Rahel Frey und Motorsport – eine Liaison, in der die Funken der Liebe sprühen. Und das tun sie seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Im laufenden Jahr bestreitet die 31-jährige Aedermannsdörferin bereits ihre 20. Saison im von Männern dominierten Rennsport.

Sie fühlt sich wohl, in dieser Welt der Overalls, des verbrannten Gummis und der sogenannten Grid-Girls. Hier, wo sich die Rennfahrerinnen immer mindestens doppelt so fest beweisen müssen, wie ihre männlichen Kontrahenten, bevor sie als vollwertige Mitglieder dieses auserlesenen Zirkels akzeptiert werden. Frey muss sich um die Akzeptanz ihrer Person längst keine Sorgen mehr machen.

Ihr Name ist nach den vielen Jahren auf den Rennstrecken dieser Welt ein Begriff geworden. Das hat sie sich über all die Jahre erarbeitet. Weil sie zudem seit 2011 offizielle Audi-Werksfahrerin, also festangestellte Rennfahrerin des deutschen Automobilproduzenten, ist, hat sie etwas geschafft, wovon viele ihrer männlichen Konkurrenten auf der Rennstrecke nur träumen können.

«Frauen sind keine Selstverständlichkeit»

«Als Frau lernt man, mit dieser Welt voller Testosteron umzugehen. Ich selber hatte damit noch nie ein Problem. Wenn du einen guten Job machst und kompetent bist, dann spielt das Geschlecht im Team irgendwann keine Rolle mehr», sagt Frey und lächelt charmant. «Auch im Jahr 2017 sind wir im Motorsport noch meilenweit davon entfernt, dass Frauen eine Selbstverständlichkeit wären.»

Immerhin: In der GT3-Serie ADAC GT Masters, deren Rennen Frey in dieser Saison bereits das fünfte Jahr hintereinander als Hauptprogramm absolviert, steht mit der 24-jährigen Schwedin Mikaela Ahlin-Kottulinsky jeweils eine zweite Frau am Start. «Mittlerweile gibt es auch die eine oder andere Mechanikerin oder Fahrzeug-Ingenieurin. Es gibt schon eine Entwicklung, aber die geht langsam vonstatten», sagt Frey.

Wohl zu langsam, als dass sie ernsthaft damit rechnen würde, während ihrer Aktivzeit noch ein reines Frauen-Team zu erleben. «Am ehesten wäre so etwas sicher hier im Tourenwagensport möglich. Da wäre ich sofort dabei, aber das braucht wohl noch seine Zeit.»

Die Welt bereisen

Dass sie inklusive ihren Anfängen im Kartsport mittlerweile bereits in ihrer 20. Motorsport-Saison steht, bezeichnet Frey als «krass». Ihrer Motivation hat diese lange Zeit allerdings keinen Abbruch getan: «Die ist immer noch gleich gross, wie am allerersten Tag. Was sich verändert hat, ist das Bewusstsein dafür, was ich dank des Sports alles erleben darf.»

In der Tat: Frey hat während ihrer Karriere die Welt bereist, hat Rennen in verschiedenen Formel-Serien bestritten, ist in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) gefahren und hat in den vergangenen Jahren auch GT-Rennserien in Asien bestritten.

Fasziniert von der US-Mentalität

Was Frey noch fehlt, ist ein grosses Rennen in den USA. «Das wäre schon noch etwas. Beispielsweise das 24-Stunden-Rennen von Daytona in Florida», sagt sie. Die US-Motorsport-Mentalität fasziniert sie. «Es ist alles einfach aufgebaut, aber der Kampf auf der Strecke ist brutal hart. Das möchte ich in meiner Karriere einmal erleben.»

Den grossen Entbehrungen hingegen, die sie für ihre Karriere im Rennwagen erbracht hat, trauert sie nicht nach. Ganz im Gegenteil: «Ich sehe das nicht als Opfer an. Ich vermisse nichts. Weder freie Wochenenden noch den Ausgang. Der Motorsport hat mir so viel gegeben. Ich bereue nichts. Alles kommt zu seiner Zeit», sagt sie.

Das Ende ist noch offen

Noch nicht absehbar ist, wann es für Frey Zeit ist, ihre Karriere zu beenden. «Mein Ziel ist es, noch so lange wie möglich im Fahrerpool der Audi-Werksfahrer zu bleiben. Zwei, drei oder noch lieber fünf Jahre – da würde ich schon nicht ‹Nein› sagen, wenn das klappt», sagt sie, die ihre grosse Liebe zum Motorsport unbedingt noch so lange wie möglich ausleben will.

Das 25-Jahr-Jubiläum im Motorsport ist für Frey also keinesfalls ausgeschlossen. Vorerst steht nun aber ab dem Freitag das Rennwochenende der ADAC GT Masters am Lausitzring in ihrem Fokus.