Livia Galli hat es geschafft. Sie darf zum ersten Mal mit der Schweizer Faustball- Nationalmannschaft an einem grossen Titelkampf teilnehmen. Ende August wird sie mit ihren Teamkolleginnen an der Europameisterschaft um Edelmetall kämpfen. Noch vor einem Jahr hatte Livia Galli die Selektion für die WM in Brasilien knapp verpasst. Dass es diesmal für die Selektion reichen wird, hat sich abgezeichnet. «Ich war aber trotzdem erleichtert, als ich den definitiven Bescheid bekommen habe», sagt Livia Galli.

Wie es sich anfühlt, an internationalen Meisterschaften im Dress der Schweizer Nationalmannschaft aufzulaufen, weiss Galli. Bei den U18-Juniorinnen hat die Deitingerin nämlich bereits zwei Europa- und zwei Weltmeisterschaften bestritten. Drei Mal holte sie dabei die Bronzemedaille und bestritt insgesamt 26 Spiele für die Nachwuchs-Nationalmannschaft. Nur zwei Spielerinnen haben mehr Länderspiele bei den Juniorinnen bestritten als sie.

Der EM-Final ist das Ziel

Die 22-Jährige stammt aus einer Faustball-Familie. Ihr Vater und ihre beiden älteren Brüder haben den Sport ausgeübt und so hat auch Livia im Alter von sechs Jahren zu spielen begonnen. Schnell stellte sie ihr Talent unter Beweis und durfte bereits mit 11 Jahren erstmals mit dem Kader der U18-Nationalmannschaft mittrainieren. «Ich war damals natürlich noch viel zu schwach, aber ich konnte extrem viel profitieren», erinnert sich Galli, die schliesslich bereits im Alter von 15 Jahren den Sprung ins U18-Kader geschafft hat.

Und jetzt folgt also im August der erste Auftritt auf der ganz grossen Bühne des Faustballsports. An der Europameisterschaft Ende August in Calw (De) gehören die Schweizerinnen mit Deutschland und Österreich zu den Topfavoriten auf die Medaillenplätze. «Deutschland wird vermutlich etwas zu stark sein, aber wir wollen in den Final», blickt Galli, die ihr bislang einziges A-Länderspiel im letzten Juli beim 3:2-Sieg gegen Österreich bestritten hatte, auf das Turnier voraus. Die Angreiferin hat im Team der Schweizerinnen keinen Stammplatz auf sicher, sondern wird sich mit der Rolle des Jokers begnügen müssen. «Wenn ich zum Einsatz komme, will ich meine Leistung abrufen und dem Team helfen», so Galli.

In der heimischen Meisterschaft spielt Livia Galli, die beim TV Deitingen gross geworden ist, mit Faustball Neuendorf in der Nationalliga A. In dieser Saison hat sich das junge Team, in dem Livia Galli eine der Leistungsträgerinnen ist, bisher wacker geschlagen und belegt den vierten Rang.

Nur wenig Anerkennung

Um die Topteams zu fordern, fehlt aber noch einiges. «Wir arbeiten daran, dass wir in den nächsten Jahren den Sprung schaffen und auch die Besten schlagen können. Aber das braucht noch etwas Zeit», sagt Livia Galli.

Vier- bis fünfmal pro Woche trainiert die Solothurnerin neben ihrem ETH-Studium in Gesundheitswissenschaften und Technologie. Dazu kommen die Zusammenzüge mit der Nationalmannschaft. Der Aufwand, den Livia Galli betreibt, ist gross. Die Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit ist dagegen kaum vorhanden. Eine Tatsache, die Galli nicht stört. «Faustball ist nun mal eine Randsportart und vielen muss ich zuerst erklären, wie die Sportart überhaupt funktioniert. Auch Geld werde ich mit dem Faustballsport sicher nie verdienen», sagt Galli. «Trotzdem gefällt es mir extrem und ich konnte wegen des Faustballs schon viele tolle Reisen absolvieren und grosse Erfolge feiern. Was das anbelangt, profitiere ich dann wiederum davon, dass Faustball eine Randsportart ist. Wenn man konsequent arbeitet, hat man auch Erfolg», sagt Galli. Sollte es Ende August an der EM in Calw eine Medaille geben, wäre das der bislang grösste Erfolg von Livia Galli.