Mit dem Pferd von Zürich nach Bern reiten. Wenn man die Kilometeranzahl (125km) nimmt, legt die Solothurnerin Natalie Miller ungefähr diese Strecke an einem Wettkampftag auf dem Rücken ihres Pferdes zurück.

Das Nachwuchs-Talent im Distanzreiten (oder auch Endurance Reiten) gewann in diesem Jahr mit einem Vollblut Araber über 120 Kilometer den Junioren-Schweizer-Meister-Titel. «Dieses Pferd habe ich von jemandem ausgeliehen bekommen», sagt Miller, die selbst zwei andere Pferde besitzt.

Pausen für Pferd und Reiterin

Der Ablauf eines Endurance-Wettkampfes ist genau geregelt. Man reitet eine vorgegebene Strecke, welche in verschiedene Schlaufen von 20km - 35km unterteilt ist. «Immer wenn ich eine dieser Schlaufen geritten bin, wird mein Pferd von einem Tierarzt durchgecheckt. Danach gibt es eine Zwangspause, in der Pferd und Reiter essen und trinken müssen», erklärt Miller, «erst wenn vom Arzt die Freigabe kommt und die Zwangspause von 30 Minuten vorbei ist, darf man weiterreiten.»

Distanzreiterin Natalie Miller im Kurzinterview

Distanzreiterin Natalie Miller im Kurzinterview

Das Ziel sei es, als Erste diese 120km absolviert zu haben, wobei wichtig ist, dass das Pferd auch nach dem Wettkampf noch weiterlaufen kann. «Gewonnen hat der, der am Ende des Tages das schnellste, gesündeste und fitteste Pferd hat», bestätigt die in England geborene 17-Jährige. Bei den Schweizer-Meisterschaften zählte jedoch nicht nur ein Wettkampf, es wurden die besten drei Resultate über die ganze Saison hinweg gezählt. «Dies macht den Sieg noch wertvoller», bestätigt Miller.

Immenser Trainingsaufwand

Das Betreiben dieser Sportart nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Drei Stunden trainiert Miller täglich. «Nach der Schule gehe ich in den Stall, setzte mich auf mein Pferd und reite los. Manchmal steige ich ab, um neben dem Pferd her zu joggen. So trainieren wir beide», lacht die Sportklassenschülerin der Kantonsschule Solothurn.

Die 17-Jährige hat keinen Trainer und darauf ist sie stolz: «Ich erstelle meine Trainingspläne selbst. Wenn ich unsicher bin, kann ich mich jederzeit an die Junioren-Verantwortliche Sandra Bechter von Swiss Endurance wenden.»

Zurzeit arbeitet die Reiterin, deren Vater Engländer und deren Mutter Französin ist, daran, sich für die Europameisterschaften im Juli in Rom zu qualifizieren. Dazu fehlt ihr noch ein Qualifikationsritt und dann ist das grosse Ziel erreicht.

Sponsoren Suche

Bis dahin ist die Nachwuchs-Reiterin fleissig auf der Suche nach Sponsoren. Denn Endurance Reiten ist in der Schweiz eine Randsportart und somit auch nicht rentabel, was das Geld angeht. Nur in Frankreich könne man wirklich davon leben, erklärt Miller.

Trotzdem war für sie schon immer klar, dass sie Distanzreiten wollte: «Dressurreiten gefällt meinem einen Pferd nicht», lacht Miller. «Der sportliche Aspekt ist beim Endurance Reiten gegeben und ich kann viel Zeit mit meinem Pferd verbringen. Es geht nicht alles so schnell, wie beim Dressurreiten», fügt die ehrgeizige Sportlerin an.