Radsport
Radfahrer Mario Müller will das Rennen diesmal in voller Länge erleben

Nachdem Mario Müller im letzten Jahr aufgeben musste, versucht sich der 45-jährige Neuendörfer ein zweites Mal an den 1000-Tortour-Kilometern. Dieses Mal will er durchhalten.

Michael Forster
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Mario Müller. zvg

Mario Müller. zvg

Wie fühlen Sie sich denn, so kurz vor der zweiten Teilnahme an der Tortour?

Mario Müller: Ganz gut. Ich habe mehr trainiert als im letzten Jahr, vor allem im Winter habe ich mit dem Indoor-Cycling eine sehr gute Basis gelegt. Diesen Sommer hingegen habe ich meine Cycling-Stunden erstmals seit vielen Jahren abgegeben und nutze die freie Zeit zur Erholung. So kann ich das Training zusätzlich optimieren und hoffe natürlich, dadurch noch etwas herausholen zu können.

Wie sieht die Taktik aus: Fahren Sie offensiv los oder orientieren Sie sich von Anfang an am Kontrollschluss?

Zuerst geht es ja flach weg, da möchte ich einen guten Schnitt von zwischen 35 und 40 Stundenkilometern fahren. Die Betreuer müssen mich aber immer auf dem Laufenden halten wegen des Zeitlimits. Ich will die Checkpoints sicher nicht auf den letzten Zacken anfahren, das wäre zu riskant.

Vor welchen Passagen haben Sie denn am meisten Respekt? Sind es die grossen Alpenpässe?

Die Tortour

Übermorgen Freitag um 2 Uhr fällt der Startschuss zur Tortour, dem Nonstop-Velorennen über 1000 Kilometer und 15 000 Höhenmeter rund um die Schweiz. Die Fahrer müssen die Strecke innerhalb von 48 Stunden bewältigen und unterwegs rechtzeitig diverse Checkpoints passieren. Start und Ziel sind in Schaffhausen, unterwegs werden einige der Alpenpässe passiert. (SZ)

Ich habe eigentlich nur vor dem Abschnitt Balsthal–Laufenburg wirklich Respekt, beispielsweise vor dem Gotthard eher weniger. Klar hat man auch vor diesen grossen Pässen Respekt, doch nach dem Nufenen ist die Hälfte des Rennens geschafft.

Weshalb aber die Passage durch den Jura?

In Balsthal sind bereits 860 km absolviert, und dann wird es teilweise extrem steil - mit dem Oltinger Stich, aber auch dem Belchen. Ich habe gehört, dass selbst der Sieger 2010 offenbar sein Velo gestossen hat, und im Roadbook schreibt der Veranstalter ausdrücklich, dass man sich nicht verstecken müsse, wenn man sein Rad schiebe.

Wann werden Sie sich das erste Mal die Sinnfrage stellen?

Die werde ich wohl diverse Male tun. Meine Schwäche ist das Mentale ...

... das tönt nicht gut!

Beim Einnachten wird es wohl das erste Mal so weit sein, dafür freue ich mich umso mehr auf den Tagesanbruch.

Wird denn geschlafen an den beiden Tagen?

Vielleicht einmal eine halbe Stunde, sofern es der Zeitplan erlaubt. Ich versuche aber, gar nicht erst abzusteigen und das Ganze in einem Stück durchzuziehen. Es kann aber auch ganz anders kommen.

Es sind immerhin 1000 Kilometer und 15000 Höhenmeter am Stück. Sich das anzutun, dazu muss man schon ein ganz klein wenig verrückt sein. Vor allem nach der erzwungenen Aufgabe im letzten Jahr.

Ich habe im letzten Jahr gesagt, dass ich genau einen Versuch unternehmen werde. Ich habe kein Problem damit, hinzustehen und zu sagen: «Es hat nicht geklappt.» Da die Aufgabe jedoch mit dem defekten Scheinwerfer des Begleitfahrzeuges und der deswegen verlorenen Zeit zusammenhing und es nicht der Körper war, der versagte, habe ich mich ein zweites Mal angemeldet. Ich möchte die Tortour einmal in der vollen Länge erleben.

Wie bereitet man sich auf eine solche (Tor-)Tour denn vor? Mit einigen ganz langen Touren oder aber möglichst vielen kürzeren Einheiten?

Möglichst viele Gesamtkilometer sind ganz bestimmt die Voraussetzung für eine Teilnahme. Ich habe das Training aber ganz bewusst an der Tortour ausgerichtet und versucht, möglichst viele lange Einheiten zu machen, lange im Sattel zu sein. Eine Runde, welche ich x-mal gefahren bin, war zum Beispiel jene nach Interlaken und wieder zurück - das ergab jedes Mal über 200 Kilometer.

Zum Hobbysportlerleben nach der Tortour: Gibt es noch Steigerungspotenzial, etwas Aussergewöhnliches, das Sie noch erreichen möchten?

Es gibt ein Rennen namens Rata: Da fährt man ausschliesslich Pässe. Allein, es findet bereits im Juni statt, und das ist mir definitiv zu früh. Der Stand der Vorbereitung erlaubt zu diesem Zeitpunkt noch kein solches Rennen.

Welches sind denn konkret die nächsten Pläne?

Wir nehmen uns zu dritt (er und seine beiden ständigen Trainingspartner, Anm. d. Red.) regelmässig hoch und sagen uns, was wir machen sollen, konkret ist da aber noch nichts. Vielleicht fahre ich auch einmal ein bisschen herunter, schliesslich bin ich bereits 45. Fix ist einzig die Trainingswoche in Alassio im Mai.

Lieben Sie denn auch abseits des Sports das Extreme - oder eben gerade nicht?

Ich bin eher ausgeglichen. Wie sagt man: «Mit mir könnte man Pferde stehlen», ich bin für alles zu haben. Ich könnte morgen wandern gehen, übermorgen Minigolf spielen. Hauptsache, ich kann mich draussen in der Natur bewegen.

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