Man kennt die Sportart bei uns kaum, denn bis ins Fernsehen schafft es das Gewichtheben eigentlich nur während der Olympischen Spiele. Dort gewinnen dann meistens Athleten aus China, Nordkorea, Kasachstan oder dem Iran, was das Interesse hierzulande auch nicht gerade fördert.

Nun will der neu gegründete «KSC CF Öuf» das Image dieses Sports bei uns verbessern und so wurde am vergangenen Wochenende im «CrossFit Öuf» in Zuchwil zum ersten Mal ein Wettkampf im olympischen Gewichtheben durchgeführt.

«Ich hätte nur 104 Kilogramm nehmen sollen», sagte Lukas Christen, als er vor dem Bildschirm mit dem aktuellen Wettkampfprotokoll stand. «Dann hätte ich die Limite für die Qualifikation der Schweizer Meisterschaften geschafft.»

Gerade war der 86 Kilogramm schwere Luterbacher in seinem dritten Versuch an 107 Kilogramm gescheitert und es zeichnete sich ab, dass er schlecht gepokert hatte. Er hätte auf sicher gehen sollen und etwas weniger Gewicht auflegen lassen müssen. Christen wusste, dass Micha Lehmann den Wettkampf der 2. Liga nun wohl gewinnen wird.

Tatsächlich stemmte dann der 96 Kilogramm schwere Subinger im letzten Versuch seine 112 Kilogramm souverän. Micha Lehmann war danach ganz überrascht, dass er damit den Wettkampf gewonnen hatte.

«Ich habe mich ganz auf mich konzentriert und wollte meine beste Leistung zeigen», sagte er. «Ich mache seit zehn Jahren Powerlifting und habe erst vor kurzem mit dem olympischen Gewichtheben begonnen.» Nun hat sich Lehmann zum Ziel gesetzt, dieses Jahr um den Schweizer-Meister-Titel zu kämpfen.

Schweizer Meisterin aus Biberist

Mehr Gewicht, mehr Muskeln, mehr Leistung, bessere Resultate: So einfach ist das beim olympischen Gewichtheben nicht. Dass sich zehn Kilogramm Unterschied beim Körpergewicht auf die Leistung auswirken, ist leicht zu verstehen.

Die Gewichtheber verrechnen deshalb das Körpergewicht des Athleten mit der gezeigten Leistung und auf dem in Echtzeit geführten Wettkampfprotokoll stehen in der Rubrik «Sinclair» die Punkte, die für das Klassement zählen.

So lange sie Strassenkleider tragen, sieht man den Gewichthebern – im Gegensatz zum Beispiel zu Bodybuildern – ihren Sport nicht an. Es waren einfach sportlich aussehende Frauen und Männer, die sich am Samstag in der Halle «CrossFit Öuf» an der Zuchwiler Industriestrasse tummelten.

In den Wettkampfkleidern kamen dann aber die zum Teil doch recht beeindruckenden «Muckis» zur Geltung. «Das Ziel ist es nicht, möglichst viele Muskeln zu bekommen, denn die Technik ist beim Gewichtheben genauso wichtig wie die Kraft», erklärt Lorena Pergola die Faszination des Gewichthebens.

Die 22-jährige Grenchnerin, die jetzt in Biberist lebt, schafft im Reissen 79, im Stemmen 96 Kilogramm und ist damit amtierende Schweizer Meisterin der Gewichtsklasse unter 68 Kilogramm. Damit war sie für den Wettkampftag in Zuchwil überqualifiziert. Sie half deshalb bei der Organisation mit.

Lorena Pergola ist auch längst nicht die einzige Frau, die im «CrossFit Öuf» mit schweren Gewichten hantiert. Etwa die Hälfte der Mitglieder sind Frauen, sagt sie. «Ich habe das Gewichtheben in mein allgemeines Training integriert. Es geht mir nicht ums Aussehen.

Ich will einfach ganz allgemein eine gute und vielseitige Athletin sein.» Ihr nächstes Ziel sei die Weltmeisterschaft im Powerlifting. Die Qualifikation hat sie bereits geschafft. Im Oktober wird sie dann in Berlin in den drei Sparten Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben ihr Bestes geben.

Klub existiert seit zwei Monaten

Die Feuertaufe hat der «KSC CF Öuf», der neue Klub der Solothurner Gewichtheber, bestanden. Gegründet wurde der Verein erst vor zwei Monaten durch das Zuchwiler «CrossFit Öuf» und den Horriwiler Kraftsportclub Solothurn.

Die Bilanz des ersten Wettkampfs im olympischen Gewichtheben fällt positiv aus: Die Halle war gut besucht, die Stimmung familiär und freundschaftlich. Mit Jeffrey van der Made (1. Liga), Micha Lehmann (2. Liga) und Anja Bauder (2. Liga Frauen) gab es erst noch Siege der eigenen Athleten zu feiern.