Samuel Scheidegger, Sie kommen gerade aus der Kabine der ersten Mannschaft – Krisensitzung wegen zuletzt zwei Niederlagen in drei Spielen?

Samuel Scheidegger: Nein. Ich konnte der Mannschaft noch nicht persönlich für das Erreichen der Finalrunde gratulieren. Das holte ich jetzt nach. Aber natürlich habe ich den Spielern auch gesagt, dass sie jetzt wieder einen Gang höher schalten müssen.

Beunruhigen Sie die Leistungen in den vergangenen Spielen?

Das 0:2 am Samstag gegen Delsberg ist schwierig zu interpretieren. Es ging für uns um nicht mehr viel, weil wir die Aufstiegsspiele schon erreicht haben. Das wird morgen gegen den FC Biel nicht anders sein. Wenn wir rauf wollen in die Promotion League, muss sich jeder Spieler wieder steigern. Dass sie es eigentlich können, steht überhaupt nicht infrage.

Wie erleben Sie die Stimmung in der Mannschaft?

Die könnte besser sein, das ist klar. Die Stimmung ist aber nicht schlecht. Es ist schön, dass so viele junge Spieler im Team sind, die für den Verein etwas erreichen wollen. Nach der vorzeitigen Qualifikation für die Aufstiegsspiele befinden wir uns gerade in einer Art Zwischenphase. Jetzt müssen sich die Spieler wieder aufrappeln.

Wie beurteilen Sie Saison generell?

Wir können zufrieden sein, immerhin haben wir zum dritten Mal in Folge die Aufstiegsspiele erreicht. Aber sportlich können wir natürlich mehr als wir in den letzten Spielen gezeigt haben. Und teilweise auch schon im vorherigen Verlauf der Meisterschaft. Vielleicht ist dies gerade die Differenz zur letzten Saison, als wir praktisch jeden Match gewannen, am Ende aber trotzdem mit leeren Händen da standen. Vielleicht läuft es diese Saison umgekehrt. Es wird nicht einfach, doch ich glaube an die Mannschaft. Und wir haben eine gute Mannschaft.

Die Konkurrenz um den Aufstieg scheint heuer stärker als im Vorjahr.

Es wartet auf jeden Fall eine schwierige Aufgabe, egal welchen Gegner wir bekommen. Ich denke, aufzusteigen ist diese Saison tatsächlich schwieriger als in der letzten. Etoile Carouge ist auf jeden Fall ein Aufstiegskandidat, der FC Baden ist dieses Jahr, ähnlich wie wir im Vorjahr, durchmarschiert und auch der FC Black Stars aus unserer Gruppe hat ein sehr gutes Team. Aber es sind auch alles Gegner, die schlagbar sind. Wenn wir normal spielen, das zeigen, was wir können und die Spieler fit sind, dann kommt es gut. Im Vergleich zur letzten Saison ist das Kader breiter. Wir können die Jungen mittlerweile ohne Sorgen spielen lassen.

Nagt der verpasste Aufstieg noch?

Wenn du so eine Saison gespielt hast und es am Ende trotzdem nicht reicht, dann nagt das schon. Und wie gesagt, es wird diese Saison nicht einfacher. Die Saison ist ja auch nicht reibungslos verlaufen wie die letzte. Wir sind eigentlich froh, und hatten auch Glück, dass wir die Aufstiegsspiele überhaupt erreicht haben. Das ist dem Team hoch anzurechnen. Nach dem Ausgang der letzten Saison hätte es auch zum Totalabsturz kommen können.

Greifen Sie als Präsident ein, wenn es der Mannschaft nicht läuft?

Wichtig ist, dass man gezielt und im richtigen Moment eingreift. Das ist aber immer ein gemeinsamer Entscheid mit den Trainern, dem Staff und dem Vorstand. Bei der heutigen Sitzung war zum Beispiel auch die Aufstiegsprämie ein Thema. So können wir vom Vorstand Einfluss nehmen. Oder auch bei personellen Entscheiden. Da bin ich der Meinung, dass man jeweils nicht nur den sportlichen Aspekt betrachten sollte, es muss immer auch menschlich passen.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Trainer Dariusz Skrzypczak und Sportchef Hans-Peter Zaugg?

Diese Kombination funktioniert bestens. «Darek» ist im taktischen Bereich sehr gut, hat viel Wissen und Erfahrung. Er bereitet sich auf jedes Spiel genau vor und kennt die Gegner. Teilweise dürfte er etwas mehr von aussen eingreifen während der Spiele. Er lässt der Mannschaft viele Freiheiten, in der Zwischenzeit greift er aber auch konsequent durch, wenn es sein muss. Zum Beispiel nach dem letzten Match, als er den Spielern sagte, dass die Leistungen nicht genügten und er dies nicht akzeptiere. «Bidu» ist der Ausgleich zu «Darek». Das Zusammenspiel klappt sehr gut. Er sagt seine Meinung immer direkt und offen. Seine Inputs sind wichtig für den Trainer, seine Erfahrung und Kontakte wichtig für den Verein.

Wie viel Fan steckt im Präsidenten?

Ich bin ein grosser Fan und würde gerne zu jedem Spiel gehen. Das liegt wegen Beruf und Familie zeitlich aber nicht mehr drin. Es ist eine Herzensangelegenheit und mir tut es weh, wenn die Spieler nicht so auftreten, wie sie eigentlich könnten. Denn ich weiss, was in ihnen steckt.

Weg vom Fanionteam. Wie läuft es in der Nachwuchsabteilung?

Was den Nachwuchs angeht, hatten wir schon bessere Saisons. Aber grundsätzlich sind wir gut aufgestellt. Mindestens achtzig Prozent der Spieler der ersten Mannschaft waren mindestens ein Jahr in unserer Nachwuchsabteilung. Wir haben beim FC Basel und bei YB ein paar der besten Nachwuchsspieler und auch in den Junioren-Nationalauswahlen. Ausserdem haben wir meiner Meinung nach mit Riola Xhemaili eine der besten Nachwuchs-Frauen in jüngster Zeit herausgebracht respektive zum FC Basel transferiert. Ein wichtiger Schritt für den Nachwuchs ist, dass wir nächste Saison zusammen mit Concordia Basel ein U18-Spitzenfussball-Team stellen. Als einziger Nicht-Super-League-Klub hoffen wir, dass wir dem einen oder anderen Grossen ein Bein stellen können. Für den Übergang von der U16 zur ersten Mannschaft ist diese U18 extrem wichtig.

Wieso hat der FC Solothurn keine zweite Mannschaft?

Das habe ich mich auch schon gefragt. Wir besitzen mittlerweile vom Nachwuchs bis zuoberst bei den Aktiven die Breite, die es braucht. Nebst der neuen U18-Equipe werden wir weiterhin A-Junioren in der Junior League stellen. Wir haben einige Partnerschaften und leihen auch mal Spieler in die 2. Liga aus. Eine zweite Mannschaft ist erst ein Thema, wenn wir wirklich genug Spieler haben. Aber du brauchst dafür auch eine Mannschaft, die gewillt ist, in der 5. Liga zu starten.

Hinter dem FCS sieht es aktuell eher düster aus im Kanton Solothurn, was den Fussball betrifft. Wieso?

Ein Grund, weshalb wir im Vergleich zu anderen Kantonen fast nicht mithalten können, ist die Infrastruktur. Es ist wahnsinnig, wie wenig Kunstrasenplätze es im Kanton Solothurn hat. In Zürich gibt es praktisch in jeder kleinen Gemeinde einen. Das muss sich bei uns verbessern. Ein Kunstrasenplatz ermöglicht deutlich mehr Trainingseinheiten, Ballkontakte und Trainingsspiele, gerade im Winter. In der 2. Liga inter zu spielen, ohne über einen Kunstrasen zu verfügen, kannst du heute eigentlich nicht mehr durchziehen.

Was läuft noch schief?

Es wäre Potenzial vorhanden. Das zeigen die vielen Spitzenfussballer, die aus unserem Kanton stammen. Dafür braucht es Trainer, die richtig ausgebildet sind. Die Trainer in den Klubs sind sicher motiviert, ihre Ausbildung und Schulung reichen aber oft nicht, um die Jungen weiterzubringen. Und der nächste Schritt in der Ausbildung der Trainer ist meist zeit- und kostenintensiv – für Trainer wie auch Verein. Wenn wir einen Spieler ausleihen, ist mir nicht wichtig, wie der Klub heisst. Entscheidend ist, welcher Trainer dort am Ruder ist. Unsere Spieler sollen sich auch in der Fremde weiterentwickeln. Deshalb sind aktuell ein paar Spieler beim FC Grenchen in der 2. Liga. Mirko Recchiuti, der beim FCS-Nachwuchs arbeitete, leistet dort nun auch bei einer Aktivmannschaft einen sehr guten Job.

Wie steht es finanziell um den FC Solothurn?

Wir haben keine Schulden, die Bilanz ist ausgeglichen. Der ganze Verein verfügt über ein Budget von 850 000 Franken. Wobei wir dieses Jahr eher an der Grenze der Belastbarkeit sind, weil wir die Mannschaft nach der starken vergangenen Saison unbedingt zusammenhalten wollten. Das Geld ist bei uns immer ein Thema. Auch in dieser Beziehung hinkt der Kanton Solothurn hinterher, weil es in anderen Kantonen viel mehr Firmen gibt. In Zürich durfte ich erleben, dass eine Zwei-Mann-Plattenfirma einen Viertligisten wiederkehrend mit 20 000 Franken gesponsert hat. So etwas bringt man bei uns einfach nicht hin. Die Vorteile des FC Solothurn sind, dass wir uns durch die Juniorenabteilung abheben von anderen Klubs, wir immer mal wieder einen guten Spieler rausbringen und in der 1. Liga vorne mithalten können. Das kann nächste Saison aber schon ganz anders aussehen.

Welcher Sponsor ermöglicht es dem FCS, in der 1. Liga zu spielen?

Es gibt beim FC Solothurn nicht den einen wichtigen Geldgeber. Entscheidend ist die Breite an Sponsoren. Und diese unterstützen mehrheitlich auch nicht nur die erste Mannschaft, sondern den ganzen Verein, weil sie an uns glauben. Am Schluss ist jeder kleine Sponsor für das grosse Ganze wichtig.

Hat sich das Image des FC Solothurn in den letzten Jahren verändert?

Ja, es ist positiver geworden. Der FC Solothurn ist wieder eine gute Marke. Die Zusammenarbeit mit der Stadt, den Sponsoren und den Medien läuft gut. Es ist zum Beispiel schön, dass wir gemeinsam mit der Stadt den Ausbau unserer Garderoben verwirklichen konnten. Wenn das Bild des Klubs in der Öffentlichkeit nicht so gut wäre, hätte sich die Stadt wohl dagegen entschieden.

Sie werden an der GV im nächsten Jahr als Präsident des FC Solothurn zurücktreten. Was wollen Sie bis zu diesem Zeitpunkt noch erreichen?

Dass ich als Präsident zurücktrete, heisst nicht, dass ich nichts mehr mache beim FC Solothurn. Ich kann mir gut vorstellen, je nach Bedarf, auch eine andere Funktion zu übernehmen. Dass wieder mal neue Ideen kommen von einem neuen Präsidenten, ist sinnvoll. Konkrete Ziele habe ich mir bis zum Rücktritt nicht gesetzt. In Sachen Infrastruktur wird sicher noch etwas gehen, Teile der Tribüne und Stehrampe werden saniert. Sehr schön wäre, wenn ich den Aufstieg in die Promotion League noch als Präsident erleben dürfte.

Was würde ein Aufstieg aus finanzieller Sicht bedeuten für den FCS?

Für uns hätte es sich gelohnt, diese Saison in der Promotion League zu spielen. Zum Beispiel bekommen die Klubs dort für die U21-Spieler eine Rückvergütung für deren Ausbildung. Auch ein Teil der Transportkosten wird entschädigt, in der 1. Liga dagegen gibt es nix. Insgesamt ist die Differenz in Sachen Ausgaben aber nicht gross. Die Prämien für die Spieler wären tiefer gewesen, da wir wahrscheinlich doch ein paar Spiele weniger gewonnen hätten.