Fussball 1. Liga

Paulo Vogt: «Habe mehr erreicht, als ich mir je vorstellen konnte»

Vogt (links) wird von Sion-Präsident Constantin nach dem Cupgewinn 2006 geherzt.

Vogt (links) wird von Sion-Präsident Constantin nach dem Cupgewinn 2006 geherzt.

Der 38-jährige Paulo Vogt, einst Topskorer in Luzern und Sion, steht in Grenchen wieder aktiv auf dem Fussballplatz. Beim Solothurner Verein versucht er seine Erfahrungen weiterzugeben und vor allem den jungen Spielern zu helfen.

Im Klubhaus des Drittligisten Wacker Grenchen läuft das Testspiel zwischen Italien und England im Fernsehen. Graziano Pelle köpfelt Italien in Führung. «Den hätte Paulo auch gemacht», witzeln die Anwesenden. Gemeint ist Paulo Vogt, 2006 Cupsieger mit Sion. Als 23-Jähriger kam Paulo Vogt in die Schweiz. Die Reise des Brasilianers, der bis anhin in der höchsten brasilianischen Liga spielte, begann mit einem grossen Irrglauben.

Seine erste Auslandstation beim damaligen Erstligisten aus Kreuzlingen wurde ihm von einem Berater als aussichtsreiche Station in der höchsten Schweizer Liga verkauft. Was Vogt nicht wusste: Es handelte sich zwar um die höchste Amateurliga, nicht aber um die höchste Spielklasse überhaupt. «Zunächst wollte ich nach einem halben Jahr in meine Heimat zurückkehren und sah meinen Aufenthalt in Kreuzlingen als persönlichen Test», sagt der Stürmer rückblickend.

Dann aber entwickelte sich alles anders. Vogt zeigte schon früh seine Stürmerqualitäten, reihte Treffer an Treffer und machte unter anderem den FC Schaffhausen auf sich aufmerksam, wo er seinen ersten Profivertrag erhielt. «Die negativen Erfahrungen bei meiner Ankunft haben mir in meiner weiteren Karriere sehr geholfen», sagt Vogt. Er sei sehr schlecht beraten worden und ganz auf sich alleine gestellt gewesen.

Erfahrungen weitergeben

Davor wolle er nun vor allem junge Spieler bewahren: «Wenn jemand meine Hilfe benötigt, dann versuche ich ihm zu helfen. Ich bewältigte in meiner Karriere alles selber und weiss daher auch, wo die Schwierigkeiten im Fussball – gerade für junge Spieler – liegen.»

Auf dem Platz, wo Vogt in bisher fünf Spielen für den Drittligisten Wacker Grenchen bereits acht Treffer erzielen konnte, fällt diese Eigenschaft besonders auf. «Seit wir ihn bei uns haben, ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen», sagt Wacker-Trainer Antonio Amodio. Das grösste Problem, das Amodio und Vogt beklagen, sei der mangelnde Wille junger Spieler: «Damit es für eine grosse Karriere reicht, muss man mehr arbeiten als andere. Alle wollen Fussball spielen, aber niemand weiss, was es braucht, um ganz nach oben zu kommen.»

Schwierige erste Hälfte

So hätten zu Beginn vor allem die jungen Spieler Mühe mit der Art von Vogt gehabt. «Mit seinen Mitspielern ist er streng, will helfen und das Beste aus ihnen herausholen», erklärt Amodio. Dies mache er aber stets sehr sympathisch, nie überheblich und immer mit vollem Einsatz: «Den Willen und die Freude, die er auf den Platz bringt, sind vorbildlich. Für mich als Trainer ist es eine Ehre, einen solchen Spieler trainieren zu dürfen. Paulo muss man einfach gern haben.»

Das Engagement von Vogt bei Wacker Grenchen kam indes relativ unkompliziert zustande. Spieler und Trainer kannten sich von früher, weshalb Amodio Vogt aufgrund eklatantem Spielermangel beim aktuellen Tabellenzehnten zu Saisonbeginn angefragt hatte. «Wir mussten im Sommer 14 Spieler ziehen lassen. Das machte die erste Saisonhälfte sehr schwierig», erklärt Amodio.

Zwar schlug Vogt die Bitte mit der Begründung, wohl zu schlecht für diese Liga zu sein, zunächst aus, erschien dann aber ein halbes Jahr später von alleine im Training. Ein Angebot vom Nachbarn FC Grenchen hatte er zwischenzeitlich ebenfalls abgelehnt. «Nun versuchen wir, Konstanz in den Verein zu bringen, um so etwas gemeinsam aufbauen zu können», erklärt Amodio.

Liga spielt keine Rolle

Das Spiel in Turin endet 1:1. Im Tor der Italiener stand der 37-jährige Gianluigi Buffon, der noch immer auf höchstem Niveau spielt. «Er muss als Torhüter ja auch nur ab und zu nach einem Ball hechten», scherzt Vogt. «Für mich spielt die Liga, in der ich spiele, keine Rolle. Ich habe in meiner Karriere bereits mehr erreicht, als ich mir je vorstellen konnte.» Wichtig sei die Freude am Spiel und der Reiz, den jüngeren Spielern etwas lehren zu können.

Auf die Frage, ob er denn nie an eine lukrative Spätkarriere in der Wüste oder den USA gedacht habe, schmunzelt er: «Bis jetzt noch nicht, aber das wäre sicher eine Überlegung wert. Im Ernst: Ich bin glücklich mit dem, was ich habe.»

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