Rahel Frey, wären Sie lieber ein Mann?

Nein. Es ist gut so, wie es ist. Natürlich war ich nie ein Barbie-Mädchen. Ich habe früher Fussball gespielt, war bei der Pfadi und bin immer gut mit Jungs klargekommen. Vielleicht ist gerade dies der Grund, weshalb ich mich gegen sie auf der Rennstrecke durchsetzen kann.

Ist Automobilrennsport nicht Männersache?

Automobilrennsport ist tatsächlich eine von Männern dominierte Welt. Es ist nicht einfach, sich als Frau durchzusetzen. Ich musste mir die Anerkennung hart erkämpfen. Aber das liegt in der Natur der Sache. Ich bin überzeugt, dass sich Einsatz immer bezahlt macht. Man kann sich auch als Frau im Automobilrennsport eine führende Position erarbeiten. Solange ich die Power und den Willen habe, mich stetig zu verbessern, habe ich Spass an der Sache.

Wie lange sind Sie im Rennsport dabei?

Eine gefühlte halbe Ewigkeit. Spass beiseite: Es sind 15 Jahre. Also mehr als mein halbes Leben. Logisch, dass mich der Sport enorm geprägt hat und ein Teil von mir ist und bleibt.

Also haben Sie keine Rücktrittsgedanken?

Nein. Ich bin besser unterwegs als je zuvor. 2013 habe ich mit dem Audi R8 LMS so viele Rennen bestritten wie nie zuvor. Kürzlich habe ich in Schanghai mein erstes GT-Rennen gewonnen. Das gibt Auftrieb.

Wie hoch ist dieser Erfolg einzuschätzen?

Der ehemalige Formel-1-Testfahrer Alex Yoong und der frühere Fahrer der Deutschen Tourenwagen Masters, Cong Fu Cheng, beweisen genauso wie ich die internationale Stärke in diesem Feld. Der Erfolg in China war jedoch nur ein Teil meines erfolgreichen Rennprogramms in diesem Jahr. Neben den vier absolvierten Rennen im Audi R8 LMS Cup China bin ich mit der deutschen ADAC GT Masters und der europäischen Blancpain Endurance Series zwei weitere wichtige Serien gefahren. Highlights waren auch die zwei 24-Stunden-Rennen am Nürburgring «Grüne Hölle» und in Spa-Francorchamps.

Sie sprechen von vielen Rennen und Erfolgen, vermissen Sie dabei nicht das grosse Spektakel der DTM, in dem sie 2011 und 2012 eine Rolle spielten?

Die DTM ist Riesenspektakel und Motorsport auf höchstem Niveau zugleich. Manchmal fehlen mir bei den GT-Rennen tatsächlich der enorme Leistungsdruck und die enorme Professionalität, die in der DTM verlangt werden. Während der zwei Jahre in der DTM habe ich viel gelernt. Ich konnte mich zwar nicht durchsetzen, aber die Erfahrung möchte ich nicht missen.

Kann man die DTM mit den GTRennen vergleichen?

GT-Rennen sind oftmals Mehrstunden-Rennen. Im Gegensatz zur DTM teilt man sich das Cockpit mit einem oder zwei Teamkollegen. Ohne Kompromisse geht nichts. Alleine schon deshalb, weil das Auto auf alle Fahrer abgestimmt sein muss. Damit komme ich gut klar. Was ich in der DTM nicht umsetzen konnte, schaffe ich glücklicherweise im GT-Sport.

Wie sehen die Perspektiven für 2014 aus?

Momentan läuft die heisse Phase der Vertragsverhandlungen mit Audi. Noch ist nichts entschieden. Ich gehe davon aus, dass mein Programm im nächsten Jahr ähnlich aussehen wird wie 2013. Ich hoffe, dass ich zum Wohl meiner deutschsprachigen Fans eine Serie in Europa fahren kann. Mein Engagement in Asien werde ich wohl ausbauen.