Springreiten
Pius Schwizer hat nach turbulenten Monaten wieder Boden unter den Füssen

Heirat, Enttäuschung an Olympia, Trennung von der Ehefrau, Spitzenpferd weg. 2012 war für Pius Schwizer eine emotionale Achterbahnfahrt. Mittlerweile haben sich die Wogen beim Oensinger wieder geglättet.

Daniel WEissenbrunner
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Pius Schwizer beendet mit dem Sieg im Jagdspringen vom Samstag seine Basler Baisse.

Pius Schwizer beendet mit dem Sieg im Jagdspringen vom Samstag seine Basler Baisse.

Katja Stuppia

Das vergangene Jahr hatte es für Pius Schwizer sportlich und privat in der Tat in sich: Er wollte Gold an den Olympischen Spielen in London. Schwizer ging sowohl mit der Mannschaft wie im Einzel leer aus. Im Frühling heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Nicole Scheller. Nur wenige Monate später zerbrach die Beziehung nach einer ausserehelichen Affäre von Schwizer mit einer jungen Reiterin. Und als der Besitzer seines Ausnahmepferdes Carlina, François Leiser, im August die elfjährige Holsteinerstute zum Verkauf freigab, war das Fass scheinbar voll. Leiser stellte dem irischen Reiter Trevor Coyle Carlina zur Verfügung.

Es wären ausreichend Gründe vorhanden gewesen, die Schwizer aus seinem Lebensparcours hätten werfen können. Nicht so der 50-Jährige: Am CSI in Basel präsentiert sich die aktuelle Weltnummer 7 in aufgeräumter Stimmung, wenngleich die Top-Resultate auf sich warten lassen. «Basel meinte es mit mir bisher sportlich nicht gut», hat Schwizer feststellen müssen. Das war anfänglich auch am CSI in Zürich der Fall. In der Zwischenzeit gehört er dort zu den erfolgreichsten Reitern. Am gestrigen Jagdspringen beendete er seine Basler Baisse. Er entschied das Jagdspringen für sich.

seine private Angelegenheiten hat Schwizer einvernehmlich gelöst. Seine Noch-Ehefrau arbeitet wieder auf dem Reiterhof in Oensingen. Die anfängliche Affäre ist jetzt offiziell seine Partnerin. «Zu meiner Mutter habe ich immer gesagt, ich heirate nie. Mittlerweile habe ich zwei Ehen hinter mir. Eine dritte wird es kaum geben», sagt Schwizer schmunzelnd. Dafür sei er im Grunde ein zu freiheitsliebender Mensch, hat er mit seinen 50 Lenzen feststellen müssen.

Sportlich darf die ehemalige Weltnummer 1 auf ein erfolgreiches Jahresende zurückblicken. Mit mehreren Top-Ergebnissen im Weltcup, darunter den Sieg in Lyon, hat sich Schwizer frühzeitig die Teilnahme am Final Ende April in Göteborg gesichert. Die Qualifikation ermöglicht es ihm, seine Spitzenpferde dosiert einzusetzen. Schwizer verfügt auch nach dem Abgang von Carlina über einen hochkarätigen Vierbeinerpark. Dazu gestossen sind neu zwei Pferde von – François Leiser. Der neunjährige Fuchswallach Duc de Mariposa, vormals unter dem Sattel des ägyptischen Reiters Abdel Said, sowie die sechsjährige, bislang von Eva Ursin gerittene Stute Gipsy Girl De Tiji. «Es freut mich sehr, dass Leiser weiter mit mir auf die Zukunft baut und mir wieder vielversprechende Pferde zur Verfügung gestellt hat», sagt Pius Schwizer.

Ausserdem macht das Gerücht die Runde, dass Carlina bald nach Oensingen zurückkehren könnte. «Herr Leiser hat vielleicht gemerkt, was ich aus ihr rausholen konnte», erklärt Schwizer genüsslich. «Ich überschätze mich selber nicht, man sollte mich aber auch nicht unterschätzen.»