Er gewann mit ihm Silber an den olympischen Spielen in Atlanta und Sydney. Er holte mit ihm EM-Gold. Ihm verdankte er den Aufstieg zur Weltnummer 1. Mit ihm strich er ein Preisgeld von rund zwei Millionen Franken ein. Die Beziehung zwischen Willi Melliger und seinem Holsteiner Schimmel war in jeder Hinsicht aussergewöhnlich. Aussergewöhnlich erfolgreich und ausserordentlich nahe. Als Calvaro am 2. Oktober 2003 eingeschläfert werden musste, verlor Melliger nicht nur das beste Pferd, sondern einen engen Freund. «Vielleicht mehr noch. Es war, als wäre die Mutter oder der Vater gestorben», erinnert er sich. Der Verlust hat beim Neuendorfer Spuren hinterlassen. Calvaro ist bis heute allgegenwärtig. «Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke, sagt Melliger. Die Asche hat er auf dem Gelände seines Gestüts verstreut. In den Stallungen hängt eine überdimensionales Plakat.

Willi Melliger im Interview: «Calvaro ist immer noch präsent»

Willi Melliger im Interview: «Calvaro ist immer noch präsent»

Rücktritt als Coach der jungen Reiter

Auch bei den Pferdefreunden ist das Ausnahmepferd unvergessen. «Calvaro erhält heute noch regelmässig Fanpost», sagt der 59-Jährige mit einem Schmunzeln. «Die Leute haben ihn auch 10 Jahre nach seinem Tod nicht vergessen.» Calvaro war der eigentliche Popstar der Reitszene. Medial gekonnt ins Rampenlicht, genoss der Wallach Kultstatus. Calvaro war das Gegenteil von Willi Melliger. Der Solothurner sucht bis heute nicht die Öffentlichkeit. Grosse Auftritte sind ihm unangenehm. Als bestes Beispiel diente sein Rücktritt kurz nach Calvaros Tod, denn er praktisch durch die Hintertüre vollzog. Keine Medienmitteilung, geschweige denn eine Pressekonferenz. «Heute müsste man das wohl ein wenig anders machen», gibt Melliger zu. Gelegenheit dazu bietet sich ihm schon bald. Der vierfache Olympia-Teilnehmer gibt sein Amt als Chef «Junge Reiter» beim Reitverband im kommenden Jahr ab. «10 Jahre sind genug», sagt er. Zwischen den Zeilen lässt er aber durchblicken, dass ihn Aufgabe auch aufgerieben habe. Er stand im Schussfeld, wenn es um Selektionen ging. «Irgendwann habe ich das nicht mehr nötig», erklärt Melliger, in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag feiert.

Dickes Loch in der Kasse

Die arbeit wird ihm nicht ausgehen. In seinem Reitstall handelt er mit Pferden und gibt Trainings. Darüber hinaus organisiert er seit Jahren den CSI in seinem Wohnort. Neuerdings nur noch für den Nachwuchs. Die letztjährige Veranstaltung hat ihm dickes Loch in die Kasse gerissen. «Ohne Hauptsponsor ist die Fortführung unwahrscheinlich», macht sich Melliger keine Illusionen. Die Weichenstellung geschieht wohl an diesem Wochenende. Mögliche Interessenten haben sich bei ihm gemeldet. «Von ersten Gesprächen, über Verhandlungen bis hin zur Unterschrift ist aber ein langer Weg», weiss er. Sein Handy klingelt. «Ein möglicher Sponsor.» Melliger macht sich auf. Vorbei am Plakat mit Calavaro als Hauptdarsteller.