Unterbrochen wurde diese Zeit allein durch einen Aufenthalt in Australien. Begonnen hatte diese unvergleichlich lange Laufbahn in Basel, von wo Ildiko Cameronauch herkommt. 1998 dann folgte sie dem Ruf des Präsidenten des SC Eichholz Gerlafingen und wechselte den Kanton.

Ildiko Camerons Mann, Ewen, war viele Jahre der Verbandsarzt der Schweizer Nationalmannschaft, gehört heute dem Medical-Komitee des europäischen Verbandes LEN an und führt in Solothurn eine orthopädische Praxis. «Der Schwimmsport hat also während der letzten Jahrzehnte unser Leben massgeblich bestimmt», erzählt Ildiko Cameron. Fast alles wurde rund um Trainingseinheiten, Nationalmannschafts-Einsätze, Trainingslager und so weiter herumorganisiert.

Zumal Camerons Kinder, Donald und Sheena, beide ebenfalls schwimmen – sehr erfolgreich notabene. Beide haben zig Medaillen an Nachwuchs-Schweizer-Meisterschaften gewonnen und auch an nationalen Titelkämpfen bei den Grossen. Tochter Sheena zuletzt im März über die kurze und lange Lagenstrecke.

Vielleicht spanisch

«Während dieser Jahreszeit hatten wir immer Ferien – aber wer weiss», fragt Ildiko Cameron, «in zwei, drei Wochen, wenn die Saison wieder losgeht, wird es mir vielleicht fehlen, zu überlegen, was ich in der Küche noch vorbereiten muss, bevor ich ins Training fahre.» Gut möglich, dass sich das Ehepaar Cameron in den nächsten Wochen und Monaten plötzlich neu kennen lernen wird, wenn auf einmal so viel Zeit frei wird. Zumal Tochter Sheena ihre Matur abgeschlossen hat und demnächst in Zürich das Medizinstudium beginnen wird.

Die Kinder sind also auch aus dem Haus – Sohn Don studiert und trainiert schon seit vier Jahren in Australien. «Vielleicht schaffe ich es, spanisch zu lernen», erzählt Ildiko Cameron lachend. Was sie aber ganz sicher nicht machen werde, sei, sich zurück an den Bassinrand zu stellen. Obwohl sie mit dem Schwimmsport verbunden bleibt.

Wenn alles klappt, entsteht in den nächsten Monaten eine Startgemeinschaft der Vereine Gerlafingen, Grenchen und Solothurn. Das heisst ein neuer Verein, eine Art Holding, bestehend aus der Elite aller Vereine, die nicht zusammen trainiert, sondern dann eben auch gemeinsam an Wettkämpfen starten kann – und vor allem darf. Ildiko Cameron wird Technische Leiterin dieses neuen Vereins, dessen Gründungsurkunde und Name noch nicht geboren ist.

EM-Medaille war auch dabei

Wollte man Camerons Highlights der letzten rund 30 Jahre am Beckenrand alle aufzählen, füllte dies wohl ein Telefonbuch. Für die engagierte Trainerin war und ist es wichtig, dass viele Jugendliche, die bei ihr trainiert haben, es später auch im Leben zu etwas gebracht haben.

«Schwimmen als Leistungssport erfordert viel Wille, Disziplin, Einsatz und Verzichten-Können – wer das alles aufbringt, dem bringt das sicher auch später im Leben etwas», so Cameron.

Zweifellos zählen auch die sportlichen Erfolge: Rund 60 Medaillen an Nachwuchs-Schweizermeisterschaften haben die von ihr trainierten Sportlerinnen und Sportler gewonnen. Urs Kohlhaas gewann 1991 an der Open-Water-EM in Italien Bronze. Und selbstverständlich gehören auch die Medaillen ihrer eigenen Kinder an den nationalen Titelkämpfen zu den Höhepunkten.

Was ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin als Elite-Trainerin in Gerlafingen, sprich der erwähnten neuen Startgemeinschaft angeht, ist Ildiko Cameron selbst Teil des Gremiums, das den Entscheid fällt. Den Richtigen oder die Richtige zu finden, dafür hat sie ja jetzt ziemlich, ziemlich viel Zeit…