweisungen im Training der FC Erlinsbach Frauen.

Thomas Müller gibt Anweisungen im Training der FC Erlinsbach Frauen.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

Auch die Vorbereitungszeit war standesgemäss im Sommer äusserst kurz. Ein Trainingslager an einem verlängerten Wochenende kam letztlich auch aus zeitlichen Gründen nicht zustande. Müller sagt schulterzuckend: «Vielleicht sind wir in der 1. Liga eben doch am richtigen Ort.»

Der Frauenfussball beim BSC Zelgli Aarau und FC Erlinsbach boomt

Dabei käme ein NLB-Frauenteam aus Erlinsbach nicht von ungefähr. Seit 2004 engagiert sich Thomas Müller mit viel Herzblut für den Frauenfussball, mitunter als Präsident des BSC Zelgli Aarau, mit welchem der FC Erlinsbach eine Kooperation führt. Mittlerweile 180 Mädchen und Frauen zählen die beiden Klubs insgesamt. Tendenz steigend. «Wir haben mit der Zeit ein gutes Fundament geschaffen, von dem wir nun auch sportlich profitieren», so Müller, der beruflich an der Bezirksschule Aarau Mathematik und Sport lehrt.

Müller freut sich auf den bevorstehenden Saisonstart genauso wie vor 15 Jahren. Erst recht, wenn die Erfolgskurve stetig nach oben zeigt. So knöpften die Erstligistinnen vor einigen Tagen in einem Test erstmals einem B-Ligisten, dem FC Schlieren, ein 3:3-Unentschieden ab. «Das gelang uns zuvor noch nie», sagt Müller stolz. Und in einem Testspiel gegen einen Zweitligisten liess er zur Halbzeit praktisch das komplette Team auswechseln und sowohl in der ersten wie in der zweiten Hälfte hatte der FC Erlinsbach die Gegnerinnen aus Baden dominiert. «Die Ausgeglichenheit im Kader ist sicher unser grosses Plus.»

Ein Tabellentipp will Thomas Müller dann aber doch nicht abgeben – zu heimtückisch ist die Liga: Während man jedes Team schlagen könne, sei es auch möglich, dass man an schlechten Tagen gegen jedes verlieren könne. «Wir werden unsere Leistungen abrufen müssen.» Am besten geht das Miteinander.

FC Erlinsbach Frauen: Das Kader

Trainerstaff: Thomas Müller (Cheftrainer), Rolf Freyenmuth, Luzius von Mandach (beide Assistenztrainer), Jeremias Pfister (Goalietrainer).

Tor: Sabrina Oprandi.

Abwehr: Corinne Brack, Rahel Freyenmuth, Andrea Gyssler, Vera Hunkeler, Elvisa Kolica, Delia Lahmici, Sandra Moll, Carola Notter, Sarah Spreng, Sara Madleine Zinniker.

Mittelfeld: Alessandra Abbühl, Lina Fischlin, Lorena Hauri, Lea Hofer, Saskia Meier, Jamina Mercatali, Andrea Morger, Delia Rütimann, Andrea Strebel, Stéphanie Zubler.

Angriff: Alisha Haller, Aline Schwaller, Larissa Stampfli, Adriana Zeravica.

Bruno Kissling / Oltner Tagblatt

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