Pre-Playoffs
Das SCB-Hockey der kurzen Wege – Bern trifft im Viertelfinal auf den EV Zug

Der SC Bern gewinnt die entscheidende dritte Begegnung gegen den HC Davos 3:0 und trifft ab Dienstag im Viertelfinal gegen den EV Zug an.

Klaus Zaugg
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Video: TV24

Eishockey ist, wenn am Ende doch der SC Bern siegt. Das galt 2016, 2017 und 2019 mit drei SCB-Titeln in vier Jahren. Nun mag diese Formel in dieser Saison etwas abenteuerlich klingen. Und doch: Sie enthält Wahrheit.

Nicht mehr im Kampf um meisterlichen Ruhm. Aber immerhin für die Pre-Playoffs. Im Bemühen der Berner, mit unzulänglichen spielerischen Mitteln die Ehre und die Saison zu retten und so die sportliche Misswirtschaft des Managements zu kaschieren. Sie besiegten die ZSC Lions im Cupfinal im Hallenstadion 5:2. Und nun haben sie den HC Davos auswärts im dritten Spiel der Pre-Playoffs 3:0 gebodigt und ziehen als achtes und letztes Team in die Playoffs ein. Die SCB-Kabine ist diese Saison eben immer intakt geblieben. Wäre der SCB gescheitert, wären es die ersten Playoffs ohne ein Team aus dem Kanton Bern geworden, seit die Playoffs mit acht Teams gespielt werden.

Die Berner jubeln nach Vincent Praplans Treffer zur 2:0-Führung – die Entscheidung in der 51. Minute.

Die Berner jubeln nach Vincent Praplans Treffer zur 2:0-Führung – die Entscheidung in der 51. Minute.

Jürgen Staiger/Keystone

Im Rückblick ist immer alles logisch und eine Analyse billig. In diesem Falle ist es tatsächlich nicht schwierig (und somit ein wenig billig), das Scheitern der Davoser zu erklären. Wenn zwei Teams in fünf Tagen dreimal gegeneinander antreten, dann wird, wenn es zum dritten Spiel kommt, die Mannschaft im Nachteil sein, die auf offensives Sausen und Brausen, auf Tempo und Dynamik setzt. Auf das Eishockey der langen Wege. Und jene im Vorteil, die auf schlaue Taktik und einen starken Torhüter baut. Auf das Eishockey der kurzen Wege. Weil im dritten Spiel dem Tempo-Team ein paar Stundenkilometer und ein paar Energiekalorien fehlen. Für eine gute Defensiv-Organisation sind die Wege eben kürzer als für stürmisches Offensivspiel.

Christian Wohlwend hat auf den falschen Goalie gesetzt

Nach dem 0:3-Rückstand im ersten Spiel (am Ende verlor der HCD trotzdem 3:4 nach Verlängerung) und in der zweiten Partie in Bern (3:0) waren die Davoser schnell genug, um die Defensive der Berner zeitweise zum Einsturz zu bringen. Gestern waren sie es nicht mehr. Der SCB wankte, bog sich unter dem gegnerischen Ansturm. Aber der SCB brach nicht. Und wenn der Zusammenbruch doch nahe schien, dann war Tomi Karhunen zur Stelle. Er stoppte in der 33. Minute auch den Penalty von Aaron Palushay.

Freude auf der Berner Bank mit Headcoach ad interim Mario Kogler (r.) und Assistenztrainer Alex Chatelain nach dem 3:0-Sieg.

Freude auf der Berner Bank mit Headcoach ad interim Mario Kogler (r.) und Assistenztrainer Alex Chatelain nach dem 3:0-Sieg.

Jürgen Staiger/Keystone

Im Nachhinein erkennen wir: Es war der Augenblick, in dem die HCD-Herzen brachen. Um es polemisch auf den Punkt zu bringen: Während des ganzen Sommers wird HCD-Coach Christian Wohlwend in stillen Stunden mit sich hadern: Hätte er im ersten Spiel von allem Anfang an schon Sandro Aeschlimann statt den mental zerbrechlichen Robert Mayer eingesetzt, wäre der SCB nicht 3:0 in Führung gegangen, der HCD hätte die erste Partie gewonnen und wäre nach dem Sieg in Bern ins Viertelfinal eingezogen. Der «Hätte» und der «Wäre» sind zwei Brüder, die am Ende immer mit leeren Händen dastehen. Im Eishockey, in den Pre-Playoffs und im richtigen Leben.

Nun tritt der SC Bern bereits ab Dienstag im Viertelfinal gegen den Qualifikationssieger EV Zug an. Die Voraussetzungen sind ähnlich wie in den Pre-Playoffs. Die spielerische DNA der Zuger ist ähnlich wie die der Davoser: Tempo, spielerische Brillanz und Dominanz. Aber alles einfach ein paar Nummern grösser als beim HCD. Der SCB aber bleibt die gleich grosse Nummer wie in den Pre-Playoffs. Und Zugs Leonardo Genoni, der SCB-Meisterheld von 2017 und 2019 wird kein Lottergoalie sein wie Robert Mayer im ersten Spiel.

Für die Davoser ist die Saison 2020/21 bereits vor dem Start der Playoffs zu Ende. Sie scheitern am SC Bern.

Für die Davoser ist die Saison 2020/21 bereits vor dem Start der Playoffs zu Ende. Sie scheitern am SC Bern.

Jürgen Staiger/Keystone