Kampfsport
Prominenz, viel Blut und ein klarer Sieger an der Fight Night in Olten

Der Höhepunkt der Fight Night III, The Story, war der Kampf der Legenden. Vor 4500 Zuschauer in der Oltner Stadthalle bezwang der für die Türkei antretende Aarburger Kazim Carman den Schwyzer Guido Kessler.

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Der Aarburger Kazim Carman (rechts) bearbeitet im Kampf der Legenden an der Fight Night III in Olten den Schwyzer Guido Kessler.

Der Aarburger Kazim Carman (rechts) bearbeitet im Kampf der Legenden an der Fight Night III in Olten den Schwyzer Guido Kessler.

APOLLON PHOTOGRAPHY

Die Stimmung in der Oltner Stadthalle konnte vom Lärmpegel her locker mit jener an einem Fussball-Länderspiel verglichen werden. Beim Kampf der Legenden stimmten die dominierenden «Kazim Kazim Kazim»-Anfeuerungsrufe etwa dem Gezeigten im Ring überein. Wie von einer Tarantel gestochen drosch der für die Türkei antretende 42-jährige Aarburger Kazim Carman auf seinen siebe Jahre älteren für die Schweiz kämpfenden Schwyzer Guido Kessler ein.

Mit Mühe und Not überstand der blutüberströmte Kessler die erste von drei Runden, Carmans Sieg stand nie in Gefahr. «Die letzten drei Monate habe ich alles diesem Kampf untergeordnet», meinte Carman nach der gewonnenen Schlacht. In Bedrängnis sei er eigentlich nie geraten. «Ich hatte nie Angst als Verlierer aus dem Ring gehen zu müssen», so der Aarburger, der nach eigenen Angaben alle drei Runden voll durchpowerte. «Entsprechend demoliert sah am Ende auch das Gesicht von Guido Kessler aus», fügte Carman an.
Lob von Kubilay Türkyilmaz

Fasziniert von der Leistung Kazim Carmans war Kubilay Türkyilmaz. «Unglaublich, welche Härte, Präsenz und Willenskraft er im Ring zeigte – er ist eine regelrechte Maschine!» Der ehemalige Schweizer Fussballnati-Star hatte Carman in mehreren Trainingseinheiten in Bellinzona noch eine andere Stärke hinzugefügt, «die Schnelligkeit und die Ausdauer». Es sei die erste Fight Night gewesen, die er in seinem Leben besucht habe. Für Kubi, der Kazim Carman im Ring den Siegergürtel übergeben konnte, ist jedoch jetzt schon klar: «An der nächsten Fight Night in Olten bin ich wieder dabei, das ist für mich Ehrensache.»
Angehrns Comeback im Ring

Ebenso begeistert von der Fight Night war Stefan Angehrn, der nach seinem Rücktritt als aktiver Boxer Ende März 2000 nie mehr in einem Kampfsport-Ring gestanden hatte. «Es fühlte sich gut an, doch ein Kampf-Comeback von mir gibt es nie mehr.» In diesem Jahrtausend wohnte Angehrn vor Olten erst einem Kampfsportanlass bei, nämlich dem WM-Fight in Bern im Juli 2012 zwischen Wladimir Klitschko und Tony Thompson. «Hier in Olten war der Event äusserst professionell organisiert, es gab qualitativ sehr hochstehende Kämpfe und ich komme jederzeit gerne wieder.»

Richtiggehend elektrisiert gewesen sei er vom Auftritt Kazim Carmans. «Der machte es super und ich war total überrascht von seiner Dominanz im Ring», so Angehrn, der zuvor eigentlich nur Guido Kessler persönlich gekannt hatte. «Ich bin stolz auf Guido, dass er über die volle Kampfdistanz gegangen ist und durchgehalten hat, obwohl ihn Kazim am Anfang richtiggehend überrumpelt hat.» Falls Kessler wieder einmal in den Ring steigen wolle, würde er mit ihm zuvor ein paar Trainingseinheiten absolvieren.

Kritik von Guido Kessler

Alles andere als erfreut zeigte sich Guido Kessler nach dem verlorenen Legendenkampf. «Ursprünglich war abgemacht gewesen, dass wir uns nur in Semi und nicht in Full Contact messen, ich fühle mich ein wenig übers Ohr gehauen.» Und auch die vertraglich festgesetzte Kampfzeit von dreimal zwei Minuten sei klar überschritten worden. «Ich will nicht jammern, doch mit 49 Jahren hätte ich für einen Full Contact-Fight über dreimal drei Minuten nie zugesagt, habe ich doch sowas zuletzt vor 22 Jahren gemacht.»

Kessler zog jedoch den Hut vor Carmans Leistung. «Was der mit 42 Jahren noch drauf hat, ist unglaublich. Der Kampf war viel härter als ich dies erwartet hatte und ich bin froh, dass ich nichts gebrochen habe.» In Gedanken habe er in der ersten Runde schon `mal ans aufgeben gedacht, «doch die taktischen Anweisungen meines Betreuers Rohy Batliwala, der 1985 in Winterthur die erste Kampfsportschule in der Schweiz gegründet hatte, gaben mir neuen Mut und frischen Elan».
2016 wohl wieder in Olten

Äusserst zufrieden zeigte sich auch Hauptsponsor Edi Lushi, der mit Sicherheit an Bord bleibt. «Der Event war grossartig. Vor allem Kazim Carman hat uns alle begeistert und er wurde im Kampf der Legenden für seine harten Trainings gebührend belohnt.» Da sich der Event mit 22 Kämpfen allzu sehr in die Länge zog, regten viele Beteiligte an, im nächsten Jahr ein strafferes und kürzeres Programm umzusetzen. Frizur Abduli vermeldete umgehend: «Diesem Wunsch kommen wir im nächsten Jahr insofern entgegen, dass wir den Event auf 13 Kämpfe beschränken, wobei unter anderen sicherlich die beiden Schweizermeister-Titelkämpfe, der Europa- und Weltmeistertitel-Fight erhalten bleiben.» Und eines steht, laut Frizur Abduli, auch schon fast fest: «Die Fight Night 2016 dürfte wieder in der Stadthalle Olten über die Bühne gehen.»